Do, 16. August 2018

Krise betrifft alle

19.10.2008 16:45

EU und USA planen mehrere Welt-Finanzgipfel

Die USA und Europa wollen wegen der Finanzkrise eine ganze Serie von Welt-Finanzgipfeln einberufen. US-Präsident George W. Bush, sein französischer Amtskollege Nicolas Sarkozy und EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso kündigten am Samstag nach einem mehrstündigen Treffen in Camp David ein erstes Gipfeltreffen in den USA bereits kurz nach der US-Präsidentschaftswahl am 4. November an. "Es ist notwendig, dass wir zusammenarbeiten, weil uns die Krise alle betrifft", erklärte Bush. Der Gipfel solle das Fundament des demokratischen Kapitalismus erhalten und ein Bekenntnis zu freien Märkten und Freihandel liefern.

Die nötigen Reformen zur Regulierung der Finanzmärkte dürften aber das Festhalten an der freien Marktwirtschaft und die Ablehnung von Protektionismus nicht infrage stellen, so Bush am Samstagabend (Ortszeit) dem Treffen.

Sarkozy sagte, dies sei eine weltweite Krise, und deshalb sei auch eine weltweite Lösung erforderlich. "Wir dürfen dem Fatalismus keinen Platz einräumen." Das Gipfeltreffen könne schon im November in New York stattfinden, deutete er an. Bush nannte keinen Termin. Unklar war auch, ob neben Bush auch sein zu dem Zeitpunkt wohl bereits gewählter Nachfolger teilnehmen würde.

EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny
Notenbank-Gouverneur und EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny zeigte in einer ersten Reaktion skeptisch: Er erwarte sich davon kein neues, einheitliches Weltwährungssystem a la Betton Woods II. "Ganz ehrlich, ich bin ein bisschen skeptisch, ich erwarte mir eher, es wird ein System mit mehreren Schwerpunkten sein", sagte Nowotny heute, Sonntag, in der ORF-Pressestunde.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon bot am Samstag an, den geplanten Finanzgipfel am Sitz der Vereinten Nationen in New York zu veranstalten. Dies würde der globalen Initiative Legitimation verleihen und die Entschlossenheit der Staatengemeinschaft zu gemeinsamem Handeln zeigen, sagte Ban.

Bush betonte die Notwendigkeit internationaler Zusammenarbeit, um die Finanzsysteme der Länder zu stärken und zu modernisieren. Auch Barroso forderte eine neue globale Finanzordnung. Barroso und Sarkozy waren auf dem Rückweg von einem Gipfeltreffen in Kanada zu Bush auf den Präsidentenlandsitz Camp David gekommen.

G-8-Sondergipfel
Bereits vor wenigen Tagen hatten die sieben führenden Industriestaaten und Russland (G-8) einen Sondergipfel zur Finanzmarktkrise für die nahe Zukunft angekündigt. Daran sollen auch die wichtigsten Schwellenländer wie China, Indien, Brasilien, Mexiko und Südafrika teilnehmen.

Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier sprach sich angesichts der Finanzkrise für eine Erweiterung der G-8 aus. "Wir müssen neue Mächte und neue Ansprüche friedlich in eine veränderte Welt gemeinsam integrieren, das ist die große Aufgabe unserer Zeit", sagte er am Samstag auf dem SPD-Parteitag in Berlin. "Wir brauchen eine Erweiterung der G-8, wir brauchen eine Weltfinanzgruppe, in der die neue Architektur einer Weltfinanzordnung entsteht."

Auch Deutschlands Finanzminister Peer Steinbrück plädierte in seiner Parteitagsrede dafür, zunehmend andere Länder in den Kreis der führenden Industrienationen einzubeziehen. Zu der vor 33 Jahren von zunächst sechs Ländern gegründeten Gruppe gehören heute die USA, Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien, Japan, Kanada und Russland.

Bush wirbt um Vertrauen
Vor dem Treffen in Camp David warb Bush in seiner wöchentlichen Radioansprache um Vertrauen in die US-Wirtschaft. Seine Regierung habe mit gezielten und zupackenden Maßnahmen auf die Krise reagiert, um die finanzielle Sicherheit der Bürger zu schützen, sagte Bush. Es werde einige Zeit dauern, bis das Paket seine Wirkung entfalte. Aber die Maßnahmen seien umfassend und wirkungsvoll. "Unsere Wirtschaft wird wieder auf die Beine kommen."

Bush verteidigte erneut den 700 Milliarden Dollar schweren Rettungsplan für die Finanzbranche. "Als Anhänger freier Märkte würde ich solche Maßnahmen normalerweise ablehnen. Aber das sind keine gewöhnlichen Rahmenbedingungen", sagte Bush. Ohne das Einschreiten der Regierung wären die Folgen für die Finanzmärkte noch schlimmer gewesen. Die Pensionskassen und Sparpläne der Amerikaner haben seit dem Höchststand des Dow-Jones-Index am 9. Oktober vergangenen Jahres bei 14.000 Punkten rund 8,3 Billionen Dollar (6,2 Billionen Euro) an Wert verloren.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Aktuelle Schlagzeilen
Unglückliches Aus
Last-Minute-Schock! LASK verpasst Sensation
Fußball International
Locker weiter
Sabitzer trifft bei Leipzig-Remis in EL-Quali
Fußball International
Fußmarsch zum Stadion
Bratislava-Fans stoppen U-Bahn vor Rapid-Match
Fußball International
Europa-League-Quali
LIVE: Wendet Rapid das blamable EL-Aus noch ab?
Fußball International
Eklat in Linz
Besiktas-Fans randalieren! Polizei stürmt Tribüne
Fußball International
Europa-League-Quali
Mega-Blamage! Sturm geht in Larnaka mit 0:5 unter
Fußball International

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.