Sexskandal
John Edwards betrog krebskranke Ehefrau
Das alles gestand Edwards, der im Rennen um die demokratische Präsidentschaftskandidatur für Moral und Familienwerte geworben hatte, "zutiefst beschämt" am Freitag in einem Interview des Senders ABC ein. Aber er dementierte zugleich, dass er der Vater der fünf Monate alten Tochter seiner Exgeliebten sei - und will dies durch einen Test beweisen.
Trotz monatelanger Gerüchte um seine eheliche Treue schlug die Bestätigung der Affäre in den USA wie eine Bombe ein - der zweite große Sexskandal um einen Demokraten in kürzester Zeit. Im März war schon der damalige New Yorker Gouverneur Eliot Spitzer über die Beziehung zu einem Prostituiertenring gestürzt. Zwar spielt Edwards, der bereits 2004 an der Seite von John Kerry als Vizekandidat angetreten und in diesem Jahr abgeschlagen frühzeitig aus dem Vorwahl-Rennen ausgeschieden war, zurzeit keine große politische Rolle. Doch wurde der einstige gewiefte Rechtsanwalt als möglicher künftiger Justizminister unter einem Präsidenten Barack Obama gehandelt und auch als potenzielle Nummer zwei. Das könne er sich nun abschminken, kommentierten US-Medien übereinstimmend.
Edwards Ehefrau zeigt sich versöhnlich
Die Medien und schwer enttäuschte demokratische Parteifreunde waren außerdem verwundert über Edwards' Risikobereitschaft: Er hätte im Fall seiner Spitzenkandidatur der Partei unweigerlich eine Wahlniederlage im November beschert, wäre die Affäre ans Tageslicht gekommen. "Wie konnte er nur", zitierten Zeitungen seinen empörten früheren Wahlkampfmanager David Bonior. Edwards mittlerweile an unheilbarem Krebs leidende Ehefrau Elizabeth zeigte sich versöhnlich: Auf der liberalen Webseite Daily Kos sprach sie von einem schrecklichen Fehler ihres Mannes, aber auch davon, dass er ihr reinen Wein eingeschenkt habe und sie stolz auf den Mut sei, "den John im Angesicht der Schande mit seiner Ehrlichkeit gezeigt hat".
Die Öffentlichkeit ließ er aber lange darauf warten. Im Oktober 2006, als er sich auf seinen Vorwahlkampf vorbereitete, hatte "Strahlemann" Edwards die damals 42-jährige Rielle Hunter kennengelernt, eine unerfahrene Filmemacherin, die er dann prompt für die Video-Wahlkampfwerbung anheuerte. Mehr als 100.000 Dollar (66.000 Euro) flossen bis Ende 2006 aus der Wahlkampfkasse an die Blondine - dann war es zumindest mit der professionellen Zusammenarbeit vorbei.
Von Boulevard-Reporter ertappt
Er habe seinen "ernsten Fehler" rasch eingesehen und seiner Frau von der "kurzen" Affäre erzählt, schilderte Edwards nun im Interview und in einer ausführlichen schriftlichen Erklärung. Aber er habe gehofft, dass die Öffentlichkeit nie etwas von seiner Untreue erfahren werde. Was ihn vermutlich doch zur Offenlegung zwang, war ein nächtlicher Besuch bei Hunter in einem Hotel im vergangenen Monat, bei dem er von einem Boulevard-Reporter ertappt wurde und angeblich vor ihm aufs Klo floh. Er habe seine Ex-Geliebte lediglich aufgesucht, um sie um weiteres Schweigen zu bitten, sagt Edwards nun.
Die Affäre führte er unter anderem darauf zurück, dass er im Zuge mehrerer Wahlkämpfe zunehmend narzisstisch und egozentrisch geworden sei. Zugleich betonte er ausdrücklich, dass der 2004 bei seiner Frau festgestellte Brustkrebs zur Zeit der Sexbeziehung zu Hunter nachgelassen hatte. Die einkommenslose Hunter lebt mittlerweile in einer Drei-Millionen-Dollar-Villa, privat finanziert von Edwards' früherem Wahlkampf-Finanzchef Fred Baron, der nach eigenen Angaben die Frau damit in eine sichere Distanz bringen wollte. Edwards soll davon nichts gewusst haben.
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