Am Anfang steht allerdings wie immer hartes Training beziehungsweise das Erlernen der Steuerung. Bei Simulationen kann das schnell in Arbeit ausarten, um sich die Vielzahl an Möglichkeiten zu merken. "Fight Night Round 4" startet daher gleich mit einem Tutorial, welches den Einstieg wesentlich erleichtern sollte.
Bei der Steuerung verfolgten die Entwickler einen interessanten Ansatz. Die Schläge werden alle mit dem rechten Stick durchgeführt. Dabei werden soweit möglich die Bewegungen des Armes nachempfunden. Das hört sich komplizierter an als es wirklich ist, hat man die wichtigsten Schläge doch sofort intus. Im Anschluss daran gilt es das Blocken zu erlernen. Dazu muss lediglich eine der rechten Schultertasten gedrückt werden und schon kann wiederum mit dem rechten Stick der Schlaghagel des Gegners mehr oder weniger gekonnt abgewehrt werden. Sollte dies nicht mehr reichen, hilft nur mehr beherztes Klammern. Auf Seiten des Attackierenden sollte man nun den Kontrahenten wegstoßen, um ihn so weiter bearbeiten zu können. Mit dem sogenannten Haymaker steht zudem ein besonders kraftvoller Schlag zur Verfügung, mit dessen Hilfe der Kampf mit etwas Glück ein vorzeitiges Ende finden kann.
Nach der kurzen Einführung in die Bewegungsabläufe muss dieser erste positive Eindruck nun noch in einem Kampf bestätigt werden. Aufgrund der reichlich vorhandenen lizensierten Boxer findet jeder seinen persönlichen Favoriten. Sollte das nicht reichen, darf fast völlig individuell ein eigener Boxer kreiert werden. Doch Vorsicht: Die schier unerschöpflich scheinenden Auswahlmöglichkeiten sind nichts für ungeduldige Naturen.
Nachdem das erledigt ist, schreiten die Boxer in einer beeindruckend inszenierten Zwischensequenz zu den Klängen ihrer Auftrittsmusik zum Ring. Der Kampf gestaltet sich dann so wie es das Tutorial erhoffen ließ: Einfach wild darauf loszuschlagen ist nicht gerade die beste Taktik. Stattdessen gilt es den Gegner zu analysieren und dann im richtigen Moment zuzuschlagen. Sollte der Kontrahent zuvorkommen, können Angriffe dank der guten Steuerung mit ein wenig Übung gekontert werden.
Die tolle Grafik tut ein Übriges dazu, sich fast in einem echten Boxkampf zu wähnen. Die Boxer sind äußert detailliert dargestellt, sogar der Schweiß glänzt auf ihren Körpern. Eingespielte Zeitlupen sorgen wiederum für das Gefühl, live bei einer TV-Übertragung dabei zu sein.
Nach einer guten Links-Rechts-Kombination landet der Gegner schließlich im Ringstaub. Der Ringrichter verkündet Sekunden später den Sieg durch KO. Nach dieser Aufwärmübung ist es Zeit, dem Karrieremodus ein wenig auf den Zahn zu fühlen. Der Anfang gestaltet sich allerdings wenig glamourös, ist die Amateurliga doch nicht mehr als ein lästige Pflichtübung. Damit aber die ganz Großen geschlagen werden können, muss noch ausgiebig und fleißig trainiert werden.
Die Trainings können optional in Form von Minispielen selbst absolviert werden. Dabei verbessern sich einige Attribute des Boxers, während zwei andere sich leicht verschlechtern. Dadurch lässt sich steuern, welchen Stil der eigene Charakter sich aneignen soll. Vielleicht als flinker Kämpfer um den Gegner tänzeln, seinen Schlägen ausweichen oder doch lieber den Dampfhammer auspacken und dafür ein wenig ungelenk wirken? Die Entscheidung liegt ganz allein beim Spieler. Wer auf die Minispiele verzichtet und den Automatikmodus für das Training wählt, erhält einige Punkte weniger für die Verbesserung des eigenen Charakters.
Wenn einmal, viele Kämpfe später, alle Titel gewonnen wurden, winkt noch ein motivierender Online-Part. Bei diesem darf unter anderem in den verschiedenen Gewichtsklassen gegen menschliche Gegner angetreten werden, wobei es in jeder Klasse nur einen weltweiten Champion geben kann, nach dessen Gürtel die anderen Spieler trachten.
Fazit: "Fight Night Round 4" macht für eine Simulation erstaunlich rasch Lust auf mehr. Dies liegt hauptsächlich an der eingängigen und intuitiven Steuerung. Da sich in Folge dessen schnell Erfolge einstellen, möchte man bald mehr und vergnügt sich im Online-Teil oder im kurzweiligen Karrieremodus. Da auch die Präsentation erstklassig ist, kann von einem überaus gelungen Boxtitel gesprochen werden. Fans und all jene, die es noch werden wollen, sollten sich also schon mal aufwärmen, die virtuellen Boxhandschuhe überstreifen und eintauchen in die Fight Night.
Plattform: PS3 (getestet), Xbox 360
Publisher: EA Sports
krone.at-Wertung: 9/10
von Harald Kaplan
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