Demokraten-Duo fix

Barack Obama präsentiert Joe Biden als Vize

Ausland
25.08.2008 14:54
Der demokratische US-Präsidentschaftsbewerber Barack Obama hat am Samstag vor tausenden Anhängern seinen Kandidaten für die Vizepräsidentschaft vorgestellt. Senator Joe Biden habe herausragende Führungsqualitäten und langjährige Erfahrung in der Außenpolitik, sagte Obama in Springfield. "Das ist der Kämpfer, den ich an meiner Seite haben will." Biden sei bereit, im Notfall einzuspringen und Präsident der Vereinigten Staaten zu sein, sagte Obama. Dabei begann die Wahlveranstaltung von Obama mit einer kleinen Panne...

"Hier stelle ich euch den nächsten Präsidenten..." waren Obamas Worte, als er seinen Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten, Joe Biden, vorstellen wollte. Erst dann korrigierte Obama: "den nächsten Vizepräsidenten der USA". Wieder zurück auf Schiene gebracht, pries Obama Biden dann erwartungsgemäß als erfahrenen Staatsmann. "Jahrzehntelang hat er Veränderung nach Washington gebracht, aber Washington hat ihn nicht verändert", sagte Obama und spielte dabei auf seinen Wahlkampfslogan "Change" (Wechsel, Veränderung) an. Der 65-jährige Biden sitzt seit 35 Jahren im Senat und hat große außenpolitische Erfahrung.

Biden: "Das ist die letzte Chance"
Nach einer etwa 15-minütigen Rede holte Obama Biden auf die Bühne. In seiner ersten Rede als Vizepräsidentschaftskandidat unterstrich Biden die Kernaussage von Obamas Kampagne, für Wandel in der US-Politik sorgen zu wollen. Der Senator aus Delaware kritisierte die Politik Bushs als verfehlt. Nie sei es in seiner langen Karriere in Washington so schlecht um die Politik in der Hauptstadt bestellt gewesen. "Aber es gibt gute Neuigkeiten: Wir müssen keine vier Jahre Bush und McCain mehr ertragen", strich Biden die Bedeutung der Wahl im November hervor. "Das ist keine gewöhnliche Wahl, das ist die letzte Chance, den amerikanischen Traum zurückzugewinnen. Es ist Zeit, Barack Obama zum Präsidenten zu wählen."

Respekt vor McCain
Dem republikanischen Kandidaten John McCain zollte Biden Anerkennung. Er kenne und schätze McCain seit 30 Jahren, aber dieser habe Bushs Politik bisher "zu 95 Prozent" unterstützt. McCain könne die Vereinigten Staaten daher nicht voranbringen. Obama habe die Vision und die Kraft, das Land zu verändern, sagte Biden. Ein Mal nannte er seinen Senatskollegen Obama auch einfach nur "Barack Amerika".

Rückkehr in die Heimat für Obama
Obama hat für den ersten gemeinsamen Auftritt mit Biden seit dessen Nominierung einen symbolisch bedeutenden Ort gewählt: Sie traten in seinem Heimatstaat Illinois vor dem Kapitol in Springfield auf, wo Obama vor 20 Monaten an einem bitterkalten Wintertag seine Bewerbung um die Präsidentschaftskandidatur bekanntgegeben hatte. Am Samstag hatte Obama die Ärmel seines Hemds hochgekrempelt, das Thermometer zeigte 32 Grad. Das Wahlkampfteam Obamas hatte bereits tausende neue Schilder drucken lassen, auf denen auch der Namen Bidens stand.

Hillary Clinton lobt Entscheidung für Biden
Die erbitterte Rivalin Obamas im Vorwahlkampf der Demokraten, Hillary Clinton, begrüßte die Wahl Bidens. Obama habe sich einen "außergewöhnlich starken, erfahrenen Spitzenpolitiker" ausgesucht, erklärte sie am Samstag. Biden werde Obama dabei helfen, die Wahl zu gewinnen und danach das Land zu führen. Experten hatten bis zuletzt nicht ausgeschlossen, dass Obama Clinton als Vize wählen würde.

Biden ergänzt Obama perfekt
Mit seiner Erfahrung aus dem außenpolitischen Senatsausschuss ergänzt Biden Obama, dem im Wahlkampf häufig fehlendes außenpolitisches Profil und mangelnde Erfahrung vorgeworfen wurde. Erst kürzlich reiste Biden auf Einladung des georgischen Präsidenten Michail Saakaschwili nach Tiflis. "Biden liefert Obama genau das, was dieser braucht", erklärte der Kolumnist der "New York Times", David Brooks. Als Trümpfe des 65-Jährigen bezeichnete er dessen Wurzeln in der Arbeiterklasse sowie dessen Ehrlichkeit, Loyalität und Erfahrung. Obama hat sich bisher schwergetan, Arbeitnehmer anzusprechen, die als Stammklientel der Demokraten gelten.

Schatten auf Karriereweg von Biden
Allerdings hat sich Biden in seiner Karriere nicht immer nur positiv hervorgetan: Seine Bewerbung um die Präsidentschaft 1988 zog er vorzeitig zurück, nachdem er Passagen aus einer Rede des damaligen britischen Labour-Party-Vorsitzenden Neil Kinnock gestohlen hatte. Heuer gab er schon nach der ersten Vorwahl in Iowa auf, und betonte, dass er nicht "Running Mate" werden wolle.

McCain-Lager startet heftige Attacken
Der designierte republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain ging umgehend zum Angriff über. Sein Sprecher Ben Porritt erklärte, noch vor kurzem habe Biden Obamas mangelnde außenpolitische Erfahrung kritisiert und angedeutet, die Amerikaner würden schnell merken, dass Obama für das Präsidentenamt noch nicht bereit sei. "Es hat keinen schärferen Kritiker an Barack Obamas fehlender Erfahrung gegeben als Joe Biden", erklärte Porritt.

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