Mi, 19. Dezember 2018

krone.at-Analyse

18.03.2018 06:00

Neuer Fernseher zur WM: Darauf sollten Sie achten

Bis zur Fußball-WM in Russland sind es nur noch ein paar Wochen. Traditionell nehmen Konsumenten derlei Großereignisse oft zum Anlass für eine TV-Neuanschaffung: In der Branche schätzt man, dass die Österreicher anlässlich der WM heuer eine Viertelmillion neue Fernseher kaufen werden. Aber worauf kommt es dabei an? Aktuell in aller Munde: Der Kampf zwischen OLED- und Quantenpunkt-TVs mit 4K- bzw. UHD-Auflösung, ein Formatwildwuchs bei HDR, verschiedene Smart-TV-Betriebssysteme – und einer, der zu spät zur Fußballparty kommt.

Der Markt für 4K-Fernseher (auch UHD-Fernseher genannt) mit 3840 mal 2160 Pixeln Auflösung ist heute im Grunde ein Schaukampf zweier koreanischer Megakonzerne mit unterschiedlichen Bildschirmtechnologien. In der einen Ecke des Ringes: LG Electronics mit seiner bei der Schwarzdarstellung über jeden Zweifel erhabenen selbstleuchtenden OLED-Technik, in der anderen Ecke Samsung, wo man mit Local Dimming und Quantenpunkt-Farbverstärkung dagegenhält.

So gut wie alle anderen Hersteller bedienen sich ebenfalls einer der beiden Strömungen. Oder beider: Im Moment bedienen Marken wie Sony, Panasonic, Hisense oder Philips mit OLED-Fernsehern die Oberklasse, bei mittelpreisigen und günstigeren Modellen ist man sich herstellerübergreifend ziemlich einig: LED-TVs werden hier oft mit Quantenpunkten farbverstärkt und mit Local Dimming bei Kontrast und Schwarzdarstellung verbessert. Das Endergebnis kann es nicht ganz mit OLED aufnehmen, ist aber deutlich besser als LED-TV-Technik noch vor drei Jahren.

OLED: Gleicher Panelhersteller, unterschiedliches Bild
Bei den Herstellern von OLED-TVs kommt eine interessante Komponente hinzu: Sie beziehen ihre Bildschirme alle vom gleichen Hersteller, nämlich LG. Nur dort hat man Know-how und Fabriken zur Produktion großer OLED-Panels. Samsung, wo man sich mit OLED im Smartphone-Bereich bestens auskennt, bleibt bei dieser Technologie in der Kompaktklasse. Und LG beliefert derweil die ganze Branche.

Ein OLED-TV von Sony oder Panasonic hat demnach heute einen LG-Bildschirm. Das muss kein Nachteil sein. Lieber ein gutes Panel zukaufen und einen sauberen TV drum herum bauen, als einen sauberen TV mit schlechtem Bild und eigenem Panel.

Bei den japanischen Herstellern ist man dennoch bemüht, die eigenen 2018er OLED-TVs auch vom eigenen Zulieferer abzugrenzen. Beide locken mit hochentwickelten Bildprozessoren (Panasonic: HCX-Prozessor, Sony: X1 Extreme), die - laut unserem Eindruck nach dem Probeschauen beim jeweiligen Hersteller - tatsächlich einen Unterschied machen können. Bei Panasonic hebt man hervor, dass viele Filmstudios in Hollywood die eigenen Geräte als Referenzfernseher nutzen. Sony lockt derweil mit einem interessanten Audio-Feature: Der TV wird in Schwingung versetzt und dient als Riesenbox mit Stereovirtualisierung.

Rasanter Preisverfall bei OLED-Fernsehern
TV-Käufer, die auf einen OLED-Fernseher für die WM spekulieren, können derzeit zusehen, wie die Preise sinken. Die aktuellen Top-Modelle liegen im 65-Zoll-Format zwar immer noch jenseits der 3000, mit 55 Zoll oberhalb der 2000 Euro. Wer aber auf ein Vorjahresmodell schielt – 4K HDR gab es bei LG schon im Frühling 2017 – kann sogar in der 1600-Euro-Klasse fündig werden. Noch tiefere Preisregionen verlangen OLED-Jüngern Abstriche ab: Für 1000 Euro kriegt man lediglich Full-HD-Auflösung.

Deutlich unterhalb der 1000 Euro wird fündig, wer auf OLED-Technologie verzichten kann. Klassische LED-Fernseher mit 4K-Auflösung und HDR-Funktion gibt es etwa bei LG im 55-Zoll-Format schon in der 600-Euro-Klasse. Farbverstärkende Quantenpunkte und besseres Local Dimming treibt den Preis in die 1000-Euro-Klasse und darüber hinauf. Im Oberklassebereich, wo sich etwa Samsung mit seinen Q7- und Q8-Geräten mit Quantenpunkt- und Local-Dimming-Technologie angesiedelt hat, bewegt man sich im 55-Zoll-Segment im Bereich zwischen 1400 (Q7) und 1600 (Q8) Euro, also am Niveau der günstigsten OLED-Fernseher.

