Zwölf Todesopfer

Drei weitere Leichen nach Kanu-Unglück gefunden

Ausland
06.07.2008 13:11
Nach dem tödlichen Kanu-Unfall auf dem Fluss Save in Slowenien am Donnerstag sind am Sonntag drei weitere Leichen gefunden worden. Die erste Leiche fanden die Einsatzkräfte gegen 9.00 Uhr rund drei Kilometer flussabwärts nahe dem Ort Brestanica, nachdem sie von einem Polizeihubschrauber aus entdeckt worden war. Eine Stunde später wurden zwei weitere Leichen rund 200 Meter von dem Unfallort gefunden, berichteten slowenischen Medien am Sonntag.

Nach dem verheerenden Unglück bei dem im Bau befindlichen Wasserkraftwerk Blanca ist nun der Tod von zwölf Personen bestätigt, nach einem Vermissten wird noch gesucht. Nur eine Person überlebte den Unfall. 

Die Einsatzkräfte haben am Sonntag die Suchaktion an dem Unfallort noch verstärkt, nachdem dort bereits am Samstagabend das neunte Opfer gefunden worden war. Mit speziellen Hydraulikgeräten wurden die Schleusen bei dem noch nicht fertiggestellten Wasserkraftwerk heruntergefahren, um den Flusslauf umzuleiten. Durch die starke Strömung gestaltet sich die Suche jedoch äußerst schwierig.

Ausflugsmotto: "Letzte Fahrt"
An dem tödlichen Ausflug etwa 80 Kilometer südöstlich von Laibach hatten am Donnerstag vier Kanus und ein Feuerwehr-Motorboot teilgenommen. Der Ausflug stand makabrerweise unter dem Motto "letzte Fahrt", da nach der Fertigstellung des Kraftwerks eine Bootstour auf diesem Abschnitt der Save nicht mehr möglich sein wird. Kurz vor dem eigentlichen Unfall war eines der Kanus gegen eine Brücke gefahren und gekentert. Die Insassen konnten sich jedoch alle retten. 

Opfer trugen keine Schwimmwesten
Die drei Kanus, die die Fahrt fortsetzten, wollten das unfertige Bauwerk eigentlich umfahren, doch der Fluss war bereits über den Damm geleitet worden. Wie sich nun herausstellte war abgemacht worden, dass sie das Wasserkraftwerk zu Fuß umgehen sollen. Eins der Boote hielt sich an die Abmachung. Zwei Kanus, auf denen sich 14 Personen befanden, beschlossen dennoch durch die Tore des Damms zu fahren. Die Boote kenterten, fast alle Insassen wurden von einem Strudel in die Tiefe gezogen. Keiner der Teilnehmer trug eine Schwimmweste.

Parlamentsabgeordneter unter den Opfern
Unter den Opfern wurde auch die Leiche des Parlamentsabgeordneten Kristijan Janc von der mitregierenden Slowenischen Volkspartei (SLS) gefunden, der als Bürgermeister des nahe gelegenen Ort Sevnica den Ausflug organisiert hatte. Die Polizei bestätigte außerdem, dass sich unter den Toten bzw. Vermissten die Mitarbeiter der Gemeinde Sevnica, Mitglieder des Gemeinderats sowie Mitarbeiter der Firma Infra befinden, die den Bau des Wasserkraftwerkes abwickelt.

Schuldfrage noch ungeklärt
Der tragische Unfall wir derzeit auf menschliche Fehleinschätzungen zurückgeführt. Eine Kommission soll die Ursachen des Unglücks untersuchen. Laut Flussschifffahrtsinspektor Danilo Sabadin sollte auf der Baustelle des Wasserkraftwerks eigentlich keine Bootsfahrt erlaubt sein. Auch dürften die Kanus für eine solche Fahrt nicht geeignet gewesen sein.

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