Nach Selbstmord
Milzbrandanschläge laut US-Behörden aufgeklärt
Damit sei einer der "größten und komplexesten" Kriminalfälle in der Geschichte des Landes geklärt, teilte die Bundespolizei FBI mit. Der 62-jährige Ivins, der jahrelang als Biowaffenexperte im Dienste der US-Regierung stand, hatte in der vergangenen Woche Selbstmord begangen.
"Eine akribische Untersuchung hat uns zu dem Schluss geführt, dass Dr. Bruce Ivins für den Tod, das Leiden und die Angst verantwortlich war, die durch die Versendung der Anthrax-Briefe 2001 über unser Land kam", sagte der leitende FBI-Ermittler Joseph Persichini. Damals waren fünf Menschen durch Briefe mit Milzbranderregern, die an Medien und Politiker geschickt worden waren, getötet worden. 13 weitere Menschen waren an Milzbrand erkrankt.
Der zweifache Familienvater Ivins hatte das FBI während der Ermittlungen unterstützt. In jüngster Zeit war dem Wissenschaftler, der seit 18 Jahren in einem Forschungslabor in Fort Detrick im US-Staat Maryland arbeitete, einem Bericht der "Los Angeles Times" zufolge aber der Zugang zu einigen sensiblen Bereichen an seinem Arbeitsplatz verwehrt worden. Freunde und Mitarbeiter des Wissenschaftlers sagten der Zeitung, Ivins sei depressiv gewesen und habe eine tödliche Überdosis von Medikamenten eingenommen.
"Anschuldigungen forderten ihren Tribut"
Sein Anwalt Paul Kemp wies auch nach dem Tod seines Mandanten die Anschuldigungen gegen diesen scharf zurück. "Der unerbittliche Druck und die Anspielungen haben bei mehreren Menschen auf unterschiedliche Art und Weise ihren Tribut gefordert. Im Fall von Dr. Ivins führten sie zu seinem vorzeitigen Tod", sagte er Medienberichten zufolge in der vergangenen Woche.
Kemp spielte damit auch auf einen anderen Wissenschaftler an, der während der Untersuchungen zu Unrecht beschuldigt und namentlich als Hauptverdächtiger genannt worden war. Wegen niemals bewiesener Beschuldigungen musste die US-Justiz dem Bio-Wissenschaftler, dessen Ruf und Karriere durch die Vorwürfe ruiniert worden waren, wegen Verletzung der Privatsphäre 2,8 Millionen Dollar Entschädigung zahlen.
Leicht herzustellende Bio-Waffe
Milzbrand-Erreger gelten im Vergleich zu anderen Biowaffen als besondere Bedrohung: Sie können relativ einfach gezüchtet und verteilt werden. Falls er rechtzeitig erkannt wird, kann Milzbrand jedoch mit Antibiotika bekämpft werden. Die gefährlichste Form der Krankheit ist der Lungenmilzbrand. Er entsteht, wenn sehr feine, erregerhaltige Staubkörner eingeatmet werden. Die Herstellung hochinfektiöser feinster Pulver ist jedoch sehr kompliziert.
Die Inkubationszeit beträgt ein bis sieben Tage. Allerdings können sich eingeatmete Sporen im Körper auch noch nach 60 Tagen in die aktive Erreger-Form umwandeln. Erste unspezifische Symptome ähneln einer Erkältung. Unbehandelt kann eine schwere Lungenentzündung mit hohem Fieber und blutigem Husten folgen, bis hin zum Tod durch Lungen- oder Herz-Kreislauf-Versagen.
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