Zweifel an Bildern

Verdächtige Details in “neuen” Kim-Jong-Il-Fotos

Ausland
11.11.2008 13:52
Seit Monaten halten sich hartnäckig die Spekulationen um eine mögliche ernsthafte Erkrankung des nordkoreanischen Diktators Kim Jong Il. Er soll bereits zwei Schlaganfälle gehabt haben, heißt es. Kim wurde seit Monaten nicht bei offiziellen Anlässen gesehen, sogar die Parade am Nationalfeiertag ließ er aus. In den letzten Tagen startete das Militärregime in Pjöngjang mehrere "Gegenangriffe", nationale Medien druckten angebliche aktuelle Bilder, die Kim beim Posieren mit Militärregimenten zeigen. Scheinbar geht es dem schon tot geglaubten Herrscher doch gut - doch von wegen! Betrachtet man die Bilder genauer und unter Zuhilfenahme von Bildbearbeitungssoftware, sieht es ganz so aus, als wäre Kim in die Fotos hineinschnipselt worden.

Die beiden Bilder oben stammen aus der letzten Welle an Kim-ist-nicht-tot-Beweisen, die die koreanische Nachrichtenagentur KNCA letzte Woche verröffentlicht hat. Davor versendete Bilder hatten keinen Zeitbezug, konnten also genauso gut aus dem Jahre Schnee stammen. Es wurden auch Bilder eines angeblichen Besuchs Kims bei einem Fußballspiel in Nordkorea verschickt - allerdings waren der Diktator und das Spielgeschehen kein einziges Mal gleichzeitig im Bild. Die beiden Fotos oben haben ebenfalls keinen Zeitbezug, weisen aber dafür etliche Ungereimtheiten digitaler Natur auf:

  • Man beachte den Schatten von Kims Beinen im unteren Bild. Anders als bei den Soldaten links und rechts neben ihm, landet sein Schatten fast genau hinter ihm. Das ist schlicht nicht möglich - außer in Nordkorea steht die Sonne schief... 
  • Auch im oberen Bild wirkt der Schatten Kims etwas unnatürlich. Während bei den anderen Soldaten harte Kontraste an das Podest im Hintergrund geworfen werden, ist Kims Schatten sehr weich. 
  • Auch das Podest selbst gibt Grund zur Annahme, dass hier etwas nicht stimmt: In Kniehöhe verläuft auf beiden Fotos eine schwarze Linie, das ist die Kante zwischen Stirnladen und den Bühnenbrettern. Nur hinter Kim sieht es in beiden Bildern so aus, als würde der extra hohe Stirnladen die Bühnenbretter verdecken. Bildbearbeitungsexperten (u.a. von der BBC und der britischen Times) meinen, dass eine Bearbeitung sehr leicht ersichtlich würde, wenn ein hineingedokterter Kim die schwarze Linie im Bild brechen müsste. 
  • An Kims linkem Schuh (siehe 100-%-Vergrößerung aus dem unteren Bild) ist ein gelblicher Fleck erkennbar. Zudem sieht es bei den qualitativ nicht gerade hochwertigen Bildern so aus, als wären die Pixel bei Kim größer als beim übrigen Bild. Das lässt darauf schließen, dass der Dikatator möglicherweise aus einem mit geringerer Auflösung fotografierten Gruppenfoto herausgeschnitten und in die beiden Bilder montiert wurde. 
  • Und zu guter Letzt sieht Kim in beiden Bildern verdammt ähnlich aus. Seine Haltung, die Art, in der der graue Parka sitzt, ist nahezu deckungsgleich. Dass die Bundfalte der Hosen anders verläuft, Kims Mund auf beiden Fotos unterschiedlich verzogen ist und kleine Unterschiede bei den Falten im Parka bestehen, würde sich auch durch Photoshop erklären lassen.

Nordkorea ist übrigens kein unbeschriebenes Blatt, was Bildbearbeitungen betrifft. Kim Jong Il hat sich in der Vergangenheit zum Beispiel mit seinem Vater auf dem nordkoreanischen Berg Paektu "fotografieren" lassen. Außerdem gab es bei Bildern der diversen Raketentests immer wieder Zweifel an deren Authentizität. So oder so - die Spekulationen um einen todkranken oder vielleicht sogar schon toten Kim Jong Il hat Pjöngjang mit den streitbaren Bildern jetzt erst recht nicht aus dem Weg räumen können. Dazu bräuchte es schon stichhaltige Beweise - vielleicht einen echten Kim, der via Fernsehansprache Barack Obama zum Wahlsieg gratuliert.

Angeblich zweiter Schlaganfall mit anhaltenden Schäden
Laut einem japanischen Fernsehsender hat Kim Jong Il Ende Oktober einen zweiten Schlaganfall erlitten. Der 66 Jahre alte Kim habe danach Schwierigkeiten gehabt, seine linke Hand und sein linkes Bein zu bewegen, meldete das Tokyo Broadcasting System (TBS) am Dienstag auf seiner Website unter Berufung auf eine US-Geheimdienstquelle in Südkorea. Zudem leide er unter Sprachstörungen. Zur Schwere der Symptome habe die US-Quelle keine Angaben machen können, meldete TBS. Ein Sprecher des südkoreanischen Ministeriums für Wiedervereinigung konnte den Bericht nicht bestätigen.

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