So, 23. September 2018

Stadt Linz gegen Erben

28.04.2018 06:00

Streit um Kunst führte Richter ins Stadt-Archiv

Ins Archiv der Stadt Linz verschlug es Richter Hermann Holzweber. Grund für den ungewöhnlichen Verhandlungsort war der nicht enden wollende Streit um ursprünglich vier verschwundene Kunstwerke von Klimt und Schiele. Die Stadt war zu 8,24 Millionen Euro Schadenersatz verurteilt worden. Nun wird eine Wiederaufnahme geprüft.

Der Linzer Bilderstreit mit den Erben einer Sammlerin, die vier Werke von Klimt und Schiele der Neuen Galerie der Stadt Linz ausgeliehen hat, ist seit dem Jahr 2009 immer wieder für überraschende Wendungen gut. Nicht nur, dass eines der umstrittenen Bilder, „Zwei Liegende“ von Gustav Klimt, Ende 2017 im Nachlass einer ehemaligen Sekretärin der Galerie überraschend aufgetaucht ist, fand sich im Archiv ein Schriftstück, wonach die Mutter der Erben 1990 die Bilderleihe gekündigt habe. Die Stadt hofft, dass die bereits rechtskräftig entschiedene Klage damit verjährt ist. Darüber muss der Linzer Richter Hermann Holzweber nun entscheiden

Schreiben zufällig entdeckt
Richter Holzweber machte sich deshalb persönlich einen Eindruck, ob dieses Schreiben in den rund 10 Millionen archivierten Schriftstücken nicht schon früher entdeckt werden hätte können. Dazu ging es in den Keller des Neuen Rathauses. Archiv-Direktor Walter Schuster versuchte zu erklären, nach welchen Regeln die Akten wann und wo archiviert werden. Dazu wurden Stahlschränke verschoben, Aktenschuber gezählt, Fotos gemacht und Zeugen befragt.  „Ich habe für eine Ausstellung, die ich zusammenstellte, im Archiv recherchiert. Dabei bin ich auf das Schreiben von Frau Jäger, in dem sie die Leihe 1990 aufkündigt hat, gestoßen“, sagte die Vizedirektorin des Kunstmuseum Lentos, Elisabeth Nowak-Thaller aus. Das neue Beweisstück, das der Stadt Linz 8,24 Millionen Euro ersparen könnte, liegt übrigens jetzt im Tresor des Archivs. Ein Ergebnis des Lokalaugenscheins steht noch aus. Die Entscheidung über die Wiederaufnahme ergeht schriftlich.

Drei Bilder weiter verschwunden
Noch nicht entschieden ist auch, ob das wiederentdeckte Werk „Zwei Liegende“ von Gustav Klimt an die Erben zurückgegeben wird und diese einen Teil des Schadenersatzes zurückzahlen. Das wird laut Auskunft der Stadt Linz außergerichtlich verhandelt. Schieles Zeichnung „Paar“ sowie das Aquarell „Junger Mann“ und ein Ölgemälde aus der Reihe „Tote Stadt“ sind nach wie vor verschwunden. Das Landeskriminalamt hat aber neuerlich Ermittlungen aufgenommen.

Claudia Tröster, Kronen Zeitung

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