Mi, 21. November 2018

Verjüngungskur

12.02.2009 17:00

Alte Hits von Johnny Cash in neuem Gewand

Wenn sich die Crème de la Crème internationaler Produzenten und DJs ein Stelldichein gibt, um einem der ganz Großen des Musikbusiness zu huldigen, dann kann dabei eigentlich nur etwas Spannendes herauskommen. So geschehen bei "Johnny Cash Remixed", auf dem die größten Hits der 2003 verstorbenen Country-Legende in neuem Sound-Gewand erklingen.

Verantwortlich für den musikalischen Aufguss zeichnet kein Geringerer als Snoop Dogg, der gemeinsam mit Cashs Sohn John Carter Cash insgesamt 13 mal mehr, mal weniger bekannte Songs aus den Jahren 1956 bis 1959 elektronisch "überarbeiten" ließ. Snoop selbst lässt es sich dann auch nicht nehmen, Cashs erstem Nummer-1-Hit "I walk the Line" einen G-Funk-Anstrich zu verpassen.

Ein Hip-Hop-Album ist "Johnny Cash Remixed" deswegen aber nicht. Bis auf New-York-Legende Pete Rock, der "Folsom Prison Blues" mit einem fröhlich stampfenden Beat unterlegte (siehe Video oben), stammt die Riege der teilnehmenden Musik-Bastler überwiegend aus dem Electro- und Dance-Bereich. Songs wie "Get Rhythm" (Pete Steir), "Big River" (Count De Money), "Country Boy" (Sonny J) oder auch "Rock Island Line" (Wolf) erweisen sich daher als überaus tanzbar, die ursprüngliche Musik bleibt aber weitgehend unangetastet.

Hörproben findest du über den Link in der Infobox!

Das wiederum scheint aber durchaus gewollt, wie John Carter Cash erklärt: "Obwohl die Remixe sehr nah am Original sind, betritt das Album musikalisches Neuland. Darum ging es auch meinem Vater: der Tradition treu zu bleiben, während man bahnbrechende Musik kreiert."

Für Freunde vertrakterer Song-Spielereien stehen dann aber doch noch ein paar freiere Interpretationen des klassischen Cash-Liedguts bereit, etwa Alabama 3s Version von "Leave that junk alone", "Straight A's In Love" im Troublemaker-Remix, Kennedys rockendes "Sugartime" und vor allem das dreckig pumpende "Belshazzar" von Machine Drum. Eher dem Trip-Hop- oder Ambient-Bereich zuzuschreiben sind schließlich die Neuauflagen von "Port Of Lonely Hearts" und "I Heard That Lonesome Whistle Blow" aus der Feder von den Midnight Juggernauts bzw. des Berliner-Remixers Apparat.

Fazit: Eine Verjüngungskur haben die zeitlosen Songs Johnny Cashs zwar gar nicht nötig, schlecht stehen tun die beschwingten Rhythmen und satten Bässe dem "Man in Black" aber auch nicht. Etwas mehr Mut zur Veränderung wäre zwar hier und da wünschenswert gewesen, vielleicht wollte man es sich aber auch einfach nicht mit den alteingesessenen Fans verscherzen.

7 von 10 durch den Fleischwolf gedrehten Punkten

von Sebastian Räuchle

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