Totales Chaos droht

Inselstaat Samoa führt Linksverkehr ein

Ausland
07.09.2009 12:13
Der kleine Pazifikstaat Samoa stellt seinen Verkehr um: Mit Montag müssen die Autos in der einstigen deutschen Kolonie auf der linken Straßenseite statt der rechten fahren. Obwohl Montag und Dienstag für diese Woche kurzerhand zu Feiertagen erklärt und seit Samstag der Alkoholverkauf auf Samoa verboten wurde, fürchten viele Inselbewohner, dass die Umstellung das totale Chaos bringen könnte.

In den Kirchen des Landes hatten die Gläubigen am Sonntag sogar für eine möglichst unfallfreie Verkehrsänderung gebetet, berichten lokale Medien. Die Massenproteste von Bürgerinitiativen hatte die Regierung mit dem Verweis auf finanzielle Vorteile der Umstellung eindämmen können. 

Samoa ist das erste Land seit über dreißig Jahren, das im Straßenverkehr die Seite wechselt. Noch dazu von rechts nach links, was laut Medienberichten überhaupt noch nie dagewesen sein dürfte. Zuletzt war Ghana im Jahre 1974 nach rechts gewechselt.

Autos aus Neuseeland viel billiger
Samoa liegt nordöstlich der Fidschi-Inseln im Pazifik, auf halbem Wege zwischen Hawaii und Neuseeland. Es liegt östlich der internationalen Datumslinie. Deshalb liegt das Land 13 Stunden hinter der mitteleuropäischen Sommerzeit. 

Die Regierung will mit der Umstellung den Import von Autos aus Australien und Neuseeland erleichtern, wo viele der 180.000 Einwohner Verwandte haben. Dort wird, wie in Großbritannien und vielen seiner ehemaligen Kolonien, auch links gefahren. Entsprechend haben die Autos das Steuerrad rechts. 

Die Rechtsverkehr-Fahrzeuge werden in Samoa meistens aus Hawaii importiert. Die Kosten von 3.500 Dollar für einen Import aus der zu den USA gehördenen Pazifik-Inselkette sind das Dreifache der Transportkosten für ein "linkes" Auto aus Neuseeland, heißt es.

Busfahrer fordern Umrüstungsprämie vom Staat
Vor allem Busunternehmen protestieren lautstark gegen die Änderung. Die Bustüren sind bisher auf der rechten Seite (siehe Foto). Sie müssen nun meist neue Fahrzeuge anschaffen, weil ihre Kunden sonst mitten auf der Straße aussteigen müssen. Viele fordern, dass die Regierung Umrüstungen für die Busse bezahlen soll.

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