Formatwildwuchs bei HDR-Standards
Gerade TV-Käufer, die sich aus Kostengründen für einen bereits etwas älteren Fernseher entscheiden, sollten bei der Anschaffung ein Auge auf den aktuellen Formatwildwuchs beim Hochkontrastfernsehen HDR haben, damit sie auch in ein paar Jahren noch alle Inhalte darauf darstellen können.

Hier buhlen verschiedene Technologien um die Gunst der Kunden: die flächendeckend unterstützte HDR10-Technologie mit zehn Bit Farbtiefe auf der einen Seite, das proprietäre Dolby Vision sowie das im vergangenen Frühling von Samsung und Amazon entwickelte und mittlerweile auch von großen Filmstudios und Panasonic adaptierte HDR10+ als lizenzfreie Alternative.

Wer sichergehen will, dass sein TV-Gerät alle kommenden 4K-HDR-Inhalte unterstützt, achtet darauf, dass die neue Mattscheibe möglichst zusätzlich zu HDR10 auch Dolby Vision und/oder HDR10+ unterstützt. Das junge HDR10+ findet man bisher aber nur in sehr neuen TV-Modellen. Und auch Hochkontrastinhalte sind noch rar. Am ehesten wird man hier derzeit bei Streaminganbietern wie Amazon oder Netflix fündig, Sportübertragungen gibt es noch kaum in HDR.

Smart-TV: Diese Betriebssysteme stehen zur Auswahl
Nebst 4K-Auflösung und HDR-Fähigkeit sollte man beim TV-Kauf auch auf die Online-Funktionalitäten - Stichwort: Smart-TV - achten. Hier buhlen drei größere und ein kleineres System um die Gunst der Nutzer: Tizen auf Samsung-TVs, WebOS auf LG-Fernsehern, Android-TV bei Herstellern wie Sony oder Philips, und der Underdog FirefoxOS bei Panasonic. Die Systeme unterscheiden sich vor allem beim Bedienkonzept und den verfügbaren Apps.

Während es die meisten gängigen Streaming-Angebote - Netflix, Amazon, Maxdome, Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Sender - für alle vier Systeme gibt, unterscheiden sie sich beim darüber hinausgehenden Funktionsumfang durchaus. Hier ist es schlau, vor dem Kauf zu prüfen, ob alle gewünschten Dienste für die jeweilige Plattform zur Verfügung stehen.

Die vielseitigste Lösung ist Android-TV: Hier können Nutzer dank Google Play Store allerlei Android-Anwendungen auf ihrem Fernseher installieren und ihn so beispielsweise nachträglich mit Mediacenter-Software wie Kodi ausstatten, die ihrerseits wieder mit unzähligen Add-ons anpassbar ist. Die anderen Anbieter, die keinen Zugriff auf Googles Play Store haben, können hier nicht mithalten. Man sollte allerdings bedenken, dass die Prozessorleistung der meisten Fernseher eher gering ist und man nicht erwarten sollte, auf einem Android-TV etwa prozessorhungrige Android-Spiele ausführen zu können.

Micro-LED kommt zu spät fürs Fußballfest
Nicht rar, sondern zur Fußball-WM noch gar nicht verfügbar, ist Samsungs neue Micro-LED-Technologie. Erst vor einigen Wochen auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas der Öffentlichkeit präsentiert, sollen Micro-LED-Fernseher mit winzigen selbstleuchtenden LEDs in den nächsten Jahren zur farb- und kontraststarken Alternative zu OLED ausgebaut werden.

Allerdings: Außer einem Prototyp namens The Wall mit monströser 8K-Auflösung und 146 Zoll Diagonale, den Samsung auf der Messe ausgestellt hat, hat man von Micro-LED-Fernseher noch nichts gesehen. Zudem hat Samsung im Zusammenhang mit der neuen TV-Technologie noch kein Datum für die Markteinführung und keine Preise genannt.

Mikro-LED ist somit im Grunde, was OLED, 4K und HDR noch vor drei, vier Jahren waren: Eine Demonstration des Machbaren, die noch einige Jahre brauchen wird, bis sie die breite Masse der Endkunden erreicht. Bedenkt man, dass es mindestens ebenso lang dauern wird, bis die ersten 8K-Inhalte zur Verfügung stehen, können Fußball-Fans, die sich schon zur jetzigen WM einen neuen TV gönnen wollen, also ruhig bei der aktuell verfügbaren 4K-HDR-Technologie bleiben.

4K-Fußballspiele zur WM kommen möglicherweise als Stream
Zumal auch sie für viele Fußball-Fans als Investition in die Zukunft zu begreifen ist: Zwar stellt die FIFA ihren Lizenznehmern die WM-Spiele in 4K-HDR-Qualität zur Verfügung, allerdings verfügen die TV-Sender in Deutschland und Österreich noch nicht über die nötigen Infrastrukturkapazitäten für die hochauflösende Übertragung.

Eine mögliche Alternative zur Übertragung über Antenne, Kabel oder Satellit könnte Streaming werden: Sowohl beim ZDF als auch beim ORF gibt es offenbar Bestrebungen, WM-Spiele als Stream in 4K-Qualität zur Verfügung zu stellen. In der ORF TVthek könnte das Fußballfest also möglicherweise schärfer werden als im TV.

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger

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