Und dabei wird schnell klar: Mit dem neuesten Teil der Serie beginnt auch in Persien eine neue Zeitrechnung. Denn nicht viel ist von der Atmosphäre der altbewährten Spielwelt geblieben. 1.000 und eine Nacht haben Platz gemacht für ein Persien in Comic-Optik. Das ist zwar auf den ersten Blick sehr außergewöhnlich und neu, jedoch vermisst man nach einiger Zeit auch die prunkvollen und atmosphärischen Paläste. Die markanteste Neuerung hat jedoch einen Namen: Elika. Die Prinzessin mit den flotten Sprüchen begleitet unseren Helden von Anfang an durch die persischen Welten und steht uns mit magischen Fähigkeiten zur Seite.
Ohne Elika geht eigentlich gar nix, sie hilft uns über weite Abgründe zu springen, kämpft akrobatisch gegen böse Fieslinge oder rettet uns jedes Mal aufs Neue geduldig vor dem Abdanken. Das ist dann auch schon die wirkliche Besonderheit des Spiels, die viel Atmosphäre schafft: die Beziehung zwischen dem bislang immer schweigsamen, nun sehr redegewandten Helden und der geheimnisvollen Prinzessin. Die Dialoge sind spritzig, locker und sehr humorvoll. Außerdem steuert man mit der linken Schultertaste die Gesprächsfreudigkeit seines Prinzen selbst und kann dadurch bestimmen, wie nah sich die beiden Charaktere im Spiel kommen sollen. Eine kleine Romanze im Wüstensand darf schließlich nicht fehlen.
Natürlich kommt die Action auch in diesem Teil nicht zu kurz. Eure Mission ist es, gemeinsam mit Elika vier Mitstreiter des finsteren Gottes "Ahrimann" zu besiegen, um den Gott wieder in seinen Tempel sperren zu können. Dabei kommen Elikas magische Kräfte zum Einsatz, um ein Gebiet nach dem anderen vom Bösen zu befreien. Um die übernatürliche Fähigkeit der Prinzessin zu erhöhen und neue Energien und Orte freizuschalten, müssen gleichzeitig "Lichtkeime" in den befreiten Gebieten gesammelt werden, um schlussendlich zu den Festungen der göttlichen Mitstreiter zu gelangen und eine fiese Konkubine, einen rachesüchtigen König, einen rasenden Steinkrieger und einen brutalen Prinzen zurück ins Jenseits zu befördern.
Die Kampfszenen bestechen vor allem durch eine exzellente filmische Präsentation. Trotzdem führen die Kämpfe immer wieder zu Frustration, vor allem weil man oft zum Blocken verdammt wird und erst mal unendlich viele Gegenschläge einstecken muss, bevor man selbst zum Zug kommt. Dann müssen so schnell wie möglich verschiedene Kampfkombinationen verbunden werden, um den Gegner rasch in die Knie zwingen zu können. Gelingt das nicht, kann ein Fight schon sehr lange dauern, was nicht nur die Fingerchen ermüdet, sondern auch die Spielfreude erheblich senkt. Ein dynamischeres Kampfsystem wäre hier wünschenswert gewesen.
Apropos sinkende Spielfreude: Leider kämpft man gegen die vier Mitstreiter des bösen Gottes immer und immer wieder. Sterben muss in "Prince of Persia" nämlich niemand, höchstens fliehen. Abgesehen von ein paar kleineren Gegnern und ein paar Fights mit Erikas Vater bietet das Spiel in dieser Hinsicht daher kaum Abwechslung. Auch die Suche nach den Lichtkeimen trägt nur wenig zum Spaß bei und wirkt eher wie eine Hinhaltetaktik, um das Spiel künstlich in die Länge zu ziehen. Denn wenn man an bekannte Orte zurückkehren muss und verzweifelt den letzten zehn noch fehlenden Lichtkeimen nachhechelt, um weitere Orte freizuschalten, dabei jedoch nichts Neues entdecken kann, dann sorgt das nicht gerade für aufregende Spielstunden.
Nach wie vor beeindruckend ist allerdings die Beweglichkeit des Prinzen. Geschmeidig wie eine Katze hechtet er über klaffende Abgründe, balanciert in schwindelerregender Höhe, läuft an Wänden entlang und rutscht dank einer Klauenhand neuerdings sogar senkrecht in die Tiefe. Komplizierte Button-Abfolgen sind dafür nicht einzustudieren, wohl aber wird dem Spieler ein perfektes Timing abverlangt, wenn diverse Bewegungen zu einer Kombo verknüpft werden müssen. Verschnaufpausen bringen dem Klettermaxe diverse Schalterrätsel, die aber im Vergleich zur Konkurrenz von "Tomb Raider" deutlich einfacher ausfallen.
Die Präsentation ist – wie bereits kurz erwähnt – recht imposant, hat aber oftmals nicht mehr viel mit dem bislang gewohnten Orient-Setting gemein und hätte insgesamt etwas detailreicher ausfallen können. Dank des ungewöhnlichen Tusche-Stils und aufgrund des farbenprächtigen Wechselspiels zwischen guter Licht- und böser Schatten-Welt weiß der Titel aber dennoch zu gefallen. In akustischer Hinsicht gibt es an "Prince of Persia" nichts zu rütteln: Sound bombatisch, Musik stimmig, Dialoge witzig – so soll es sein.
Fazit: Fast 20 (!) Jahre nach Erscheinen des ersten "Prince of Persia" präsentiert Ubisoft das populäre Franchise rundumerneuert. Neue Charaktere, die erfrischende Optik und der Humor des Spiels stehen jedoch negativen Aspekten wie einer zu einfachen Steuerung, den starren Kämpfen und vor allem dem künstlich in die Länge gezogenen Spielumfang gegenüber. Im Vordergrund steht jedoch wieder die Lust an der atemberaubenden Akrobatik und die ist auch im neuen Streich von "Prince of Persia" nicht verloren gegangen.
Plattform: PS3 (getestet), Xbox 360, PC
Publisher: Ubisoft
krone.at-Wertung: 7/10
von Sebastian Räuchle
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