Entropa entschärft

Bulgarien auf Europa-Kunstwerk mit Tuch verhüllt

Ausland
20.01.2009 14:35
Bulgarien ist nach seinen scharfen diplomatischen Protesten nun nicht mehr auf dem umstrittenen EU-Kunstwerk "Entropa" im Brüsseler Ratsgebäude als Stehklo zu sehen. Die tschechische EU-Ratspräsidentschaft ließ die umstrittene Darstellung des Landes am Dienstag kurzerhand durch ein schwarzes Tuch verhüllen - ob das eine bessere Botschaft ausstrahlt, müssen die Bulgaren wohl für sich entscheiden. Eine Petition dagegen gibt es in dem Balkan-Land bereits.

Die anderen 26 EU-Staaten sind weiter unverändert auf der Installation zu sehen. Bereits in der Vorwoche hatte sich die tschechische EU-Ratspräsidentschaft für das von ihr in Auftrag gegebene kontroversielle Kunstwerk "Entropa" offiziell entschuldigt und sich von der Sicht des Künstlers, David Cerny, auf Europa distanziert. 

Tschechische Präsidentschaft genarrt
Das Werk sollte die 27 EU-Staaten mit Stereotypen ins Lächerliche ziehen, um so auch Barrieren im Denken der Leute zu verspotten. Cerny hatte wenige Tage vor der offiziellen Präsentation eingeräumt, die tschechische Regierung "absichtlich hinters Licht geführt" zu haben, indem er vorgab, die bissigen Länderporträts seien durch Künstler aus den jeweiligen EU-Staaten angefertigt worden. 

Tatsächlich ist die gesamte Installation das Werk von Cerny und seinem Team. Auch die Slowakei hatte gegen die Darstellung als Salami mit ungarischer Fahne protestiert. Österreich ist als grüne Wiese mit vier AKW-Kühltürmen dargestellt (siehe Infobox).

Petition gegen "Zensur" in Bulgarien 
Hunderte Bulgaren haben am Dienstag gegen eine "Zensur" der Darstellung ihres Landes auf einer Collage im EU-Ratsgebäude in Brüssel protestiert. Die Verhüllung des Werkes für Bulgarien und alle seiner Bürger beschämend, hieß es in einer im Internet verbreiteten Erklärung. Die freie Meinungsäußerung gehöre zu den Grundwerten der demokratischen Gesellschaft. Bis Dienstagmittag hatten 463 Bulgaren im In- und Ausland das Dokument unterstützt. Unter ihnen waren auch bekannte Künstler des Balkan-Landes. Sie forderten ihrerseits, dass der Bulgarien-Teil der Installation "Entropa" wieder gezeigt und dies zum "ersten Schritt für einen angemesseneren und fruchtbaren" Umgang der Machthabenden mit der Kunst werde.

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