286 Anklagepunkte

Guantanamo-Häftling vor zivilem US-Gericht

Ausland
09.06.2009 16:38
Erstmals ist ein Häftling des umstrittenen Guantanamo-Lagers vor einem zivilen Gericht in den USA erschienen. Ahmed Ghailani (Bild) wurde am Dienstag nach New York gebracht. Dort muss sich das mutmaßliche Al-Kaida-Mitglied wegen der Bombenschläge auf die US-Botschaften in Tansania und Kenia im August 1998 verantworten. Für jeden der 224 Toten steht Ghailani einzeln unter Mordanklage. Bei einer Verurteilung drohen dem Angeklagten die Todesstrafe oder lebenslange Haft. Ghailani plädierte vor Gericht auf "nicht schuldig", hieß es aus US-Justizkreisen.

Der Tansanier wurde seit September 2006 in dem US-Gefangenenlager auf Kuba festgehalten, wo er bei Verhören eine Beteiligung an dem Anschlag in Tansania eingeräumt haben soll, bei dem elf Menschen starben und mindestens 85 weitere verletzt wurden. Bei dem zeitgleichen Anschlag auf die Botschaft in Kenia wurden 213 Menschen getötet. 

Insgesamt werden Ghailani nach Angaben des Justizministeriums 286 Anklagepunkte zur Last gelegt - darunter auch Verschwörung mit dem Extremisten-Führer Osama Bin Laden und weiteren ranghohen Al-Kaida-Mitgliedern zur Ermordung von US-Bürgern.

Überführung von Häftlingen in die USA umstritten
US-Präsident Barack Obama hat die Schließung des Guantanamo-Gefängnisses bis Ende Jänner angeordnet und damit eine heftige Debatte in den USA ausgelöst. Die oppositionellen Republikaner, aber auch zahlreiche Abgeordnete der Demokraten lehnen eine Überführung der Guantanamo-Häftlinge auf US-Boden ab, weil sie dadurch die innere Sicherheit gefährdet sehen. 

Die Entscheidung für eine Überstellung Ghailanis ans US-Justizministerium traf die extra eingerichtete Guantanamo Review Task Force, die derzeit die Vorwürfe gegen alle der 240 Guantanamo-Insassen prüft.

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