Millionen ergaunert
Nordkorea zockte ausländische Versicherungen ab
Aus Gerichtsdokumenten und Angaben von nordkoreanischen Flüchtlingen geht laut dem Bericht hervor, dass Pjöngjang in den vergangenen Jahren mehrere hundert Millionen Dollar von den Unternehmen kassiert hat. Indirekt bestätigen dies auch die Versicherungsfirmen selbst, die sich jedoch angesichts internationaler Verfahren zurückhaltend geben. So meinten mehrere Konzerne lediglich, es seien "Fälle in Nordkorea" bekannt.
Gemeint sind von der nordkoreanischen Regierung angemeldete Ansprüche für Transport-Unfälle, Fabrikbrände, Flutschäden und andere angebliche Katastrophen, berichtet die "Washington Post". Während die Versicherer vor britischen Gerichten zuletzt gescheitert wären, seien in den USA noch Verhandlungen anhängig.
Geldpakete für Kim Jong Il auch in Österreich abgeschickt
Die Zeitung zitiert einen Ex-Manager des nordkoreanischen Versicherungsmonopolisten Korea National Insurance Corp. (KNIC), der erklärt, sein Unternehmen habe dem Herrscher Kim aus den Einnahmen durch die Versicherungsfälle regelmäßig mehrere Millionen Dollar zum Geburtstag geschickt.
So erinnert sich Kim Kwang Jin, der später nach Südkorea floh und inzwischen in den USA lebt, an den Geburtstag des Diktators im Februar 2003. Damals sollen KNIC-Leute in Singapur 20 Millionen Dollar in bar in zwei stabilen Versandtaschen über Peking in die nordkoreanische Hauptstadt Pjöngjang geschickt haben. In anderen Jahren seien auch Pakete aus Frankreich, Österreich und der Schweiz nach Pjöngjang auf den Weg gebracht worden.
Orangen, Äpfel, DVD-Spieler, Bettdecken als Dankeschön
Einige Tage nach Eintreffen des millionenschweren Geschenks kam laut Kim Kwang Jin dann das Dankeschön von Kim Jong Il: Er schrieb den Managern einen freundlichen Brief, einige bekamen dazu Orangen, Äpfel, DVD-Spieler und Bettdecken.
Die Sendungen waren an das "Büro 39" des Zentralkomitees der Koreanischen Arbeiterpartei adressiert, eine Einrichtung, die Kim Jong Il in den siebziger Jahren gegründet haben soll, um Devisen einzunehmen und ihm eine unabhängige Machtbasis zu sichern. Laut nordkoreanischen Überläufern habe dieses Gremium neben Luxusartikeln für die politische Elite auch Rüstungsgüter finanziert.
Versicherungsmonopolist kassierte bis zu 60 Mio. $ im Jahr
KNIC habe durch Entschädigungen in Versicherungsfällen jährlich zwischen 50 und 60 Millionen Dollar eingenommen. Der größte Teil sei für Katastrophenprävention und für weitere Rückversicherung ausgegeben worden. "Was übrig bliebt, hätte dafür ausgegeben werden sollen, den von Katastrophen und Unglücken betroffenen Menschen zu helfen", erklärt der Ex-KNIC-Manager. "Aber es wurde nicht dafür verwendet. Stattdessen floss das Geld in die Taschen von Kim Jong Il."
Nach Angaben der "Washington Post" lässt sich nicht exakt beziffern, um welche Summen die westlichen Versicherungskonzerne betrogen wurden. Doch die Zeitung zitiert einen Experten aus der US-Regierung, der erklärte, dass die Versicherungsbranche im Umgang mit Nordkorea zum Teil sehr leichtgläubig gewesen sei. Laut Kim Kwang Jin seien aber auch die nordkoreanischen Unterhändler clever vorgegangen: So habe KNIC jedes Jahr einen neuen Rückversicherer gewählt und sehr hohe Prämien gezahlt. Das Geschäft sei in sehr kleine Einheiten aufgeteilt worden und von unterschiedlichen Maklern an verschiedenen Orten ausgeführt worden.
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