Quecksilber-Prozess

Steirer vergiftet sich und beschuldigt seine Frau

Steiermark
31.05.2008 12:25
Ein kurioser, einzigartiger Fall ist am Donnerstag in Leoben verhandelt worden. Gutachter Peter Hofmann: "Weltweit gibt es keinen Fall von Quecksilbervergiftung in dieser Form und Menge." Der 37-jährige Angeklagte (im Bildvordergund) soll sich selbst vergiftet haben, den Verdacht aber bewusst auf seine Ehefrau gelenkt haben.

Ein Fall, der seinerzeit die Gazetten füllte. Im Spital wurde beim obersteirischen Frühpensionisten (37) festgestellt, dass sich erhebliche Mengen von Quecksilber in seinem Körper befänden. Der Mann war offensichtlich vergiftet worden. Der Verdacht fiel - unter Mitwirkung des "Opfers" - zunächst auf dessen Gattin, eine Krankenschwester, von der er über längere Zeit Infusionen erhalten hatte. Man fand heraus, dass Familienmitglieder binnen kurzer Zeit sechs Quecksilber-Thermometer gekauft hatten... Außerdem kriselte es in der Ehe.

Quecksilber-Injektionen
Experten stellten fest, dass das Gift durch Injektionen in den Körper gelangt sein muss. Erhebungen ergaben jedoch bald, dass die Frau keine Schuld treffen konnte. Blieb die Annahme, der Mann habe sich selbst geschädigt, um der Gattin zu schaden. 

"Münchhausen-Syndrom"
"Es könnte sich um das so genannte 'Münchhausen-Syndrom' handeln", sagt Psychiater Hofmann, "eine Art Masochismus, bei der man sich selbst verletzt, um Aufmerksamkeit zu erregen." Der Angeklagte weist jede Schuld von sich. 

15 Monate bedingt
Der Leobner Richter Peter Wilhelm verurteilte den Obersteirer zu 15 Monaten bedingter Haft. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

von Heinz Weeber, "Steirerkrone"

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