"Mauerfall" in Israel

Protestgruppe reißt Grenzmauer im Westjordanland ab

Ausland
10.11.2009 10:50
Jugendliche Palästinenser haben am 20. Jahrestag des Berliner Mauerfalls im Westjordanland einen Teil des israelischen Sperrwalls abgerissen. Eine etwa 50-köpfige Gruppe rückte mit einem Lkw an und feierte das umgestürzte Betonteil mit Protestparolen. An der bereits fast 500 Kilometer langen Sperrmauer, mit der sich Israel nach eigenen Angaben vor Anschlägen schützt, wird seit dem Jahr 2002 gebaut.

"Heute erinnern auch wir an den 20. Jahrestag des Falls der Berliner Mauer", sagte der Anführer der Protestgruppe gegen den israelischen Sperrwall, Abdullah Abu Rahma. Mehrere Vermummte befestigten bei Kalandiya ein zwei Meter breites und sechs Meter hohes Mauerstück an ihrem Lkw, der unter lauten Anfeuerungsrufen der Anwesenden daran zog, bis es fiel.

Mehrere Demonstranten gelangten nach dem erfolgreichen "Mauerfall" durch das Loch auf die israelische Seite. Dort entrollten sie eine palästinensische Flagge und steckten Reifen in Brand. Israelische Sicherheitskräfte gingen mit Tränengas gegen die Demonstranten vor. Waffengewalt wurde aber nicht angewandt.

Am Freitag hatten Jugendliche an einer anderen Stelle an der umstrittenen Sperranlage zu schaffen gemacht, sie konnten ein bereits herausgebrochenes Mauerstück aber nicht umkippen. Abu Rahma kündigte für die kommenden Tage weitere Proteste dieser Art an. Die israelische Mauer sei fünfmal so lang und doppelt so hoch wie die ehemalige Berliner, merkten die Demonstranten an.

Sperranlage markiert Israels Wunschgrenzen
Israel bezeichnet die aus Zäunen und Mauern bestehende Sperranlage, die nach einer Serie blutiger Anschläge im Juni 2002 beschlossen wurde, als Schutzmaßnahme gegen das Eindringen von Selbstmordattentätern aus dem Westjordanland. Rund 60 Prozent der mehr als 700 Kilometer langen Anlage sind fertiggestellt. Israel weist immer wieder darauf hin, dass die Zahl der Anschläge und damit verbundenen Todesopfer seither dramatisch zurückgegangen ist. Die Palästinenser kritisieren die Mauer als Versuch, das Territorium für ihren angestrebten Staat zu beschneiden.

Israel nimmt den Verlauf des Walls in Friedensangeboten an die Palästinenser stets als Linie für eine zukünftige Grenze einer Zwei-Staaten-Lösung, mit der die Palästinenser 5 Prozent des Westjordanlandes verlieren würden. 2004 bezeichnete der Internationale Gerichtshof den Grenzwall in einem nicht bindenden Beschluss als illegal, weil er auf besetztem Gebiet verläuft.

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