In den Startlöchern

“Neue Mittelschule” ab Herbst auch in Klagenfurt

Kärnten
20.08.2008 12:54
Bald geht´s los! Zehn Regionen bzw. 167 Klassen an 67 Schulen umfassen die im kommenden Schuljahr startenden Modellversuche zur "Neuen Mittelschule" in ganz Österreich. Sie soll einen individualisierten Unterricht aller 10- bis 14-Jährigen ermöglichen. Auch in Klagenfurt wird dieses Projekt umgesetzt. Die einzelnen Projekte zeigen aber, dass sich die Modellpläne sowohl von den Schwerpunkten als auch von der Größe her durchaus unterscheiden.

In Kärnten wird der Modellversuch "Neue Mittelschule" (NM) an zwei Modellregionen und drei NM-Standorten umgesetzt. Bereits hier gibt es Unterschiede.

Zum Teil besteht eine "Region" nur aus einer oder zwei Schulen: Die "Modellregion Klagenfurt I" zum Beispiel besteht aus der Praxisschule der Pädagogischen Hochschule und der AHS Hubertusstraße, wobei letztere gar keine eigene Klasse führt. Die "Modellregion Klagenfurt II" besteht aus der Hauptschule St. Ursula und dem Bischöflichen Realgymnasium St. Ursula, wo an das bisherige reine Oberstufen-Angebot zunächst eine erste Unterstufen-Klasse zur "Neuen Mittelschule" angehängt wird. 

Insgesamt werden fünf Klassen nach dem neuen Modell unterrichtet werden, etwa 128 Schüler werden in Klagenfurt von 42 Lehrern betreut werden.

Unterschiedliche Schwerpunkte
Die Schwerpunkte sind dabei zum Teil sehr unterschiedlich. So setzt etwa "Klagenfurt I" voll auf ganztägige Schulformen und hält laut Modellplan die "durchgehende Trennung von Lern-Vormittag zu Freizeit-Nachmittag mit wie bisher maximal Turn- bzw. Werkunterricht aus pädagogischer Sicht nicht mehr vertretbar". 

Sowohl AHS- als auch Hauptschullehrer
Gemeinsam ist allen Standorten, dass ein Einsatz sowohl von AHS- als auch von Hauptschullehrern vorgesehen ist. Besonderes Augenmerk wird auch auf Sprachen gelegt: So wird im Vorarlberger Modellplan das Angebot einer zusätzlichen Fremdsprache an den Hauptschul-Standorten als "zentraler Bestandteil" bezeichnet, im Burgenland stehen vor allem in Oberpullendorf die Volksgruppensprachen Kroatisch und Ungarisch im Mittelpunkt.

Entweder AHS- oder Hauptschulabschluss
Für die Berechtigungen nach der achten Schulstufe sehen die Modellpläne detaillierte Regeln vor. Grundsätzlich können die Schüler je nach Leistungsvermögen entweder den Abschluss einer AHS-Unterstufe oder einen Hauptschulabschluss erwerben. In den meisten Modellregionen werden die Schüler zunächst nach dem Lehrplan des Gymnasiums unterrichtet. Falls in Deutsch, Mathe oder Englisch eine negative Note droht, haben die Eltern das Recht, eine Beurteilung nach dem Lehrplan der Hauptschule zu verlangen. Eine Rückkehr in den Gymnasiums-Lehrplan ist möglich.

Mehr zum Modellversuch "Mittelschule" finden Sie in der Infobox!

Auf Schiene gebracht hat die "Neue Mittelschule" Unterrichtsministerin Claudia Schmied (S). Mit dem Schuljahr 2008/09 starten an 67 Standorten in Kärnten, Oberösterreich, Burgenland, Steiermark und Vorarlberg gesetzlich verankerte Modellversuche. Insgesamt werden in 167 Klassen rund 3.700 Schüler in diesem neuen Schultyp beginnen, das sind knapp fünf Prozent aller Kinder der fünften Schulstufe. Die "Neue Mittelschule" ist keine Gesamtschule: Sie ersetzt nicht Hauptschule und AHS-Unterstufe, sondern wird parallel dazu geführt.

Hauptgrund für Einführung: "zu frühe" Bildungsentscheidung
Als Hauptmotivation für die Einrichtung der "Neuen Mittelschule" gilt die nach Ansicht der Befürworter die "zu frühe" Bildungswegentscheidung im Alter von neun Jahren, was zu "sozialen Ungerechtigkeiten" führe. Derzeit müssen sich Kinder Mitte der 4. Klasse Volksschule entscheiden, ob sie in eine AHS oder eine Hauptschule weitergehen. Mit der "Neuen Mittelschule" soll man sich erst mit 14 Jahren über den weiteren Bildungsweg klar werden. Erste Auswertungen haben gezeigt, dass 30 bis 40 Prozent der für die "Neue Mittelschule" angemeldeten Kinder AHS-Reife haben.

Unterricht orientiert sich am Leistungsniveau der Schüler
Inhaltlich gilt für die Modellversuche der Lehrplan der AHS-Unterstufe. Laut Unterrichtsministerium sind "Individualisierung" und "Differenzierung" die bestimmenden pädagogischen Konzepte in den "Neuen Mittelschulen". Das bedeutet, dass sich der Unterricht am individuellen Leistungsniveau der Schüler orientiert. Zudem soll der Unterricht in flexiblen Kleingruppen erfolgen, Themen fächerübergreifend, projektorientiert und in offenen Lernformen erarbeitet werden.

Modellversuche gesetzlich abgesichert
Die Modellversuche sind über eine Änderung des Schulorganisationsgesetzes gesetzlich abgesichert. Das gibt ihnen eine Bestandsgarantie: Modellversuche können bis 2011/12 begonnen werden und laufen dann jedenfalls vier Jahre lang. Die Versuche sind auf zehn Prozent der Klassen an öffentlichen Schulen im Bundesgebiet begrenzt. An jedem Standort müssen zwei Drittel der Lehrer und Eltern der Einrichtung eines Modellversuchs zustimmen. Zusätzlich müssen auch AHS und Hauptschule in zumutbarer Entfernung als Alternative angeboten werden.

Weitere Modellversuche geplant
Weitere Versuche sind ab 2009/10 in Wien, Niederösterreich und Salzburg geplant. Die Bundeshauptstadt orientiert sich dabei am Modell "Neue Mittelschule", Niederösterreich setzt auf eine "zusätzliche Orientierungsphase" für Zehn- bis Zwölfjährige in Hauptschulen. In Salzburg sind drei Modellregionen geplant.

Symbolbild

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