"Cold Case"

Tod von Polens Exil-Premier wird untersucht

Ausland
04.09.2008 09:42
65 Jahre nach dem mysteriösen Tod des polnischen Exil-Regierungschefs Wladyslaw Sikorski (links im Bild; der 2.v.r. ist Winston Churchill) bei einem Flugzeugunglück hat die Justiz nun eine Untersuchung des Vorfalls eingeleitet. Die Umstände des Flugzeugabsturzes vor Gibraltar im Juli 1943 würden auf einen "kriminellen Akt" hindeuten, erklärte das polnische Institut für das Nationale Gedächtnis (IPN), das mit der Aufklärung von Verbrechen der Nationalsozialisten und der Kommunisten gegen Polen beauftragt ist. Es wird nun geprüft, ob General Sikorski Opfer einer Verschwörung wurde. Eine These gehe davon aus, dass der Mord im Auftrag der Sowjetunion verübt wurde.

Sikorski, der oft mit dem legendären französischen General Charles de Gaulle verglichen wird, war am 4. Juli 1943 in Gibraltar in ein Flugzeug der britischen Luftwaffe gestiegen. Kurz nach ihrem Start stürzte die Maschine ins Meer. Der tschechische Pilot, der als einziger der 17 Menschen an Bord überlebte, hatte ausgesagt, der Antrieb der B-24 Liberator sei blockiert gewesen. Zur Klärung des Falles soll auch Sikorskis in Krakau beigesetzter Körper untersucht werden. Die Autopsie könnte klären, ob er an unfallbedingten Verletzungen starb oder womöglich vor dem Absturz erschossen wurde.

Historiker weisen darauf hin, dass Sikorski im gemeinsamen Kampf der Alliierten und der UdSSR gegen Deutschland eine Belastung geworden sei. Der Chef der polnischen Exilregierung in London machte den sowjetischen Staatschef Josef Stalin für das Massaker von Katyn verantwortlich, bei dem sowjetische Truppen 1940 fast 22.000 polnische Offiziere töteten. Moskau hatte lange Zeit die Nationalsozialisten für die Bluttat verantwortlich gemacht.

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