Zyklon in Burma

Militär zwingt Wirbelsturmopfer zur Rückkehr

Ausland
01.06.2008 18:03
Einen Monat nach der Wirbelsturmkatastrophe in Burma hat der Großteil der Betroffenen nach Angaben der Vereinten Nationen noch keine Hilfe erhalten. Nur 41 Prozent der Opfer hätten bisher in irgendeiner Form Unterstützung bekommen, sagte der UNO-Sprecher in Burma, Aye Win, am Wochenende in Rangun. Die in den USA ansässige Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch erklärte unterdessen, die Militärregierung zwinge die Menschen, zurück zu ihren zerstörten Häusern im Irrawaddy-Delta zu gehen.

Die Menschen würden auch aus Klöstern, Schulen und öffentlichen Gebäuden vertrieben. Damit wolle die Junta demonstrieren, dass die Krise vorbei sei und die betroffene Bevölkerung wieder ohne ausländische Hilfe für sich selbst sorgen könne. Augenzeugen berichteten aus Rangun, dass Flüchtlinge auch aus einer christlichen Kirche vertrieben worden seien.

Die Militärregierung in Burma will nun die Schulen wieder öffnen und zog sich damit noch zusätzliche Kritik von Hilfsorganisationen auf sich. In einigen Schulen sollte bereits am Montag wieder unterrichtet werden, andere sollen im Juli wieder öffnen. Hilfsorganisationen kritisierten den Zeitpunkt als zu früh und erklärten, die Kinder seien in den beschädigten Gebäuden nicht sicher. Unterdessen mehrten sich Berichte über Vertreibungen aus Flüchtlingslagern und Notunterkünften.

Viele abgelegene Dörfer erhalten keine Hilfe 
Rund eine Millionen Menschen in den betroffenen Gebieten seien bisher von den Helfern erreicht worden, sagte Win. In diese Zahlen seien allerdings nicht die Menschen eingerechnet, die von den burmesischen Behörden versorgt worden seien. Auch nach Angaben der Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" sind viele der 2,4 Millionen Betroffenen noch auf Hilfe angewiesen. Bisher seien viele abgelegene Dörfer noch nicht von Helfern erreicht worden, da sie nur Einheimischen bekannt seien und allein durch Boote erreicht werden könnten, sagte der Vorsitzender der Organisation in Japan, Satoru Ida.

133.000 tot oder vermisst - Militärjunta verweigert Hilfe
Nach dem Wirbelsturm "Nargis" am 2. und 3. Mai gelten in dem südostasiatischen Land rund 133.000 Menschen als tot oder vermisst. Zehntausende leben in Behelfsunterkünften. Die Militärjunta wies am Sonntag Bedingungen für humanitäre Hilfe zurück. "Wir würden Hilfe und Unterstützung von jedem Land und jeder Organisation herzlich begrüßen, wenn sie mit echtem guten Willen geleistet werden, und wenn es keine Bedingungen oder Politisierung gibt", sagte Vizeaußenminister Aye Myint auf der Regionalkonferenz in Singapur.

USA wirft Militär "kriminelle Unterlassung" vor
US-Verteidigungsminister Robert Gates warf Burmas Militärjunta angesichts der zögernden Zulassung ausländischer Helfer "kriminelle Unterlassung" vor. Gates kündigte außerdem den Abzug von vier Marineschiffen von der Küste Burmas an, weil die Regierung die Entladung der Hilfsgüter blockiere.

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