Als er mit drei Jahren ein Eis genommen hat, bekam er eine Ohrfeige, dass er gegen die Wand flog. Dann verprügelten ihn die Eltern mit Gartenschlauch und Ruten. Mit sechs kam er erstmals ins Heim und mit 15 ist der Bursche bereits das zweite Jahr in Görtschach.
Dieser Tage ist er von einer Therapiereise durch Europa zurückgekehrt; die einigen Wirbel ausgelöst hat: „4.000 Euro Kosten sind ungeheuer“, unkten andere Eltern. Jetzt meldet sich die Tante zu Wort: „Auch andere Kinder des Heims waren auf Urlaub; in Schweden, in Kroatien und was weiß ich wo.“
Der Urlaub wäre nicht gerechtfertigt, weil er seinen Betreuer verprügelt hätte, hieß es. Tante Sonja: „Er hat ihn nur weggestoßen!“ Die Frau gibt zu, dass ihr Neffe kein Heiliger ist: „In Anbetracht seiner Vergangenheit ist aber einiges verständlich.“
Der 15-Jährige, der ständig Medikamente gegen Hyperaktivität nehmen muss, wurde von den Eltern im Stich gelassen: „Sein Vater sorgt nicht einmal für ordentliche Kleidung. Vieles kaufte sein Betreuer privat. Der Bub hat gerade einmal zwei Paar Schuhe“, erzählt die Frau, bei der der Bursche jetzt eine Art Heimat gefunden hat.
„Ich bin zwar nicht Vormund, aber er ist bei uns willkommen.“ Und gibt es Probleme? „Ganz ehrlich – nein! Er ist wie meine große Tochter manchmal aufsässig. Nun suchen wir einen Lehrplatz. Das ist schwer, weil er ja keinen ordentlichen Schulabschluss hat.“
von Kerstin Wassermann, "Kärntner Krone"
Symbolbild
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