Neuer Skandal
Schmutzkampagne bringt Brown in Bredouille
Der Schuldige war schnell ausgemacht - schließlich hatte Browns Strategieberater und ehemaliger Pressesprecher das Mail von seinem offiziellen Downing-Street-Konto abgeschickt. Zwar bezahlte McBride die Panne am Samstag mit seinem Job und entschuldigte sich für die "kindischen" Mails. Und Downing Street beeilte sich zu betonen, dass niemand außer dem Autor von dem Inhalt wusste. Doch der fade Beigeschmack, dass sich da ein ranghoher Regierungsbeamter "Schmuddelkram" ausgedacht hat und dafür mit Steuergeldern bezahlt wurde, blieb. Nach Spesenabrechnungen der Innenministerin für Porno-Filme ihres Mannes und einer Sicherheitspanne bei einer Anti-Terror-Fahndung muss sich die Regierung nun mit einer neuen Affäre herumschlagen.
Geschlechtskrankheiten bis One-Night-Stand
Und die ist mit allerlei pikanten Details gespickt. So pikant, dass sich viele Medien am Sonntag zierten, den genauen Inhalt der E-Mails abzudrucken. Doch Andeutungen in der "Sunday Times" von Spekulationen über angebliche Geschlechtskrankheiten des Chefs der Konservativen, David Cameron, vermeintliche Fotos vom Finanzexperten George Osborne in BH und Strapsen und einen One-Night-Stand einer Tory-Abgeordneten lassen ahnen, was sich McBride da ausgemalt hatte.
"Schockierend und vollkommen inakzeptabel"
McBride selbst räumte ein, dass es sich größtenteils um Gerüchte handelt, die in einem Internet-Blog verbreitet werden und den Tories schaden sollten. Doch dem Berater des Regierungschefs entglitt die Kampagne, als das Mail über einen anderen - regierungskritischen - Blogger an die Medien gelang. Den Konservativen spielte der gefloppte Angriff voll in die Karten. Schließlich konnten sie über Ostern genüsslich auf die Regierung und deren "Politik aus der Gosse" eindreschen. "Schockierend und vollkommen inakzeptabel" seien die E-Mails, schimpfte Innenexperte Chris Grayling. Ein Sprecher der Tories erklärte, es sei "absurd", dass sich Downing Street in der Wirtschaftskrise mehr um Schmierenkampagnen kümmere als um die Sorgen der Briten. Die Partei fordert eine persönliche Entschuldigung von Brown.
Der Regierungschef, der vor zwei Jahren antrat und ein Ende des sogenannten "Spin" versprach, steckt nun selbst im Sumpf dieser lancierten PR-Aktionen. Für ihn kommt die Affäre zu einem Zeitpunkt, an dem er nach dem G-20-Gipfel mühsam wieder Punkte gutgemacht hatte - nachdem seine Labour-Partei in Umfragen seit Monaten meilenweit hinter den Konservativen hinterherhinkt. Versuche, die Opposition mit Schmutz zu überziehen, sehen da lediglich wie eine Verzweiflungstat aus. Und die Chancen, dass Labour bei den bis spätestens 2010 auszurufenden Parlamentswahlen gewinnen kann, sind damit vermutlich nicht gewachsen.
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