Jazz mit Milch

“Cafe Drechsler is back!”

Musik
23.05.2008 10:15
Nein, es ist nicht das innovative Trio um Ulrich Drechsler, das sich auf diesem Album wieder zusammengefunden hat - diesmal geht's wirklich ausschließlich um das Wiener Kaffeehaus neben dem Naschmarkt, wenngleich ein Akteur der 2006 aufgelösten Combo auf "Cafe Drechsler is back" die Feder führt. Unter Regie von Schlagwerker Alex Deutsch entstand die musikalische Melange aus elektronischen Sounds und modernem Jazzhandwerk, die die neuen Betreiber des im Februar 2007 wiedereröffneten Cafes produzieren ließen. Und genauso behutsam wie beim Kultlokal geschieht auch die musikalische Renovierung.
kmm

In der Nu-Jazz-Combo mit dem Saxofonisten Ulrich Drechsler und Bassist Oliver Steger werkte Alex Deutsch fast sechs Jahre und zwei durchaus erfolgreiche Alben ("Cafe Drechsler" und "Radio Snacks") hindurch, bevor das Trio 2006 getrennte Wege ging. Während Ulrich Drechsler jetzt unter seinem Nachnamen musiziert, reaktiviert Deutsch mit ausgesuchten Musikern und einer Reihe von Kollaborateuren den alten Bandnamen auf Wunsch der neuen Betreiber des Wiener Kaffeehauses am Naschmarkt und haucht dem vormals eher akustischen Konzept neues, elektronisches Leben ein. 

Neben den Szene-bekannten Sängerinnen Fatima Spar und Anna F., finden sich auch einige "Promi-Gäste" auf der Tracklist, wie etwa Fußballikone Hans Krankl (rappt inmitten eines cholerischen Anfalls), Jung-Liederpoet Clueso (smooth wie immer) und der blinde Ausnahme-Akkordeonist Otto Lechner (sphärisch). Sie alle trägt Schlagzeuger Deutsch in seine Klangwelt aus lässigen Grooves und wallenden bis quirligen Sounds hinein, wo perkussiv durchaus mit dem Attribut sanft einhergeht und "Lounge" bei aller Modernität des Wortes auch an knarrende Kaffeehaussessel und den würzigen Duft eines kleinen Mokkas erinnern darf. 

Musikalische Zitate aus der alten Triozeit finden sich auf "Cafe Drechsler is back" bestenfalls in destillierter Form. Der Eindruck, unglaublich lässige und zugleich stimulierende Fahrstuhl-Atmo serviert zu bekommen, überwiegt. Fazit: Das Album ist für alle Melangetrinker gemacht, die den zarten Milchschaum gepaart mit ein bisschen Würze dem Herzrasen nach einem starken Mokka vorziehen. 

7,5 von 10 Kaffeehausfahrstühlen

Von Christoph Andert

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