Begehrte Vorteilscard

Schlampereien und Tricksereien bei Aktivpass

Keine andere Großstadt hat einen so hohen Anteil an Aktivpass-Besitzern wie Linz. Fast jeder Fünfte verfügt über die Vorteilscard. In Graz und Wien sind es nur rund fünf Prozent. Mit dem Pass ist unter anderem das Öffi-Fahren deutlich billiger, weshalb viele beim Erwerb schummeln. Aber auch die Behörde schlampt.

45,60 Euro verlangen die Linz Linien für die Monatskarte. Wer einen Aktivpass vorweisen kann, erhält das Ticket bereits um zehn Euro. Diese und viele weitere Ermäßigungen bei städtischen Einrichtungen haben den Pass zu einem besonders begehrten Dokument gemacht.

Nur 50 Euro Strafe

Rund 42.000 Exemplare gab es im Vorjahr – trotz eigentlich sehr strenger Voraussetzungen.
Denn für den Aktivpass sind unter anderem ein monatliches Netto-Einkommen unter 1229 Euro, die Volljährigkeit und die Meldung über den Hauptwohnsitz in Linz vorzuweisen. Wer falsche Daten angibt, muss mit einer Strafe von 50 Euro rechnen. Das schreckt kaum ab – wie viele der „Krone“ zur Verfügung gestellte Anträge beweisen.

Aktivpass trotz negativem Asylbescheid
So gab es trotz negativem Asylbescheid für einen 20-Jährigen einen Aktivpass. Diesen bekam auch eine Person mit fraglichem Asylstatus ausgehändigt. Auch ein bulgarischer Pensionist, dessen Sohn eidesstattlich erklärt hat, dass er für seinen Vater aufkommt, besitzt die Linzer „Vorteilscard“. Doch auch die Behörden leisten sich bei der Ausstellung Schlampereien.

Kaum Kontrollen
So müssen EU-Bürger ihre Staatsbürgerschaft oftmals gar nicht nachweisen. Ebenso wird auch die Bestätigung des Hauptwohnsitzes oder eine Anmeldebescheinigung viel zu selten eingefordert. Aber auch bei einem Umzug in eine andere Stadt oder Gemeinde wird nicht sorgfältig geprüft, ob der Aktivpass auch tatsächlich zurückgegeben wird.

Mario Zeko, Kronen Zeitung

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Sonntag, 17. Jänner 2021
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