Das "You're in the movies" zugrundeliegende Konzept ist durchaus interessant: Bis zu vier Freunde avancieren zu großen Hollywood-Akteuren, dessen schauspielerisches Können und Talent per Xbox-Live-Vision-Kamera auf "Zelluloid" gebannt wird. Ähnlich der bekannten "EyeToy"-Serie des Konkurrenten Sony gilt es in Dutzenden von Mini-Games unterschiedliche Gestiken und Mimiken zum Besten zu geben, damit diese anschließend in einen romantischen Liebes-, gruseligen Horror- oder bombastischen Action-Streifen verfrachtet werden können. Insgesamt stehen rund 30 Filme unterschiedlichster Genres zur Auswahl, für die sich die Schauspieler nach und nach verpflichten können.
Schmierentheater statt Hollywood-Blockbuster
Was in der Theorie nach einem unterhaltsamen Blockbuster-Game klingt, entpuppt sich in der Praxis jedoch als langatmiges Schmierentheater. Hauptverantwortlich dafür ist die Xbox-Kamera, die die Schauspieler im sogenannten Cutout-Studio mehr schlecht als recht vom Hintergrund freistellt. Ähnlich dem bekannten Blue- oder Greenscreen-Verfahren versucht das Spiel, Schauspieler und Hintergrund voneinander zu trennen. Leider herrschen allerdings in den wenigsten Wohnzimmern wirkliche Studiobedingungen vor, so dass es aufgrund unzureichender Beleuchtung oder der schrillen Tapete im Hintergrund immer wieder zu Darstellungsfehlern kommt. Statt durch ihr schauspielerisches Talent in den Vordergrund zu treten, fallen die Akteure durch unscharfe Konturen negativ auf.
Auch in spielerischer Hinsicht kann "You're in the movies" nicht überzeugen. Obwohl die Palette der zu drehenden Filme von Action-, Horror- und Katastrophenfilmen über Liebesschnulzen bis hin zum großen Charakterdrama reicht, unterscheiden sich die dafür zu bewältigenden Mini-Games in ihrer Aufgabenstellung nur kaum voneinander. Meist gilt es einfach wild in alle Richtungen zu schlagen und zu treten, auf der Stelle zu laufen oder auf Anweisung des Regisseurs bestimmte Grimassen zu schneiden. Den Titel "Mini-Games" tragen die Aufgaben dabei zu Recht, denn meist sind sie schneller vorbei als man überhaupt begriffen hätte, worum es geht. Macht aber auch nichts, denn für den fertigen Film ist die Höhe des erzielten Punktestands nicht ausschlaggebend.
Film ab!
Nach rund einer halben Stunde harter und schweißtreibender Arbeit vor der Kamera ist der Streifen schließlich fertig, das Ergebnis fällt jedoch ernüchternd aus: Getreu dem Motto "In der Kürze liegt die Würze" ist das Endprodukt mehr Kino-Trailer als abendfüllender Spielfilm. Da hat man all sein Herzblut in eine Szene gelegt, und dann fiel ausgerechnet der Oscar-reife Gefühlsausbruch der Schere des Regisseurs zum Opfer. Ärgerlich. Dennoch sorgt das Ergebnis gerade während der ersten Filmvorführungen für ein Schmunzeln. Spätestens nach zwei bis drei Filmen dürften sich jedoch selbst hartgesottene Trash-Fans an den absurden Film-Parodien satt gesehen haben. Der Wiederspielwert hält sich in also in Grenzen - nicht nur, weil sich die Mini-Games stark ähneln, sondern auch, weil beim Spiel mit Freunden ein Teil meist zum Warten auf der Couch verdammt ist und den für die jeweilige Szene benötigten Spielern zusehen muss, ehe er selbst wieder an die Reihe kommt.
Vom Schauspieler zum Regisseur
Weitaus vielfältigere Möglichkeiten der kreativen Betätigung bietet da schon der Regie-Modus, in dem Gamer Spielberg, Coppola und Co Konkurrenz machen und selbst Regie führen dürfen. Bei 30 Filmen zu je 20 Szenen steht ein durchaus umfangreicher Pool an Filmschnippseln zur Auswahl, die nach Belieben zusammengefügt und mit einer eigenen Tonspur, Hintergrundmusik sowie diversen optischen Effekten versehen werden können. Wer mit seiner Arbeit zufrieden ist, kann den finalen Film – dies gilt auch für die zuvor mit Freuden abgedrehten Clips – dauerhaft auf der Festplatte der Konsole speichern oder über Xbox Live mit Bekannten teilen. Einmal hochgeladen, erhalten Spieler auf die bei Microsoft registrierte Adresse eine E-Mail samt Link zu einem passwortgeschützten Bereich, wo der Film heruntergeladen werden kann.
Fazit: Die Idee, das von Sonys "EyeToy" bekannte Spielprinzip mit einer Hollywood-Rahmenhandlung zu verknüpfen, ist durchaus gelungen. Leider gelingt es "You're in the movies" aber nicht, den Spieler über die erste Spielstunde hinaus zu motivieren. Die Mini-Games sind zu kurz, zu ähnlich und – vor allem – schlichtweg zu wenig amüsant. Das Ergebnis fällt, nicht zuletzt aufgrund der unzureichenden Technik, dementsprechend mau aus und rechtfertigt die Mühen kaum. Da vermag auch der spaßige Regie-Modus nicht den Titel vor der Pleite zu bewahren.
Plattform: Xbox 360
Publisher: Microsoft
krone.at-Wertung: 6/10
von Sebastian Räuchle
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