Mi, 15. August 2018

Album-Compilation

12.03.2018 07:00

Kultmusiker Jimi Hendrix wird posthum gewürdigt

Jimi Hendrix hat zu Lebzeiten drei Studio- und ein Live-Album herausgebracht. Die posthumen Veröffentlichungen füllen aber mittlerweile Plattenregale und bekommen mit „Both Sides Of The Sky“ erneut Zuwachs. Produzent und Tontechniker Eddie Kramer hat aus der Materialfülle, die der legendäre Gitarrist hinterlassen hat, eine streckenweise erstaunliche Zusammenstellung kuratiert.

„Both Sides Of The Sky“ ist letzter Teil einer Trilogie, die 2010 mit „Valleys Of Neptune“ begonnen hat und 2013 mit „People, Hell And Angels“ fortgesetzt wurde. Beide Alben verkauften sich sehr gut, die Nachfrage nach „Neuem“ von Jimi Hendrix scheint 47 Jahre nach dem Tod des Musikgenies ungebrochen. Die Archive seien jetzt jedoch endgültig ausgewertet, betonte Kramer in diversen Interviews. Man habe allerdings noch viele Live-Mitschnitte im Tresor...

Viel Unveröffentlichtes
Der nun als Download, CD und Doppel-LP in den Handel kommende Longplayer besteht aus 13 Stücken, die Hendrix von 1968 bis 1970 aufgenommen hat, zehn davon sind in der hier präsentierten Form bisher offiziell unveröffentlicht gewesen. Das Album beginnt mit einer wuchtigen Version von „Mannish Boy“ aus der ersten Session der Band Of Gypsys. Kramer präsentiert im Gegensatz zu seinem Kollegen Mark Linett, der für seine Compilation „Jimi Hendrix: Blues“ (1994) nur das Gitarrensolo verwendete und den Song aus verschiedenen Aufnahme-Takes zusammenbastelte, die komplette Ur-Version.

Nicht zum ersten Mal ist „Hear My Train A Comin‘“ auf einem posthumen Hendrix-Album vertreten. Die Version auf „Both Sides Of The Sky“ hat es aber in sich: Es ist die letzte gemeinsame Arbeit der Jimi Hendrix Experience. Bassist Noel Redding wusste, dass er aus der Band fliegen würde: „Also spielte er mit gewaltiger Aggression“, erzählte Kramer dem deutschen „Rolling Stone“. Die Funken fliegen, beim Solo hebt das Lied endgültig ab.

Für die Hardcore-Klientel
Der eine und andere unfertig anmutende Instrumentaltrack mag in erster Linie eingefleischte Fans ansprechen, die jeden Ton des Meisters analysieren. Diese haben vermutlich längst Guitar Slims „Things I Used To Do“ als Coverversion mit Hendrix und Johnny Winter an den Gitarren in ihrer Sammlung, war das Stück doch einst Teil eines Box-Sets. Kramer polierte für „Both Sides Of The Sky“ zumindest den Sound auf, fertigte einen frischen Mix an und nahm keinerlei Kürzungen vor.

Höhepunkte des Albums sind „$20 Fine“ und „Woodstock“ mit Stephen Stills an der Orgel und am Mikro. Stills und Hendrix hatten sich beim Monterey Pop Festival 1967 kennengelernt, zwei Jahre darauf lud Hendrix seinen Kollegen in seine New Yorker Record Plant Studios ein. Stills brachte u.a. das von Joni Mitchell komponierte „Woodstock“ mit - Monate bevor Crosby, Stills, Nash & Young mit ihrer Version einen Hit landeten.

Fazit: Unter den vielen Nachlass-Releases gehört „Both Sides Of The Sky“ zu den besseren und vermittelt einen Einblick, welche Richtung Hendrix in den Siebzigern einschlagen hätte können. Ausführliche Kommentare im Booklet helfen Musikgeschichte-Interessierte bei der Spurensuche.

APA/Wolfgang Hauptmann

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