Die vermeintliche Immobilienkrise, die zu einer Bankenkrise und mittlerweile zu einer Wirtschaftskrise wurde, ist nun schon seit einigen Monaten unser täglicher Begleiter. Und hat uns tief in unserem Grundvertrauen in das System getroffen. Mit einem Mal sind bewährte Anlagegrundsätze erschüttert, das Sparbuch scheint das einzig Wahre zu sein. Und Fonds oder Wertpapiere sind das Schlechteste überhaupt. Doch nicht zufällig steht das chinesische Schriftzeichen für Krise auch gleichzeitig für Chance. Ist es schon so weit, wieder investieren zu können und die derzeitige Situation zu nutzen?
Willst du derzeit in einer Bank ein Sparbuch eröffnen, dann kommt nach den hohen Zinssätzen des vergangenen Herbstes meist das böse Erwachen und die Enttäuschung. Man gewöhnt sich nur allzu schnell an Zinsen um die fünf Prozent – nur leider sind diese Zeiten momentan für längere Zeit vorbei. Derzeit werden auf ein Jahr Bindung Zinssätze von etwa zwei Prozent angeboten, bei Direktbanken noch etwas mehr. Und es ist nur eine Frage der Zeit bis die Zinsen weiter gesenkt werden. Anlagealternativen sind daher wieder gefragt. Nur welche?
Denn allein schon das Wort „Wertpapier“ scheint derzeit in Sparern große Ängste auszulösen. Rein der Form halber sei an dieser Stelle eines erwähnt: Ein Wertpapier ist definiert als verbrieftes Recht an einem Vermögen – also eine Urkunde. Insofern ist auch ein Sparbuch ein Wertpapier – genauso wie eine Aktie. Nur die Produktmerkmale sind jeweils andere. Aktuell ist in vielen Sparern das Sicherheitsbedürfnis sehr stark ausgeprägt, und somit stehen Wertpapiere im Sinn von Aktien oder Anleihen für die meisten Menschen nicht zur Diskussion. Eigentlich schade, denn unter Beachtung gewisser Spielregeln ist das Investment in Wertpapiere derzeit bereits durchaus als Chance zu sehen.
Die aktuelle Lage
Aktuell beherrscht nach wie vor große Unsicherheit die Märkte, die durch neue Berichte aus börsenotierten Unternehmen bzw. Banken auch nicht unbedingt kleiner wird. Ob der Boden, also der Tiefpunkt auf den Märkten bereits erreicht ist, kann derzeit daher noch nicht abgeschätzt werden. Die ersten volkswirtschaftlichen Kennzahlen deuten jedoch vorsichtig darauf hin, dass es Ende 2009 bzw. Anfang 2010 zu einer Stabilisierung bzw. leichten Erholung kommen kann. Ein wenig Licht am Ende des Tunnels.
Denn eines sollten wir uns vor Augen halten: Krisen hat es immer gegeben und wird es auch immer wieder geben. Die Mechanismen sind immer die gleichen: Einem Abschwung der Börse folgt etwas zeitlich versetzt der Abschwung der Wirtschaft. In der Folge werden konjunkturbelebende Maßnahmen beschlossen. Dann dauert es eine Zeitlang, bis diese greifen. Und noch bevor die Wirtschaft sich real erholt, zeigen die Aktienmärkte einen Aufschwung – das heißt: Die Erholung der Aktienmärkte geht einer Stabilisierung der Wirtschaft voraus.
Die Chancen
Das Positive an der derzeitigen Lage ist die Tatsache, dass Aktien so günstig sind wie schon lange nicht mehr. Du kannst daher sehr billig in ein Unternehmen einsteigen - und bist dann mit dabei, wenn der Aufschwung kommt. Du kannst daher aus der aktuellen Situation profitieren. Allerdings gilt es, ein paar Spielregeln zu beachten, damit du das Risiko beim Investieren in einem absehbaren Ausmaß hältst. Von Einmalerlägen ist derzeit noch abzusehen. Denn gehen die Märkte noch etwas weiter nach unten, dann machst du Verlust.
Das Risiko verringern
Du kannst das Risiko kontrollieren, indem du deine Investition auf mehrere Zeitpunkte in den nächsten Wochen und Monaten aufteilst. Dadurch kaufst du zu unterschiedlichen Zeitpunkten zu verschiedenen, niedrigen Kursen und profitierst dadurch voll, wenn die Märkte wieder nach oben gehen. Zusätzlich kannst du das Risiko minimieren, indem du den Erfolg deines Investments nicht an das Schicksal eines einzigen Unternehmens hängst, sondern in Fonds investierst, die im Hintergrund in viele verschiedene Aktien bzw. Anleihen oder Rohstoffe investiert sind. Besonders gut geeignet sind derzeit Mischfonds, die ihre Anlagestrategie flexibel an die Marktsituation anpassen können, und dadurch mehr Sicherheit bieten.
In jedem Fall solltest du dir genau ansehen, worin du dein Geld investierst – je breiter die Streuung im Hintergrund, desto besser, da derzeit nicht absehbar ist, welche Branchen bzw. welche Anlagekategorien sich längerfristig beweisen werden. Auch gilt: Regelmäßige Beobachtung ist wichtig! Die Zeiten, da man ein Investment getätigt hat und dieses über mehrere Jahre unbeobachtet liegen lassen konnte, sind zumindest für den Moment vorbei. Hast du Gewinne gemacht, dann warte nicht auf den nächsten Abschwung, sondern schichte dein Geld in kapitalgarantierte Sparformen um, damit nichts mehr passieren kann.
Ganz generell solltest du jedoch auf deine innere Stimme hören. Wo siehst du den aktuellen Stand der Weltwirtschaftskrise? Glaubst du, wir haben das Schlimmste schon hinter uns? Glaubst du, es steht uns noch einiges bevor? Und davon solltest du deine Investitionsentscheidung dann abhängig machen. Weiters gilt: Investiere nur Geld, von dem du nicht abhängig bist und das du im schlimmsten Fall auch einige Zeit lang liegen lassen kannst. Denn es kann durchaus noch nach unten gehen, bevor es wieder nach oben geht.
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