Fr, 19. Oktober 2018

Erdkabel scheint tabu:

17.05.2018 10:01

Leitungsprojekt setzt Mühlviertler „unter Strom“

Neue Stromleitungen lassen die Emotionen der Anrainer immer hochgehen. Während im Almtal die umstrittene 110-kV-Freileitung schon gebaut wird, ist ein Groß-Projekt im Mühlviertel noch in der Planungsphase. Die Anrainer entlang der möglichen Trassen stehen quasi schon „unter Strom“. Sie fordern ein Erdkabel, doch die Chancen darauf sind nur gering.

Seit Februar ist die Freileitung zwischen Freistadt und Rainbach in Betrieb. Doch für das von Land, Energie AG und Linz AG geplante Mühlviertler Gesamtpaket fehlen noch Leitungen von Rainbach über Bad Leonfelden nach Rohrbach. Für diese Abschnitte liegen nun mehrere Varianten vor. „Eine davon führt direkt an meinem Haus vorbei, ich habe kürzlich davon erfahren“, klagt eine Anrainerin ihr Leid der „Krone“. Überall entlang der Trassen schreien derzeit Bewohner auf. Organisiert - etwa in einer Initiative - haben sie sich aber bisher noch nicht.

Trassenentscheidung in diesem Jahr
Für Walter Wöss, Projektkoordinator vom Land, ist die Kritik keine Überraschung: „Freilich wollen sich die Grundeigentümer vorab positionieren und so Varianten verhindern. Niemand will eine Leitung in seiner Nähe, das ist klar.“ Fixiert sei aber ohnehin nichts, bis Jahresende soll eine Entscheidung für die beste Trasse fallen. Dass sich die Bürger ein Erdkabel statt einer Freileitung in der Landschaft wünschen, kann Wöss nachvollziehen. Doch Vorgabe wäre, als erstes immer alle Varianten von Freileitungen zu prüfen. „Erst, wo nichts möglich ist, überlegen wir auch Alternativen“.

Kürzere Lebensdauer und schwierigere Wartung
Hauptgrund dafür wäre aber nicht, dass die Erdkabel schon alleine bei der Verlegung um einiges teurer kommen, als der Bau einer Freileitung. Erdkabel hätten zusätzlich eine kürzere Lebensdauer und wären auch schwieriger bei der Schadensbehebung. Am Dienstagabend wurden Bürger in Traberg auf deren Wunsch über das Projekt informiert. Anrainer Manfred Fischerlehner war danach deprimiert: „Ich wusste nicht, dass das Erdkabel erst in Frage kommt, wenn alle Freileitungsvarianten ausgeschlossen wurden.“

Regionskonferenz vor dem Sommer
Noch vor dem Sommer sollen Entscheidungsträger der betroffenen Gemeinden über den weiteren Fortschritt in einer Regionskonferenz informiert werden. Im April hatte es bereits ein solches Treffen gegeben, der nächste Termin wäre also dann der zweite. Ein Baubeginn für die Leitung könnte - je nach Dauer der Genehmigungsverfahren - 2020 sein.

Simone Waldl, Kronen Zeitung

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