30.01.2004 12:26 |

Gates-Interview

Bill Gates im Exklusiv-Interview

Dr. Georg Wailand über den reichsten Mann der Welt: Seit unserem letzten Treffen vor sechs Jahren hat er sich kaum verändert: Bill Gates, mit einem Vermögen von 50 Milliarden Dollar reichster Mann der Welt, sieht mit seinen 48 Jahren immer noch aus wie ein erwachsen gewordener College-Boy. Schlank, freundlich, auffallend gepflegte Hände, dunkelblaues Sakko - "Bill", wie ihn alle nennen, ist der sympathische Typ geblieben. Nur seine sechs ständigen Leibwächter (und zahlreiche weitere, vor Ort angemietete Sicherheitsleute, die vor und im Hotel Imperial in Wien postiert sind) erinnern daran, dass wir es hier mit einem ganz besonderen Kaliber zu tun haben.
Sein Aufstieg vom Studienabbrecher zum weltweiterfolgreichsten Unternehmer mit der von ihm gegründeten SoftwarefirmaMicrosoft hat ihn zu einem bewunderten Superstar werden lassen.Dennoch findet sich von Überheblichkeit keine Spur. Er hörtkonzentriert zu und antwortet blitzartig mit einem Feuerwerk brillanterArgumente. 15 Minuten Unterhaltung mit Bill Gates sind spannenderund inhaltsreicher als ein zweistündiges Gespräch mitanderen Top-Managern, die von ihren Beratern zu Phrasen-Dreschmaschinen"gestylt" wurden. Bill Gates bleibt authentisch, geht auf Argumenteein, erwartet von seinem Gesprächspartner jedoch ebenfallshöchste Präzision. Für belangloses Geplauder istseine Zeit zu kostbar.
 
Bereits 22,9 Milliarden Dollar verschenkt
Von seinem 50-Milliarden-Dollar-Vermögen hater bereits 22,9 Milliarden Dollar in eine wohltätige Stiftungeingebracht, in der 220 Mitarbeiter ständig Projekte prüfen,von Anti-AIDS- und Malaria-Programmen bis hin zu Spenden an Universitäten.
 
"Es ist ein Handicap, wenn man zu vielGeld erbt!"
Obwohl Bill Gates mit seiner Frau in einer 100-Zimmer-Villain Seattle lebt, hält er seine drei kleinen Töchterfinanziell kurz. Die Älteste bekommt mit ihren sieben Jahren50 Cents Taschengeld pro Woche, "wenn sie ihre Schulaufgaben gemachthat". Ob es stimmt, dass er jedem seiner Kinder "nur" zehn MillionenDollar vererben wird? Bill Gates: "Die Zahl haben wir nicht genaufestgelegt, aber grundsätzlich bin ich der Meinung, dasses ein Handicap für einen jungen Menschen ist, wenn er zuviel Geld erbt. Das verhindert, sein Potenzial auszuschöpfen,zu einer eigenen, kreativen Persönlichkeit zu werden. Zumindestfinden das meine Frau und ich so, ich will da keine allgemeineRegel daraus machen."
 
Er selbst jedenfalls will bis zu 90 Prozent seinesVermögens verschenken. Warum? Also sprach Bill Gates: "90Prozent der Mittel in der Weltgesundheit fließen in zehnProzent dieser Welt, nämlich in die reichen Staaten. Für90 Prozent der Weltbevölkerung, die in den armen Regionenlebt, bleiben insgesamt nur zehn Prozent. Anders formuliert: Inden Industrieländern ist ein Menschenleben sehr, sehr wertvoll,in der Vielzahl der anderen Länder hingegen überhauptnicht. Dort kann man mit kleinen Beträgen einzelnen Menschenganz entscheidend helfen. Man könnte das Bevölkerungswachstumin den armen Ländern einbremsen, wenn es dort bessere Medizinund einen höheren Lebensstandard gäbe - denn dann müsstendie Leute dort nicht möglichst viele Kinder haben, die alseinzige Altersversorgung Sicherheit bieten. Ich fühle dieVerantwortung, das von mir verdiente Geld zurück an die Gesellschaftfließen zu lassen."
 
"Ich habe den tollsten Job der Welt!"
Und welche Motivation treibt Bill Gates persönlich,sich nach wie vor eine 60-Stunden-Woche anzutun? Bill Gates: "Ichliebe meine Aufgabe, es ist ungeheuer faszinierend, immer wiederneue Lösungen für diese Welt zu finden. Ich habe dentollsten Job der Welt! Und wenn ich nicht für Microsoft arbeite,dann widme ich mich meiner Stiftung, um herauszufinden, wo derdringendste Bedarf besteht."
 
Welchen Rat würden Sie einem jungen Österreichergeben? Bill Gates, der abwechselnd beim Interview die Händeverschränkt, dann wieder mit dem Sessel nach hinten kippt,um dann wieder wie ein Rennpferd vor dem Start mit den Beinenzu wippen: "Viel lesen und die eigenen Fähigkeiten, an denenman Freude hat, konsequent verbessern. Bildung ist der Schlüsseldafür, um zur Weltklasse aufzusteigen. Nur dann kann manEinmaliges schaffen."
 
Bill Gates selbst zieht sich zweimal im Jahr zueiner "Denk-Woche" zurück, wo er ganz allein neueste Fachliteratur"in sich aufsaugt", wissenschaftliche Videos studiert, um dannin den letzten zwei Tagen dieser Woche seine Erkenntnisse darausabzuleiten. Die Software-Branche hält er ungebrochen fürdie tollste der Welt: "Wer sonst weist auf Dauer ein exponentiellesWachstum auf? Am ehesten reicht da noch die Medizin heran."
 
Sprichts und nippt an seinem Cola light. Sein geliebtesFast-food versagt sich der Nichtraucher höchst diszipliniert,jahrelang hat er sogar auf Fleisch verzichtet.
 
Ob er echte Freunde hat? Bill Gates: "Neben SteveBallmer, meinem Nachfolger als Nr. 1 bei Microsoft, ist das derunglaubliche Warren Buffet. Mit ihm spiele ich Golf und Bridge,der hat an der Börse viel Geld verdient, hat aber nie indie Technologie wie ich investiert. Der ist für mich derweltbeste Manager, ich lerne sehr viel von ihm!" Kein Wunder,gilt doch der legendäre alte Warren Buffet mit einem Vermögenvon 30 Milliarden Dollar als der zweitreichste Mann der Welt.Wenn der reichste und der zweitreichste Mann der Welt miteinanderübers Geld reden, würden gerne Millionen BörsianerMäuschen spielen, um unbeobachtet lauschen zu können...
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