Was man dem Publisher gleich vorweg zu Gute halten muss, ist, dass es ihm erfolgreich gelungen ist, die zuletzt zunehmend fader werdenden, weil ständig gleichen Bewegungsmuster bei der Steuerung mit der Wii-Mote zu erweitern. Die hinter "Let's Tap" stehende Idee ist dabei ebenso einfach wie genial: Gesteuert wird ausschließlich durch mehr oder weniger starkes Klopfen auf eine kleine Pappschachtel, die die Vibrationen wiederum an die auf ihr abgelegte Wii-Mote weitergibt.
Frischer Mut zur Veränderung allein reicht allerdings nicht aus, um ein gutes und auch auf Dauer fesselndes Spiel zu produzieren. Lässt man den neuen Steuerungsansatz mal außen vor, ist "Let's Tap" unterm Strich nicht mehr als eine Sammlung äußerst kurzweiliger Mini-Spielchen für ein bis vier Spieler.
Da wäre zum Beispiel "Tap Runner" (Bild), bei dem es ein Strichmännchen von links nach rechts an Sprungfedern, Hürden, Teleportern und anderen Hindernissen vorbei ins Ziel zu trommeln gilt. Insbesondere im Spiel mit mehreren Freunden erweist sich diese Disziplin als durchaus partytauglich, auch wenn die Steuerung nicht immer Folge zu leisten scheint und das Maxerl etwa hüpft, obwohl es doch eigentlich rennen sollte.
Sind die insgesamt 16 Level in unter 20 Minuten absolviert, wartet mit "Rhythm Tap" ein ganz in der Tradition von Nintendos "Donkey Kong Jungle Beat" stehendes Musikspielchen auf den Spieler. Horizontal durchs Bild laufende Noten unterschiedlicher Laut- bzw. Trommelstärke sollen hierbei im Takt der Musik geschlagen werden. Als problematisch erweist sich dabei jedoch, dass die Klopfgeräusche der Pappschachtel die Musik übertönen und es zudem auch keinerlei Abzüge für das Falschspielen gibt, was die Motivation doch deutlich dämpft.
"Silent Blocks" wiederum entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als eine Art Jenga, bei dem durch Klopfen Blöcke aus einem Turm entfernt werden müssen, ohne dass dieser zusammenbricht. Wie schon bei EAs "Boom Blox" oder Ataris "Jenga" für die Wii scheitert es in der Praxis allerdings daran, dass der Spieler kein Feedback zu seinen Aktionen erhält. Ob ein Block festhängt oder nicht, ist schlichtweg nicht spürbar, weshalb "Silent Blocks" mehr einem Glücks- denn Knobelspiel gleicht.
Erinnerung an alte Shoot'em-Up-Tage weckt schließlich das Spielchen "Bubble Voyager", in dem es abermals von links nach rechts scrollend Hindernissen auszuweichen gilt. Geht es dabei in der Einzelspielervariante noch recht friedlich zur Sache, darf in der Mehrspieler-Version ordentlich ausgeteilt und der Mitspieler unter Beschuss genommen werden. Die Übersichtlichkeit geht dabei allerdings flöten, denn farbenprächtige Explosionen und andere umherfliegende Gegenstände hüllen den Bildschirm in ein buntes Chaos.
Letzteres ist beim "Visualizer", dem fünften Spiel im Bunde, hingegen ausdrücklich erwünscht. Der Begriff "Spiel" ist streng genommen allerdings falsch, denn im "Visualizer" geht es mehr ums Gestalten mit Formen und Farben. Durch leichtes oder schweres Klopfen entstehen Feuerwerke am Nachthimmel über einer Stadt, bilden sich kleine Wellen in einem Karpfenteich oder hüpfen Bälle umher. Die Möglichkeit, durch rhythmisches Klopfen Einfluss auf eine grafische Benutzeroberfläche zu nehmen und diese individuell zu gestalten, ist mit Sicherheit einer der interessantesten Momente des Spiels. Leider verfliegt jedoch auch dieser recht bald, da keine weiteren Spielanreize geboten werden. Einem grafischen Equalizer an der Stereoanlage zuzusehen, bietet in etwa denselben Unterhaltungswert.
Fazit: Mit "Let's Tap" beweist Sega, dass auch im Jahre drei nach Erscheinen der Wii noch Potential und Platz für neue Ideen vorhanden ist. "Let's Tap" gleicht über weite Strecken jedoch eher einer Konzeptstudie, um genau dies zu untermauern, und weniger einem Spiel, mit dem man sich dauerhaft vergnügen könnte. Vor allem zu kurz, aber stellenweise auch zu wenig ausgereift sind die Klopf-Spielchen noch, um nicht nach paarmaligem Spielen wieder im Eck zu landen. Immerhin dürfte Sega dies auch selbst erkannt haben und bietet "Let's Tap" daher mit einem Preis von rund 30 Euro deutlich günstiger als andere Wii-Spiele an.
Plattform: Wii
Publisher: Sega
krone.at-Wertung: 6/10
von Sebastian Räuchle
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