Thailand-Chaos
Finanzieller Schaden so schlimm wie Tsunami
Auch die österreichischen Unternehmen, die in Thailand angesiedelt sind, "haben Probleme bekommen", sagte Gressel. Auch Österreichs Botschafter in Bangkok, Arno Riedel, erklärte: "Eine Krise wie diese schadet dem Land, der Wirtschaft und auch dem Tourismus." Die Unruhen werden zwar "keinen nachhaltigen Schaden" für den Tourismus haben, kurzfristig negative Auswirkungen erwartet er aber schon. Gressel ergänzte: "Wenn Sie jetzt in ein Restaurant in Bangkok gehen, sitzen zwei Leute drinnen."
Die ersten Schäden für den thailändischen Tourismus seien bereits Ende August entstanden. Damals hatten Regierungsgegner die Flughäfen von Krabi, Phuket und Hat Yai zur vorübergehenden Schließung gezwungen. Im September reisten daraufhin 16,5 Prozent weniger Gäste als im Vergleichsmonat 2007 an. Die Hotels verzeichneten einen Auslastungsrückgang von mehr als 10 Prozent.
Passagierflüge wieder aufgenommen
Unterdessen brachte eine Maschine der heimischen Fluggesellschaft Thai Airways 351 Passagiere aus Phuket nach Bangkok. Die Linie wollte vom internationalen Flughafen aus am Mittwoch auch zu sechs Sonderflügen unter anderem nach Frankfurt und Kopenhagen starten. Der reguläre Betrieb soll aber erst ab Freitag, 05.00 Uhr MEZ, schrittweise wieder aufgenommen werden.
"Wir werden alles versuchen, um die Lage so schnell wie möglich wieder zu normalisieren", sagte der Chef der thailändischen Flughäfengesellschaft. Trotzdem könne dies noch zwei Wochen dauern. Für die thailändische Tourismusindustrie ist das verheerend. Im Dezember ist Hauptreisezeit, 700 Flüge werden am Tag in diesem Monat abgewickelt.
AUA fliegt wieder nach Bangkok
Die Austrian Airlines (AUA) wird Mittwochabend zum letzten Mal vom Militärflughafen Utaphao starten. Der Flug von Thailand nach Wien wird noch von dort weggehen, der Flug nach Thailand (Abflug 23.20 Uhr) aber bereits in Bangkok landen, sagte Airline-Sprecher Michael Braun.
Seit Dienstag vergangener Woche hat die AUA rund 1.800 Touristen aus Thailand nach Österreich geflogen. "Der Großteil davon sind Österreicher gewesen", sagte Braun. Wie viele österreichische Touristen noch vor Ort sind, konnte Braun nicht beziffern. Auch der österreichische Botschafter in Bangkok, Arno Riedel, konnte keine konkrete Zahl nennen, glaubt aber, dass es "jede Stunde weniger" werden. "Wir merken, dass die Anrufe in der Botschaft zurückgehen", sagte Riedel, der das Engagement der AUA lobte: "Andere Fluglinien waren da nicht so entgegenkommend."
Massiver finanzieller Verlust
Mehr als 350.000 Reisende saßen wegen der Blockaden zeitweise in Bangkok fest, sie sollen zunächst teils weiter über die für den kommerziellen Verkehr geöffnete Militärbasis Utaphao ausgeflogen werden. Thai Airways kündigte eine Schadenersatzklage gegen die PAD-Anführer an. Sie macht Verluste von 20 Milliarden Baht (rund 450 Millionen Euro) durch die Flughafenblockaden geltend. Die thailändische Handelskammer schätzt den Schaden durch ausgefallene Exporte auf täglich 68 Millionen Euro.
Die Regierungsgegner hatten eine Woche lang den Flugbetrieb lahmgelegt, so dass Hunderttausende nicht abfliegen konnten. Die Demonstranten beendeten ihre Aktion, nachdem ihr Hauptziel, der Sturz der Regierung, am Dienstag erreicht worden war. Das Verfassungsgericht löste die regierende Partei der Volksmacht (PPP) wegen Wahlbetrugs auf und erzwang damit die Entlassung von Regierungschef Somchai Wongsawat, der gemeinsam mit 59 Parteigängern für fünf Jahre vom politischen Leben ausgeschlossen wurde.
Politische Zukunft Thailands unklar
Nach der Entmachtung der bisherigen Regierung wird das thailändische Parlament voraussichtlich Anfang kommender Woche einen neuen Premier wählen. Die politische Zukunft des Landes blieb aber zunächst ungewiss: Dutzende der rund 230 Abgeordneten der aufgelösten PPP haben die neue Partei Puea Thai (Für Thais) gegründet und wollen nächste Woche aus ihren Reihen einen neuen Regierungschef wählen.
Aussichtsreicher Anwärter ist der frühere Gesundheitsminister Chalerm Yubamrung, ein enger Vertrauter des vor zwei Jahren gestürzten und im Exil lebenden Regierungschefs Thaksin Shinawatra, dem massive Korruption vorgeworfen wird. Schon jetzt hatte sich die Anti-Regierungsprotest der außerparlamentarischen Volksallianz für Demokratie (PAD) gegen Somchai gewandt, weil er als Marionette Thaksin betrachtet wurde. Der Anführer der Demonstranten und Gründer der PAD, Sondhi Limthongkul, drohte neue Protestaktionen an, wenn das Parlament einen Thaksin-Vertrauten wähle.
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