Fr, 22. Juni 2018

Kambodscha

23.02.2018 14:17

Zeig mir das Land, in dem der Pfeffer wächst

Vor langer Zeit war Kambodscha Herr über ganz Hinterindien. Angkor Wat, dessen gewaltige Tempel heute der Urwald überwuchert, war eine Millionenstadt. Kaufleute wollten aber immer schon vor allem eins: den Pfeffer von Kampot!

Geh doch dorthin, wo der Pfeffer wächst!“ Vielen Mitmenschen wird diese Aufforderung wohl schon zu Ohren gekommen sein. Man sollte sie beherzigen, denn Kambodscha, zwischen Thailand und Vietnam gelegen, hat sich noch einen Hauch vom Zauber des alten Asien bewahrt. Auch wenn der Grund dafür ein trauriger ist: Nach dem unvorstellbaren Grauen des Bürgerkriegs unter den Roten Khmer gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts war das Land schlicht zu arm, um am Tourismusboom der Nachbarländer mit zu naschen.

Das ändert sich langsam. So haben etwa die „Emirates“ Kambodscha entdeckt. Ab Wien wird der Flug nach Phnom Penh mit einer kurzen Zwischenlandung in Dubai angeboten. Wobei die grandiose Business Class im Airbus 380 dafür sorgt, dass die Zeit wirklich wie im Flug vergeht. Ganz vergessen war Kambodscha jedoch nie. Angkor, die gigantische Tempelanlage – längst Weltkulturerbe – im Norden des Landes, verzeichnet mittlerweile schon wieder Hunderttausende Besucher im Jahr.

Zwischen dem 10. und 12. Jahrhundert errichteten die einstigen Herrscher hier Hunderte Tempel zu Ehren der Götter und als Demonstration ihrer Macht. Über eine Million Menschen lebten in dem riesigen Areal: Angkor war einmal die größte Stadt der Welt.

Von ihren Häusern und Palästen ist nichts übrig: Sie waren aus Holz gebaut. Nur die steinernen Wohnsitze der Götter überdauerten. Für deren Bau schleppten Sklaven Steine von weit her und hoben kilometerlange Wassergräben aus. Manche Tempel zieren gewaltige Reliefs mit detailreichen Darstellungen von Krieg und Frieden: Sie wurden mit Eisenholz und härterem Stein aus dem Sandstein gemeißelt – die Khmer kannten keine Metallwerkzeuge.

Nach verlorenen Kriegen geriet die Anlage in Vergessenheit. Weite Teile wurden vom Dschungel überwuchert. Mehr als 100 Tempel hat man inzwischen freigelegt. Weltbekannt ist Angkor Wat, ein gewaltiger Komplex, der den Sitz der hinduistischen Götterwelt symbolisiert: den Berg Meru, umgeben von niedrigeren Gipfeln und dem Urozean.

In diesem „Ozean“, einem gigantischen Wassergraben von fast sechs Kilometer Länge und 190 Meter Breite, spiegeln sich heute noch die Türme des Tempels. Besonders eindrucksvoll bei Sonnenuntergang, wenn das sanfte Licht die alten Steine in ein violettes Märchenschloss verwandelt. Das Schauspiel lässt sich am besten aus der Hängematte genießen – die kann man vor Ort mieten.

Bar jeder Sehenswürdigkeit, dafür voll Hotels, Restaurants, Geschäften und Imbissbuden – die Feuershow der Kochkünstler auf dem Nachtmarkt ist faszinierend – ist das nahe gelegenen Siem Reap. Von hier aus ist es auch nicht weit zum Tonle Sap, einem der größten Seen in Ostasien.

Mit dem Boot geht es hinaus zu den schwimmenden Dörfern. Häuser, Schulen, Kirchen, Büros – alles ist auf schwimmenden Planken mitten im Wasser gebaut. Statt der an Land allgegenwärtigen Mopeds sind hier die Boote die Verkehrsmittel, bis hin zum schwimmenden Supermarkt. Am Ufer stehen die Häuser auf zehn Meter hohen Stelzen: In der Regenzeit schwillt der Tonle Sap auf mehr als das Dreifache seiner Größe an und ist dann statt drei, vier Meter bis zu 14 Meter tief.

Grund dafür ist ein weltweit einzigartiges Naturphänomen: der Tonle-Sap-Fluss, der seine Fließrichtung wechselt. Er mündet in der weit entfernten Hauptstadt Phnom Penh in den Mekong. In der Regenzeit führen die Wassermassen des Mekongs dazu, dass der niedrigere Tonle-Sap-Fluss überschwemmt wird und zurück zum See fließt. Fließt der Fluss wieder Richtung Meer, steht Phnom Penh kopf. Beim „Bon Om Tuk“, dem Wasserfest, wird drei Tage lang gefeiert. Der Fluss ist voller blumen- und lichtergeschmückter Boote, an der Fußgängerpromenade drängen sich Garküchen und Straßenhändler.

