Urzeit-Katastrophe

Der Mondsee als urzeitliches Pompeji?

Oberösterreich
06.10.2008 23:57
Verschüttete vor 5000 Jahren eine Flutwelle durch eine abstürzende Steilwand die legendären Pfahlbauten im Mondsee? Mit dieser These lässt der renommierte Ötzi-Forscher Alexander Binsteiner im Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" aufhorchen. Die bestens erhaltene Mondseesiedlung wird als Pompeji der Steinzeit bezeichnet.

Das Katastrophenszenario eines alpinen Tsunamis hätte beinahe am Traunsee mit dem Gschliefgraben eine dramatische Neuauflage erlebt. Der Geologe Alexander Binsteiner erklärt, wie er zu seiner spektakulären These kam: 
"Ich bin zufällig am Südufer des Mondsees vorbeigekommen, wo ein Sturm im März hunderte von Bäumen geknickt und dadurch den Blick auf den Waldboden frei gemacht hat. Da sind überall kubikmeter- bis häusergroße Blöcke herumgelegen. Das sind typische Anzeichen für einen Bergsturz."

Binsteiner fing zu forschen an, schätzt mittlerweile, dass vor 5000 Jahren die 150 Meter hoch aufragende Steilwand am Südufer des Mondsees auf einer Länge von fünf Kilometern abriss und ins Wasser fiel. 50 Millionen Kubikmeter Fels hätten eine etwa fünf Meter hohe Flutwelle erzeugt, welche die Siedlung am Gegenufer überflutet habe, glaubt Binsteiner.

Experten wie der Linzer Stadtarchäologe Erwin Ruprechtsberger halten die Felssturztheorie für eine völlig neue Fährte, die viele Rätsel der Mondseekultur lösen könnte.

Tatsächlich klingt die Geröll-Apokalypse sehr schlüssig: In der 1872 entdeckten Pfahlbausiedlung wurden mehr als 10.000 Artefakte  von Steinbeilen bis zu Apfelhälften  entdeckt. Alle bestens erhalten, weil unter Luftabschluss und Schlamm begraben, ähnliich wie im antiken Pompeji durch Vulkanasche. Jetzt liegt's nur mehr am Geld: Forscher Binsteiner hofft, dass das Land sponsert.

Symbolfoto

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