Pilgerreise

Papst besucht im Mai das Heilige Land

Ausland
08.03.2009 14:48
Papst Benedikt XVI. hat am Sonntag seine für Mai geplante Reise ins Heilige Land offiziell angekündigt. Er werde diese Pilgerreise vom 8. bis 15. Mai unternehmen und an den heiligen Orten für Einheit und Frieden in der Region sowie für die gesamte Menschheit beten, sagte der Papst nach dem Angelusgebet in Rom. Das katholische Kirchenoberhaupt nannte keine Einzelheiten der Reisepläne. Nach vatikanischen Angaben begibt er sich zuerst bis zum 11. Mai nach Jordanien. Danach besucht der Papst Israel und Palästina.

Der israelische Staatspräsident Shimon Peres erklärte am Sonntag in Jerusalem: "Ich freue mich sehr, dass der Papst meine Einladung angenommen hat". Benedikt XVI. werde für alle Israelis ein "Ehrengast" sein. "Dies ist ein bewegendes und außerordentlich wichtiges Ereignis, das eine Botschaft des Friedens und der Hoffnung aussendet", sagte Peres nach Angaben seines Büros. Es ist die dritte Reise eines Papstes in das Heilige Land in der Neuzeit. Paul VI. begab sich 1964 nach Jerusalem, Johannes Paul II. im März 2000. Im Jahr seiner Wahl hatte Benedikt 2005 den palästinensischen Präsidenten Mahmoud Abbas im Vatikan empfangen, der dabei eine Einladung ausgesprochen hatte.

Zuletzt schwere Irritationen
Der päpstlichen Reise sind schwere Irritationen im jüdisch-katholischen Verhältnis in Zusammenhang mit der vom Papst verfügten Aufhebung der Exkommunikation des Holocaust-Leugners Richard Williamson vorausgegangen. Verärgerung hatten auf jüdischer Seite auch die Karfreitags-Fürbitte in dem vom Papst wieder zugelassenen vorkonziliaren "alten Usus" ("Lasset uns auch beten für die Juden, auf dass Gott unser Herr ihre Herzen erleuchtet, damit sie Jesus Christus erkennen, den Retter aller Menschen") und die Würdigung von Papst Pius XII. anlässlich seines 50. Todestages durch Benedikt XVI. im Vorjahr hervorgerufen.

Der Papst werde auch nicht das Holocaust-Museum der Jerusalemer Gedenkstätte Yad Vashem betreten, das eine kritische Einschätzung des Verhaltens seines Vorgängers Pius XII. in der Zeit der Nazi-Diktatur enthält, wie Israels Botschafter Mordechai Lewy am Freitag mitgeteilt hat. Benedikt XVI. werde wahrscheinlich in Begleitung von Präsident Peres das Institut von Yad Vashem aufsuchen und der sechs Millionen im Auftrag der deutschen NS-Machthaber ermordeten Juden gedenken, sagte der Diplomat.

Lateinisches Patriarchat gegen Papst-Besuch
Das Lateinische Patriarchat von Jerusalem hatte sich in den vergangenen Jahren gegen einen Papst-Besuch ausgesprochen und auf die schwierige Lage der Christen hingewiesen, vor allem seit der Errichtung der israelischen Sperranlage im Westjordanland. Patriarch Fouad Twal, den der Papst am Wochenende in die Ostkirchen-Kongregation aufgenommen hat, hatte zuletzt erklärt, er erhoffe sich von dem Besuch deutliche Worte des Kirchenoberhauptes zur Lage der Menschen im Nahost-Konflikt. 

Trotz der jüngsten Spannungen zwischen Kirche und Judentum, insbesondere wegen der Holocaust-Leugnung durch Bischof Williamson, solle der Papst frei über seine Gedanken zur Situation in der Krisenregion sprechen, sagte der Jordanier Twal. Der Besuch sei vor allem eine Pastoralreise, bei der er "eine größtmögliche Anzahl der örtlichen Katholiken" treffen wolle. "Wir brauchen dringend Worte der Ermutigung für unseren Glauben, unser Hiersein und unser Wirken bei all den Schwierigkeiten, die uns zu schaffen machen", so der Patriarch. 

Die überwiegend arabischen Christen machen nur noch weniger als zwei Prozent der Bevölkerung im Heiligen Land aus. Immer weniger sehen noch Zukunftsperspektiven für sich und ihre Kinder und wandern aus. Die katholischen Bischöfe hatten sich in einem offenen Brief über die "wachsende religiöse Intoleranz" in Israel beklagt.

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