Harte Nuss

Echochrome

Spiele
27.07.2008 02:33
Das menschliche Gehirn ist zu unglaublichen Dingen fähig, und lässt sich doch spielend überlisten, wie die berühmten Bilder von M.C. Escher beweisen: Wasserfälle, die plötzlich aufwärts fließen, oder Stiegen, die kein Ende zu nehmen scheinen, führen den Verstand an der Nase herum. Mit „Echochrome“ erklärt Sony die optische Täuschung nun zum Spielprinzip – und bereitet damit allen Rätselliebhabern Kopfzerbrechen.

Ziel des Spiels ist es, eine Figur durch eine Reihe von verwirrenden 3D-Labyrinthen zu navigieren. Zu diesem Zweck wird jedoch nicht die Figur bewegt, sondern die Umgebung, das Labyrinth, gedreht. Entscheidend ist dabei nicht, was man sieht, sondern wie man es sieht.

Denn: Durch geschicktes Drehen des Labyrinths ändert sich auch die Perspektive. Wege, zwischen denen eigentlich tiefe Abgründe klaffen, wachsen so plötzlich zusammen; Hindernisse, die das Fortkommen blockieren, verschwinden plötzlich. Natürlich weiß der Verstand, dass sowohl Abgrund als auch Hindernis noch immer vorhanden sind, die Spielfigur schert sich um physikalische Gesetzmäßigkeiten jedoch wenig.

Wie sonst ist es sonst erklärbar, dass die Figur zwar durch ein Loch ins Leere fällt, letzten Endes aber doch wieder auf sicherem Boden landet? Die Täuschung wird in „Echochrome“ zur Realität, und die entpuppt sich für den Spieler als äußerst harte Nuss: Insgesamt 96 Level wollen gemeistert werden; bereits an den Labyrinthen der einfachsten Schwierigkeitsstufe kann man sich wunderbar die Zähne ausbeißen.

Jeder Level kann dabei auf drei unterschiedliche Arten gespielt werden: Während die Spielfigur im „Solo“-Mdous nach und nach die anderen im Labyrinth verteilten Figuren, die so genannten Echos, einsammeln muss, gilt es im „Paar“-Modus Echos der gleichen Farbe zusammenzuführen. Kein leichtes Unterfangen, da sich sämtliche Figuren gleichzeitig bewegen. Nicht jede Drehung des Labyrinths, die der einen Figur hilft, mag schließlich auch für das Fortkommen der anderen hilfreich sein.

Nicht weniger knifflig geht es im „Andere“-Modus zur Sache: Auch hier müssen Echos aufgesammelt werden, allerdings existiert zur eigenen Figur ein schwarzes Gegenstück, welches tunlichst nicht mit dem eigenen Maxerl kollidieren sollte. Kommt es doch zum Zusammenprall oder stürzt die Figur ins Leere, muss man jedoch nicht gleich verzweifeln: „Sterben“ kann man bei „Echochrome“ nämlich nicht, zudem kann jedes Rätsel im Menü direkt aufgerufen werden. Wer an einer Rätselnuss scheitert, wendet sich also der nächsten zu – in der Hoffnung, irgendwann die entscheidende Erlösung zu erhalten.

Blitzgescheite Knobel-Asse, die sämtliche Rätsel gelöst haben, müssen das Spiel nicht gleich in die Ecke werfen: Mittels integriertem Editor lassen sich beliebig viele neue Labyrinthe erstellen und mit anderen Spielern via Ad-hoc-Modus (PSP) oder über das PlaystationNetwork (PS3) tauschen.

Die optische Aufmachung des Spiels ist, man kann sagen, mehr als schlicht. Statt Echo- könnte es auch Monochrom heißen: Schwarz und Weiß sind die dominierenden „Farben“. Um den ohnehin schon avantgardistischen Look noch zusätzlich zu unterstreichen, wird der Spieler ausnahmslos mit klassischen Streicherklängen berieselt. Leider wiederholen sich die Stücke recht bald, es braucht jedoch glücklicherweise auch keinen Ton, um mit „Echochrome“ seinen Spaß zu haben.

Fazit: Nach „LocoRoco“ und „Patapon“ erweist sich die PSP abermals als Garant für innovative Spielideen. „Echochrome“ ist erfrischend, anders, unkonventionell und somit definitiv etwas Neues. „Echochrome“ bedeutet aber auch, stets dieselben „Missionsziele“, keine „Action“ und „ernüchternde“ Levels zu haben. Rätselfans lassen sich davon nicht beirren und erfreuen sich an den auf viele Stunden motivierenden Denksportaufgaben, alle anderen könnten sich an der minimalistischen Optik und dem stets gleichen Gameplay stören. Aufgrund des neuartigen Spielkonzepts sollte man "Echochrome" aber auf jeden Fall einmal angetestet haben.

Plattform: PSP (getestet), PS3 (nur als Download)
Publisher: Sony
Krone.at-Wertung: 8/10

von Sebastian Räuchle

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