B wie böse

Battlefield: Bad Company

Spiele
07.07.2008 15:48
"Willkommen in schlechter Gesellschaft!", lautet das offizielle Motto zu Electronic Arts' neuestem Teil der "Battlefield"-Reihe. "Bad Company" heißt der Titel, schließlich sind die Jungs der B-Kompanie allesamt nicht gerade das, was man als strahlende Helden bezeichnen würde. Doch nicht nur durch seine ruppigen Haudegen hebt sich der Titel angenehm von der Konkurrenz ab.

Da wäre zum einen die Geschichte: Auch in "Battlefield: Bad Company" schlüpft man in die Rolle eines Army-Greenhorns. Allerdings entspricht Preston Marlowe, so der Name, so gar nicht dem Ideal des edlen, sein Heimatland bis zum bitteren Tod verteidigenden Reckens. Er ist damit allerdings in "bester" Gesellschaft, schließlich sind auch seine Teamkameraden - der Searge, Techniker Sweetwater und Sprengstoffspezialist Haggard - zumeist auf ihren eigenen Vorteil bedacht.

Dieser Wesenszug kommt besonders zum Vorschein, als das vierköpfige Squad in einem fiktiven Staat Eurasiens auf das Gold einer Söldnertruppe stößt. Hehre Motive wie Vaterlandsliebe sind angesichts des Edelmetalls schnell vergessen. Kurzerhand begeht der Trupp Fahnenflucht, kidnappt einen Präsidenten und legt sich neben den Söldnern auch noch mit den Russen an. Genau darin liegt jedoch der Reiz des Spiels: Statt zum x-ten Mal eine vor Pathos nur so triefende Heldengeschichte aufgetischt zu bekommen, hat man es diesmal mit recht menschlich wirkenden Charakteren zu tun.

Gähnende Leere, wo gerade noch ein Haus stand
Ein weiterer Unterschied zu einer Vielzahl am Markt erhältlicher Shooter ist die offene Spielwelt - und deren Zerstörbarkeit. 90 Prozent der Umgebung lassen sich EA zufolge dem Erdboden gleich machen, seien es nun Bäume, Brücken oder Häuser. Für den Spieler ergeben sich daraus taktische Vor- und Nachteile: Wer einen Gegner am Dachboden eines Hauses ausfindig macht, muss nicht erst die Leiter nach oben klettern; es genügt ein einziger Raketenbeschuss, um das ganze Dach abzudecken. Dummerweise wissen die Widersacher diesen Umstand jedoch ebenso für sich zu nutzen. Eine sichere Deckung zu finden, kann demnach zu einer echten Herausforderung werden, im Gegenzug wird verhindert, dass sich Gegner einbunkern und es zu einem Stellungskampf kommt. Schade ist in diesem Zusammenhang allerdings, dass nur genau definierte Teile eines Hauses wegsprengbar sind, also letzten Endes immer ein paar Mauern stehen bleiben.

Zu Lande, zu Wasser und in der Luft
Die bereits angesprochene offene Spielwelt lässt sich in gewohnter "Battlefield"-Manier mit einer Vielzahl unterschiedlicher Fahrzeuge bereisen. Neben Lastern, Panzern und Panzerwagen sowie bewaffneten Buggys stehen auch Boote oder Helikopter zur Verfügung. Der Spieler kann dabei auf Knopfdruck von seinem Platz hinter dem Steuer an die diversen Kanonen oder MGs wechseln. In manchen Vehikeln kommt man sogar in den Genuss eines frei bedienbaren Radios - GTA lässt grüßen. Doch nicht nur fahrbare Untersätze, auch Artilleriegeschütze, MG-Nester und andere Stellungen können wie gehabt in Beschlag genommen werden.

