Fressorgie

The Munchables

Spiele
03.08.2009 10:06
Pädagogisch wertvolle Spiele sind in Zeiten blutgetränkter "Killerspiele" selten. Doch es gibt sie noch – in Japan beispielsweise. Von dort kommt jetzt mit "The Munchables" ein Spiel auf die heimischen Wii-Konsolen, das nicht nur indirekt vor exzessivem Genuss bewusstseinserweiternder Drogen mahnt, sondern zugleich eine klare Botschaft an die vornehmlich jüngere Spielerschaft richtet: "Esst mehr Gemüse!"

Spiele aus Japan waren schon immer etwas eigen und für europäische Augen und Ohren mitunter nur schwer genießbar. Man denke etwa an "We love Katamari", das offensichtlich Pate für Namco Bandais "The Munchables" stand. Der Wii-Titel entführt den Spieler auf den fröhlich-kunterbunten und von Regenbogen gesäumten Planeten Hun-ger, wo dessen Bewohner, die Munchables, ein geruhsames und vor allem gefräßiges Leben führen. Doch das Idyll wird bedroht, als sich die friedlichen Bewohner einer Horde Weltraum-Piraten gegenübersieht, die es auf die Stärke und Macht verheißenden "Lebenskugeln" abgesehen hat.

Wären die extraterrestrischen Lebensformen säurespeiende Ungetüme wie in Ridley Scotts "Alien", die Munchables hätten wohl nicht den Hauch einer Chance. Doch wie es das Schicksal will, haben die Piraten verblüffende Ähnlichkeit mit Kohlrabi, Bananen und anderen Obst- und Gemüsesorten. Und so entscheiden sich die Munchables, das zu tun, was sie am besten können: fressen

Damit wäre das Spielprinzip auch bereits hinreichend erklärt, denn in den nächsten Levels konzentrieren sich "Mampfi" und "Stampfer", so die Namen der zur Verfügung stehenden Charaktere, fast ausschließlich auf das Verspeisen ihrer nahrhaften Kontrahenten. Da allerdings nicht jeder der rund 150 verschiedenen Widersacher auf Anhieb in den Magen, geschweige denn den Mund passt, gilt es sich zuerst mittels A-Button eine gewisse Körperfülle anzufressen. Extras wie ein Erdbeben-Stößel oder ein Staubsauger leisten dabei wertvolle Dienste.

Durch fleißiges Hineinstopfen steigen die Munchables schließlich in der Stufe auf und können so auch größere Gegner zwischen die Beißerchen nehmen. Hat man ein respektables Volumen erreicht, lassen sich zudem Fressattacken auf höherstufige Gegner mittels B-Button starten. Mitunter sind dabei mehrere Angriffe nötig, um die Piraten in mundgerechte Portionen zu zerlegen, wobei die Gegner auch zurückschlagen können und die Munchables so wieder erschlanken lassen – vorausgesetzt, der Spieler wehrt den Angriff durch Schütteln der Wii-Mote nicht rechtzeitig ab.

Angst, als Rohkost auf dem Teller der Killer-Tomaten zu landen, braucht man jedoch nicht zu haben. Selbst die Boss-Kämpfe am Ende einer Stage gegen Brokko-Lee und andere Schergen des Ober-Piraten Don Onion sind leicht zu meistern und dürften Core- wie Casual-Gamer vor keine große Herausforderung stellen. Sind am Ende alle Piraten verdaut, was ohne Weiteres innerhalb eines Abends gelingt, können im Mirror-Mode unter Zeitdruck alle Levels spiegelverkehrt noch einmal durchwandert werden.

Wer möchte, kann die peppigen und liebevoll gestalteten Levels (man beachte den Patronengurt der Banane) aber auch erneut laden, um sich auf die Suche nach den zahlreichen versteckten Sammel-Items und Extras zu machen, darunter neue Outfits für Mampfi und Stampfer. Über das Menü können darüber hinaus sämtliche Clips des Spiels sowie der nicht minder schräge Soundtrack noch einmal genossen werden.

Fazit: Wer für abgefahrene und schrille Kost aus Japan etwas übrig hat, kommt bei "The Munchables" voll auf seine Kosten. Insbesondere jüngere Spieler dürften angesichts des geringen Schwierigkeitsgrades, der leicht zugänglichen Steuerung sowie der liebevollen Aufmachung Gefallen an der "Fressorgie" finden. Herausfordernd ist "The Munchables" jedoch leider kaum, weshalb die Core-Gamerschaft auf Dauer wohl keine große Freude damit haben dürfte.

Plattform: Wii
Publisher: Namco Bandai
krone.at-Wertung: 8/10

von Sebastian Räuchle

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