Wirbel in Frankreich

Professor zweifelt an Sarkozys Uni-Diplom

Ausland
07.03.2009 19:48
Ein französischer Politikprofessor bezweifelt die Echtheit eines Universitätsdiploms von Präsident Nicolas Sarkozy. Der Wissenschaftler hat in einem Artikel behauptet, es gebe keine Spuren von Sarkozys Prüfung in Politikwissenschaften; die ehemalige Universität des französischen Staatspräsidenten dementiert diese Angaben. Sarkozy sei für seinen Master den Archiven zufolge am 4. November 1980 vor dem Prüfungsausschuss zu Politischen Systemen und Strukturen gestanden, teilte die Hochschule Paris X-Nanterre mit. Er habe dabei mit "ziemlich gut" bestanden.

Professor Alain Garrigou hatte in einem im Internet veröffentlichten Artikel geschrieben, Sarkozys Test sei nach seinen Recherchen im Prüfungszyklus Oktober/November 1979 verschoben worden. Die Mitschrift des Prüfungskomitees über die folgende Testphase im Februar 1980 sei jedoch "aus den Archiven der Universität verschwunden". Nach den Angaben der Universität hätte Sarkozy zwei Tests im November 1979 nicht abgelegt und bestand dann ein Jahr später.

"Schwerwiegende Unregelmäßigkeiten"
Garrigou, der seit 1992 an der Universität lehrt, zeigte sich überrascht von diesen Angaben, die aus seiner Sicht "einer Überprüfung nicht standhalten". Die zweite Prüfungsrunde sei im Februar 1980 gewesen, Sarkozy hätte die Tests nicht erst im November 1980 ablegen dürfen, sagte er der Nachrichtenagentur AFP. "Dies bestätigt, dass es schwerwiegende Unregelmäßigkeiten gab." Eine Universitätssprecherin erklärte darauf, es sei durchaus möglich, das Diplom binnen zwei Jahren abzulegen. "Das ist nicht unnormal", sagte sie. "Im fraglichen Jahr gab es acht oder neun ähnliche Fälle."

"Persönliche Rache eines Faulpelzes"
Garrigous Artikel erschien als Beitrag zur aktuellen Auseinandersetzung um die Universitätsreform, die seit Wochen zu Protesten führt. Unter dem Titel "Sarkozy und die Universität - die persönliche Rache eines Faulpelzes" vertritt er die These, dass die "Geringschätzung" des Präsidenten für Forscher und Hochschullehrer mit dem "unglücklichem Verhältnis" zu seinen Ausbildungsjahren zu erklären sei.

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