Riesenenttäuschung

Vaclav Havel kritisiert Rückkehr der Kommunisten

Ausland
15.11.2008 16:22
Der ehemalige tschechische Staatspräsident und einstige Dissident Vaclav Havel ist enttäuscht, dass die Kommunisten (KSCM) 19 Jahre nach der "Samtenen Revolution" in der damaligen Tschechoslowakei nun auf Kreisebene wieder an die Macht kommen. "Ab und zu frage ich mich, ob wir das alles (Kampf gegen den Kommunismus, Anm.) umsonst gemacht haben", sagte Havel gegenüber der Tageszeitung "Lidove noviny" (Samstag-Ausgabe) als Antwort auf die Frage, was er von der Beteiligung der Kommunisten an der Macht in einigen Kreisen nach den kürzlich erfolgten Regionalwahlen hält.

"Als ob sich ein Teil der Bevölkerung plötzlich nach der früheren festen Umarmung aus dem Osten sehnte", sagte Havel weiters in dem großen Interview anlässlich des kommenden 19. Jahrestages des Falles des Kommunismus in der Tschechoslowakei, der auf den kommenden Montag fällt.

"Den Amerikanern ein bisschen helfen"
Havel kritisierte ebenso die Gegner des geplanten amerikanischen Radars, das als Bestandteil eines US-Raketenabwehrsystems in Zentraleuropa südwestlich von Prag stationiert werden soll. "Das ist für mich schwer verständlich. Die Amerikaner haben uns doch vielmals geholfen und jetzt wollen sie, dass wir ihnen ein bisschen helfen", so Havel.

Aus einer Umfrage des Prager Meinungsforschungsinstituts Median geht hervor, dass ein bedeutender Teil der Tschechen die Kommunisten nicht in der zentralen Regierung sehen will. Fast 20 Prozent der Befragten meinten, dass die KSCM verboten werden sollte. 

Ein Viertel für Kommunisten in der Regierung
Etwa ein Viertel der Befragten betrachtet die KSCM als legitime Partei, ihre Beteiligung an der Regierung ist für sie jedoch unannehmbar. Nur ein Viertel kann sich die Kommunisten im Kabinett vorstellen. Die übrigen Teilnehmer der Befragung, deren Ergebnisse die Tageszeitung "Mlada fronta Dnes" veröffentlichte, zeigten sich in dieser Frage gleichgültig.

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