Wo schon von Waffen die Rede ist: Am Körper selbst kann Marlowe maximal zwei schlagkräftige Argumente - beispielsweise ein Gewehr plus Handgranate - sowie ein Extra-Gimmick mit sich spazieren tragen. Zur Auswahl stehen etwa Raketenwerfer, C4-Sprengsätze oder ein Laser-Zielvisier, zur Anforderung einer Luftrakete. Keine Waffe, aber nicht minder praktisch ist der Akku-Schrauber, mit dem sich Fahrzeuge wieder in Stand setzen lassen. Nicht selbst austauschbar ist hingegen die Spritze, die sich der Spieler im Moment größter Not zwischen die Rippen rammen kann. Je nach Schwierigkeitsgrad steht diese "Erste Hilfe" dem Spieler mehr oder weniger oft zur Verfügung.

Auf Goldbarrensuche im Niemandsland
Vom Schwierigkeitsgrad abhängig ist letztlich auch die Gegner-KI. Bereits auf der leichtesten Stufe setzt sie den Spieler unter Druck und erschwert die positive Absolvierung der abwechslungsreich gestalteten Missionsziele: Stellungen wollen gehalten, Panzer geschützt oder Brücken zerstört werden. Scheitert man im ersten Anlauf, gibt es aufgrund der offenen Levels stets mehrere Möglichkeiten, zum Ziel zu kommen. Frust kommt daher selten auf, einen zusätzlichen Motivationsanreiz bieten zahlreiche im Spiel versteckte Bonus-Waffen sowie die für den ganzen Schlamassel verantwortlichen Goldbarren.

Online-Spaß mit bis zu 24 Spielern
Flimmert nach wenigen Stunden - allerdings nicht ganz so schnell wie bei "Call of Duty 4" oder etwa "Frontlines: Fuel of War" - der Abspann über den Bildschirm, darf die Schlacht im Online-Modus mit bis zu 24 Spielern weitergehen. Mit "Gold Rush" gibt es bislang allerdings nur eine Spielvariante: Während ein Team versucht, Goldkisten zu erobern, muss das gegnerische Team dies zu verhindern wissen. Vor jedem Eintritt oder Spawn auf einer der insgesamt acht Maps kann aus fünf verschiedenen Soldaten-Klassen gewählt werden. Zur Auswahl stehen Sturmsoldaten, Aufklärer, Sprengstoffexperten, Versorgungssoldaten mit Medikits sowie Spezialisten mit C4 und schallgedämpften Gewehren.

Ob on- oder offline: "Battlefield: Bad Company" macht in technischer Hinsicht eine sehr gute Figur. An der grafischen Präsentation gibt es bis auf einige Clippingfehler und vereinzeltes Kantenflimmern kaum etwas zu mäkeln. Toll wäre natürlich gewesen, wenn die offene Spielwelt nach GTA-Vorbild etwas belebter gestaltet worden wäre. Auf Zivilisten trifft man allerdings nicht, auch die Häuser wirken immer erstaunlich unbewohnt. Groß punkten kann der Titel mit der musikalischen Untermalung: Statt dramatischer Streichersätze umschmeicheln Blues- und Rock-Klänge den Gehörgang. Hinzu kommt eine perfekte deutschsprachige Synchronisierung mit den mitunter herrlich dämlichen und erfrischend komischen Sprüchen des Squads.

Fazit: Eine grandiose, wenn auch leider zu kurze Kampagne, tolle Charaktere mit viel Witz und Charme, eine offene und zerstörbare Spielwelt sowie das abwechslungsreiche Missionsdesign machen aus "Battlefield: Bad Company" ganz klar einen großartigen Shooter. Der Multiplayer-Modus ist zwar bislang recht dürftig, allerdings hat EA bereits angekündigt, dies per Patch nachzubessern. Fans der Serie greifen sowieso zu, alle anderen können es ihnen ohne zu zögern gleichtun. Das offene Ende lässt übrigens vermuten, dass es eine Fortsetzung geben wird...

Plattform: PS3 (getestet), Xbox 360
Publisher: Electronic Arts
Krone.at-Wertung: 8/10


von Sebastian Räuchle

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