Auch der König hat seinen großen Auftritt: Norodom Sihamoni befiehlt dem Wasser symbolisch, seine Laufrichtung zu ändern. Ansonsten lebt Norodom mit seiner Mutter eher zurückgezogen in seinem goldenen Palast am Sisowath Quai. Der Palast besteht aus mehreren Gebäuden wie dem schwer vergoldeten Thronsaal, die zum Teil zumindest von außen zu besichtigen sind. Prunkstück der Anlage ist die Silberpagode, die einen bezaubernden Buddha aus grüner Jade beherbergt: Ihr Boden besteht aus 5000 schweren Silberplatten. Vor dem Eintritt heißt es: Schuhe ausziehen! Neben anderen Kostbarkeiten findet sich eine lebensgroße mit 9500 Diamanten verzierte goldene Buddha-Statue.

Abseits des Palast-Bezirks brodelt die Großstadt. Gefühlte Millionen Mopeds zischen zwischen den Autos hindurch, gefahren wird, wo immer es geht: Auf sechsspurigen Straßen auch auf der Gegenfahrbahn, auf Kreuzungen wird links überholt, um dann rechts abzubiegen, Fahrregeln existieren nicht, rote Ampeln sind eher eine Empfehlung. Doch es funktioniert, weil nicht um den Vorrang gerangelt wird. Jeder passt auf sich und die anderen auf. Auch auf die Fußgänger. Wenn allerdings ein Mopedfahrer hupt, sollte man besser stehen bleiben – der meint es ernst.

In einem Tuk Tuk, einer kleinen von einem Moped gezogene Kutsche, durch Phnom Penh zu fahren ist Abenteuer pur: So hautnah erlebt man eine Metropole selten. Gesichter und Gerüche stürmen auf einen ein, das pralle Leben wuselt vorüber. Wie auch im Großen Markt, der noch in der französischen Kolonialzeit – der verdanken die Kambodschaner auch das Baguette – gebaut wurde. Dort findet sich alles von „Markenuhren“ und „echten Diamanten“ über Seide bis zu Elektronikgeräten.

Und erst die Standln mit Lebensmitteln! Da liegen sie tatsächlich, die sagenumrankten gebratenen Taranteln und Heuschrecken, es gibt Tintenfische am Spieß, rohe Krabben mit undefinierbaren Gewürzen, unbekannte Gemüse wie Seerosen-Stengel und Berge von Früchten und Kokosnüssen. Im Gegensatz zu anderen asiatischen Ländern ist die Küche in Kambodscha jedoch nicht so Chili-lastig. Hier sorgt der Pfeffer für die Schärfe.

Pfeffer wächst ganz im Süden in den Bergen an der Küste
Zwischen Kampot und Kep, zwei ruhigen Städtchen am Meer, liegt am „Geheimen See“ die Pfefferplantage. Die Schlingpflanze wird bis zu zehn Meter hoch, die Pfefferkörner wachsen darauf in kleinen Trauben. Ob roter, weißer, schwarzer oder grünen Pfeffer daraus wird, entscheidet allein die Verarbeitung.

Aber was für ein Unterschied! Roter Pfeffer ist mild, fast süß und wird auf Früchte gestreut. Grüner, frischer Pfeffer hat einen intensiven, fruchtigen Geschmack – büschelweise findet man ihn im Nationalgericht Lok Lak. Ganz schwarze Körner bieten eine intensive aromatische Schärfe, weiße sind im Vergleich dazu milder, aber eigentlich nur scharf. Zu finden ist auch der Langpfeffer – schärfer als seine runden Kollegen, dafür mit zimtigen Aroma.

Der größte Ferienort am Meer ist Sianoukville, gebaut in der „Goldenen Ära“ der 60er-Jahre. Jaqueline Kennedy war damals hier, doch vom alten Glamour ist wenig übrig. Heute dominieren vor allem chinesische Hotels und Spielhöllen. Davon ist Kep verschont geblieben. Der wunderschöne Strand ist sauber, das Meer leuchtet in allen Blau-Schattierungen, die Menschen sind gelassen. Selbst die sonst so ernsten buddhistischen Mönche sind fröhlich: Hier kann man die Seele baumeln lassen.

Waltraud Dengel, Kronen Zeitung

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