Nach Lotto-Wirbel

Italien will Glücksspielen Grenzen setzen

Ausland
25.08.2009 20:23
Nachdem Europas Rekord-Jackpot in Italien geknackt worden ist und ein unbekannter Gewinner im toskanischen Ort Bagnone 147 Millionen Euro ausbezahlt bekommen wird (siehe Story in der Infobox), sollen Glückspiel-Gewinnen Grenzen gesetzt werden. Binnen vier Monaten soll über einen Antrag des Konsumentenschutzverbands Codacons entschieden werden, wonach dem Jackpot eine Grenze von maximal 100 Millionen Euro gesetzt werden soll.

"Wir hoffen, dass die Richter begreifen werden, dass hier die psychologische und finanzielle Gesundheit der Bürger auf dem Spiel steht. Die Höhe des Jackpots ist unmoralisch und skandalös geworden. Der Jackpot nährt ein durchaus gefährliches Rennen der Bürger in Richtung Selbstzerstörung, in der Hoffnung reich zu werden", so Codacons.

Die Gewinnchance beim "SuperEnalotto" liegt bei nur eins zu 623 Millionen. Der Jackpot in Italien war seit Ende Jänner in 86 Ziehungen kontinuierlich gewachsen. Monatelang kreuzten kein Italiener und keiner der zahlreichen "Lotto-Pilger" aus dem Ausland sechs Richtige an. In Italiens Staatskasse floss durch die Lottoeinsätze der vergangenen sieben Monate fast eine Milliarde Euro.

Fünf Männer des Rekord-Gewinns "verdächtigt"
Indes wird im Dorf Bagnone eifrig nach dem unbekannten Gewinner der 147 Millionen Euro gesucht. Fünf Personen werden "verdächtigt", mit den Zahlen 10, 11, 27, 45, 79 und 88 zu Multimillionären geworden zu sein. Zu ihnen zählt Giovannino Simonetti, Inhaber der Bar "Biffi" im 2.000-Seelen-Dorf, in dem der Zwei-Euro-Schein angekreuzt wurde. Dieser bestreitet jedoch, den Super-Schein ausgefüllt zu haben. "Die richtigen Zahlen sind am Samstag um 12.17 Uhr getippt worden. Ich erinnere mich an eine Gruppe von drei, oder vier Personen, die mir einige Scheine übergeben haben, ich weiß sonst nichts", versicherte Simonetti im Interview mit italienischen Medien.

Der Inhaber der Bar erzählte, in der Nacht auf Sonntag den Anruf des Gewinners erhalten zu haben, der ihm aus Dankbarkeit 6,9 Millionen Euro versprochen habe. Am Sonntag habe er dann noch den Anruf einer jungen Frau bekommen. "Sie hat mir gedankt, weil sie angeblich gewonnen hat, sie war sehr aufgeregt", berichtete Simonetti.

Auch der ehemalige Direktor der lokalen Post, ein Bauunternehmer, ein Gärtner und ein Arbeiter, der im Dorf für seine Leidenschaft für Glücksspiele bekannt ist, dementierten vehement, den Rekord-Jackpot geknackt zu haben. "Ich werde jetzt von Personen besucht, die mich früher nicht einmal grüßten. Sie klopfen mir auf die Schultern und bitten um Hilfe. Sobald sie begreifen werden, dass ich nichts gewonnen habe, werden sie mich wieder ignorieren", sagte der 49-jährige Ugo Verni, der zu den "Hauptverdächtigen" zählt.

Der Bürgermeister des Dorfes, Gianfranco Lazzeroni, lud die Medien zu einer Pressekonferenz ein, um den Rekordgewinn zu kommentieren. "Das Glück folgt Gesetzen, die wir nicht kennen", sagte der Bürgermeister. Er rief den Gewinner auf, eine Million Euro zur Restaurierung eines Sportzentrums in der Ortschaft und für Investitionen im Tourismusbereich zu spenden.

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