Fr, 21. September 2018

Album „Dead Magic“

28.03.2018 07:00

Anna von Hausswolff durchschritt finsteres Tal

Mit ihrer eklektischen Mischung aus Noise-Pop und Folk hat sich Anna von Hausswolff in den letzten Jahren eine eigene Nische weitab des Mainstreams erschaffen und wurde doch immer berühmter. Für ihr neues Album „Dead Magic“ musste sie durch ein dunkles Tal schreiten, um das Licht am Ende des Tunnels zu finden. Leicht macht es uns die 31-Jährige auch weiterhin nicht.

„Ich sah eigentlich keinen Sinn darin, Musik zu machen.“ Dieser Satz fällt Anna von Hausswolff hörbar schwer, und damit steht er symptomatisch für ihr neues Album „Dead Magic“: Ein wild mäanderndes Ungetüm an Sounds und Klängen, das seiner Schöpferin schwere Zeiten bereitete, aber im Nachhinein in schillernden Farben strahlt. Vor kurzem erschienen, ist die Platte sicherlich ihre kompakteste.

Paradoxe Phase
Und das wie gesagt, obwohl die Entstehungsphase alles andere als einfach war: „Zu jener Zeit fühlte ich mich sehr passiv, beinahe taub“, erinnert sich die zierliche Musikerin im APA-Interview. „Ich fürchtete um den Zugang zu meiner Kreativität, zu meiner Vorstellungskraft. Es war eine schlechte Phase. Dabei war es paradox: Ich bildete mir ja nur ein, dass ich nicht mehr kreativ bin, dass ich nichts erzeugen kann. Wie kann der Geist nur so hart daran arbeiten, die eigene Vorstellung zu konterkarieren?“

Das Ergebnis spricht dennoch für sich: Die fünf Songs von „Dead Magic“ sind mal direkt, dann bedächtig und zurückgenommen. Die stets alles dominierende Orgel, die von Hausswolff diesmal in Kopenhagen eingespielt hat, steht ebenso als Orientierungshilfe zur Verfügung wie ihre mal fragile, dann zupackende Stimme. Poppige Anleihen, mächtige Doom-Wände, atmosphärisch dichte Arrangements - das sind auch diesmal ihre bevorzugten Zutaten, allerdings versteht es von Hausswolff mittlerweile noch besser, damit den nötigen Effekt zu erzielen und eine Sogwirkung zu erzeugen.

Befreiungsschlag
„Die Songs sind an diesem für mich schlimmen Ort entstanden, aus dem ich mich schlussendlich aber befreien konnte“, versucht die Sängerin nochmals eine Beschreibung des Zustands, in dem sie sich die vergangenen Monate befand. „Die Musik, aber auch meine Familie und Freunde halfen mir dabei. Ich konnte die Stücke plötzlich neu entdecken.“ Seinen Teil dazubeigetragen hat auch Produzent Randall Dunn, den man von seinen Arbeiten für extreme Bands wie Sunn O))) oder Wolves In The Throne Room kennt. „Er hatte einfach eine andere Art aufzunehmen, als ich es vorher gewohnt war.“

All diese Aspekte trugen dazu bei, dass „Dead Magic“ trotz der widrigen Umstände wie aus einem Guss klingt. „Dabei musste ich mir die Bedeutung dieser Lieder erst wieder erarbeiten, musste mir dessen bewusst werden, worum es in ihnen geht“, so Von Hausswolff. Ob sie dabei zum Ursprung zurückgekehrt ist, könne sie nicht sagen. „Ich weiß es nicht“, meint sie nachdenklich. „Womöglich ist die Bedeutung heute eine ganz andere als damals, als ich sie geschrieben habe. Aber mit geht es einfach um meine Kreativität, und die muss ich begrüßen und feiern.“

Lebender Organismus
Die Lieder würden davon abgesehen sowieso immer weiter wachsen, vor allem auch durch die Livedarbietungen. „Natürlich gibt es die Strukturen, Melodien und Akkorde, die da sind. Aber Songs sind trotzdem wie ein lebender Organismus. Es sind gewissermaßen kleine Menschen mit ganz eigenen Persönlichkeiten, die sich weiter verändern.“ Diesmal habe sie außerdem ihren Gesang anders aufgenommen: „Es war ein noch stärker physischer Vorgang als zuvor. Ich bin gestanden, habe mich bewegt, habe viel Energie hineingelegt. Mein Körper hat einfach entschieden, das so zu machen. Ich entdeckte auf diese Weise neue Räume in meiner Stimme.“

Und „Dead Magic“ habe ihr auch gezeigt, „dass es okay ist, wenn man verletzlich und zerbrechlich ist. Man muss nicht alles kontrollieren, sondern kann sich auch überraschen lassen. Andere Leute können dich führen.“ Ihre Band sowie Dunn seien diesbezüglich wesentliche Bezugspunkte gewesen. Und wie war das mit der Orgel in Kopenhagen, wieso musste es diese sein? „Normalerweise gehe ich nach der Größe. Je größer, umso besser“, lacht Von Hausswolff. „Nein, ernsthaft: Das spielt eine ganz wichtige Rolle. Du hast dann einfach mehr Möglichkeiten. Aber auch der Raum ist ungemein wichtig, die Harmonie zwischen diesen Polen muss einfach stimmen.“

Platz für Licht
Ein Rätsel bleiben für die Hörer wiederum die Texte auf der Platte - zumindest will Von Hausswolff da keine Fährten oder Erklärungen liefern. „Nein“, lacht sie, auf die entsprechende Frage antwortend, „man kann ja hören, dass es mir nicht gut gegangen ist, als ich die Lieder geschrieben habe. Aber es gibt ja nicht nur diese schwierige Stimmung, auch das Positive, das danach gekommen ist, manifestiert sich darin. Es ist viel Licht in den Songs. Man hört die gute Anna wie die böse Anna“, schmunzelt die Musikerin.

APA/Griessner

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