Verdeckte Aktion

Deutsche Bahn ließ Mitarbeiter ausspionieren

Ausland
21.01.2009 15:33
Die Deutsche Bahn hat nach einem Bericht des Magazins "Stern" in den vergangenen Jahren in großem Stil Mitarbeiter und deren Ehepartner ausforschen lassen. Davon seien mehr als 1.000 Personen betroffen gewesen, darunter ein Großteil des oberen Managements, berichtet die Zeitschrift in ihrer neuen Ausgabe. Nach den Skandalen bei Lidl und der Deutschen Telekom müsse sich nun auch die Bahn massiven Vorwürfen von Datenschützern stellen.

Nach eigenen Angaben erteilte die Bahn der Detektei Network Deutschland seit 1998 insgesamt 43 Aufträge unterschiedlichen Umfangs. Dabei glichen die Detektive dem Unternehmen zufolge Adressdaten, Telefonnummern und Bankverbindungen von Mitarbeitern mit öffentlichen Verzeichnissen wie dem Handelsregister ab. Ziel war es demnach, Verbindungen der Bahn-Mitarbeiter und deren Ehepartnern zu Lieferanten des Unternehmens aufzudecken.

Vor allem Top-Führungskräfte betroffen
Die Überprüfung der Mitarbeiter erfolgte auch ohne einen konkreten Verdacht. Betroffen von der Rasterfahndung waren vor allem "wenige hundert Top-Führungskräfte", wie der Korruptionsbeauftragte der Bahn, Wolfgang Schaupensteiner, sagte. Bei den Aktionen seien "keine Telefone abgehört, keine Konten ausgeforscht" und auch keine Telefon-Verbindungsdaten überprüft worden, hob Schaupensteiner hervor. Dem "Stern" warf er vor, die Vorgänge zu "skandalisieren".

Laut "Stern" reichte die Bahn allein im Jahr 2003 die Daten von 774 Führungskräften an Network Deutschland weiter. Ziel der Aktion mit dem Namen "Eichhörnchen" sei es gewesen auszukundschaften, ob Top-Manager oder deren Ehepartner außerhalb des Unternehmens wirtschaftlich engagiert gewesen seien. Auch 2002 habe der Konzern in der Aktion "Babylon" bereits eine Rasterfahndung vorgenommen, das heißt, Mitarbeiter auch ohne konkreten Verdacht überprüft.

Die Bahn bezeichnete den Kampf gegen Korruption als unbedingt notwendig. "Die Deutsche Bahn war in den vergangenen zehn Jahren wiederholt Opfer schwerster Fälle von Wirtschaftskriminalität und Korruption", erklärte Konzernsprecher Oliver Schumacher. Der Kampf des Unternehmens "gegen diese Übel" sei "im Interesse aller ehrlichen Kunden, Steuerzahler und Mitarbeiter".

Der Berliner Datenschutzbeauftragte Alexander Dix, der für die Aufsicht der Bahn zuständig ist, habe "keine grundsätzlichen Bedenken" gegen die Ermittlungen wegen Korruption im eigenen Hause festgestellt, erklärte das Unternehmen. Demnach kritisierte Dix lediglich, dass die betroffenen Mitarbeiter - soweit keine Korruption festgestellt wurde - nicht über die Überwachung informiert wurden. Der Datenschützer habe aber auch betont, dass die Bahn "ein berechtigtes Interesse hat, Wirtschaftskriminalität zu bekämpfen".

Datenschutzbeauftragter sieht mögliche Verstöße
Der stellvertretende Berliner Datenschutzbeauftragte, Thomas Petri, wies die Darstellung der Bahn zurück, seine Behörde habe keine grundsätzlichen Bedenken gegen das Vorgehen der Bahn. "Wir haben zu keinem Zeitpunkt das Verfahren der Korruptionsbekämpfung bei der Deutschen Bahn grundsätzlich oder im Detail gebilligt", sagte er. Vielmehr habe die Behörde "erhebliche Anhaltspunkte für datenschutzrechtliche Verstöße". Die Datenschützer prüften daher, "ob wir nun ein Bußgeldverfahren einleiten oder Strafantrag stellen".

Network Deutschland soll auch bei der Bespitzelung von Führungskräften für die Deutsche Telekom beteiligt gewesen sein. Die Bahn wies jeden Vergleich mit dem Fall Telekom oder der Mitarbeiterüberwachung bei Lidl zurück.

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