Erfrischend anders

Boom Blox

Spiele
16.05.2008 18:45
Mit der Ankündigung, künftig gemeinsam mit Regisseur Steven Spielberg Videospiele produzieren zu wollen, hatte Publisher Electronic Arts 2005 aufhorchen lassen. Mit dem für Nintendos Wii-Konsole erhältlichen "Boom Blox" liegt nun das erste Ergebnis dieser Zusammenarbeit vor. Wer allerdings auf ein Wiedersehen mit blutrünstigen Haien, nach Hause telefonierenden Außerirdischen oder künstlich gezüchteten Dinosauriern hofft, wird enttäuscht. Der Hollywood-Altmeister rückt stattdessen das in Videospielen bislang sträflich vernachlässigte Holzklötzchen in den Vordergrund.

Das boom-blox'sche Spielprinzip zu erklären, fällt gar nicht leicht. Streng genommen handelt es sich um ein Strategie- und Geschicklichkeitsspiel, das mal an das gute alte Dosenwerfen, dann wieder an das knifflige "Jenga", bei dem Holzblöcke aus einem Turm entfernt werden müssen, ohne dass dieser zusammenbricht, erinnert.

Um diese beiden Spielprinzipien – Werfen und Greifen – haben die "Boom Blox"-Macher nun eine Reihe – nämlich über 300 an der Zahl – kniffliger Level konstruiert. Knifflig deshalb, weil es zwar im Kern oftmals darum geht, einen Turm zum Einsturz zu bringen oder eben dies zu verhindern, die Rahmenbedingungen sich jedoch stets ändern.

Das beginnt bereits damit, dass nicht jeder Block dieselbe Beschaffenheit hat: Lila Blöcke lösen sich in Luft auf, sobald sie getroffen werden, grüne Steine hingegen explodieren, wenn sie mit ihresgleichen in Kontakt kommen, und Wolken-Blöcke fangen an, davon zu schweben. Auch die dem Spieler zur Verfügung stehenden Handwerkszeuge – Baseball-Bälle, Bowlingkugeln, Bomben, Wasserspritzpistolen oder Laser-Blaster kommen zum Einsatz – variieren je nach Level und verlangen vom Spieler eine andere Herangehensweise an das Problem.

Um in Erfahrung zu bringen, auf welche Weise ein Werkzeug mit einem Block wie reagiert, hält das Spiel für Anfänger neben einem umfangreichen Tutorial auch den so genannten "Erkundungs"-Modus parat, in dem man sich relativ zwangfrei und ohne größeren Stress mit einem Rätsel auseinandersetzen kann. Dennoch gibt es auch hier Vorgaben, wie etwa eine zu erreichende Mindestpunktzahl oder die Anzahl maximal zur Verfügung stehender Würfe. Wesentlich schwieriger gestaltet sich da schon der "Story"-Modus, in dem die Rätsel durch mehrere kurze Geschichten miteinander verbunden werden. 

So folgt man etwa einer Herde Schafe durch das Mittelalter, während diese beispielsweise versucht, eine Festung gegen Edelstein-Diebe zu verteidigen, oder begleitet einen nach Gold suchenden Bären durch den bleihaltigen Wilden Westen. Im Urwald stößt man hingegen auf eine Gorilla-Mutter, die zu ihren Babys geleitet werden will, während es in einer Halloween-Szenerie kleine Kätzchen vor Geistern und Sensenmännern zu bewahren gilt. Fallen zu viele Mitstreiter innerhalb des eng geschürten Zeitrahmens dem feindlichen Beschuss zum Opfer, ist der Level verloren. 

Wer hingegen die gewünschte Mindestpunktzahl erreicht, ausreichend Gefährten vor dem Feind beschützt oder eine Aufgabe besonders schnell erledigt, schaltet nicht nur den nächsten Level, sondern auch reihenweise Extras frei. Neben einigen Videos sind dies vor allem "Deko-Artikel", mit denen im spieleigenen Editor die selbst kreierten Denksportaufgaben entsprechend bunt und stimmig in Szene gesetzt werden können.

Zu guter Letzt haben die Macher dem Titel auch noch einen Mehrspielermodus spendiert, in dem bis zu vier Spieler bei diversen Werf-, Greif- sowie Schieß-Spielchen gegeneinander antreten oder miteinander die Köpfe rauchen lassen können. Die Steuerung lässt dabei ebenso wie in den Modi zuvor keine Wünsche offen und geht nach einer gewissen Einübung erstaunlich leicht von der Hand. 

Zum Schießen wird die Wii-Mote einem Laserpointer gleich einfach über den Bildschirm bewegt, wobei mit dem A-Button gefeuert wird. Ähnlich verhält es sich beim Werfen, wobei hier mit dem A-Button erst die gewünschte Stelle markiert und anschließend durch eine Wurfbewegung der Wii-Mote geworfen wird. Um immer aus der passenden Richtung feuern zu können, wird bei gedrücktem B-Knopf die Kamera rotiert.

Selbst das Herausziehen von Blöcken funktioniert nach einer Weile erstaunlich gut, erhält der Spieler über die Rumble-Funktion der Wii-Mote doch die Rückmeldung, ob sich ein Block leicht lösen lässt oder noch an einer anderen Stelle auf Widerstand trifft. Ataris „Jenga“, welches kürzlich für Nintendos Wii erschien, scheiterte kläglich an dieser Aufgabe.

Auch optisch kann sich "Boom Blox" sehen lassen, wobei der Fairness halber betont werden muss, dass sich die Darstellung meist auf einige wenige Details konzentriert und sich der Spieler stets in einem klar definierten, "abgesteckten" Bereich bewegt. Vom gelegentlich auftretendem Kantenflimmern einmal abgesehen, wurden die unterschiedlichen Szenarien samt ihrer liebevoll animierten Bewohner jedoch äußerst stimmig, bunt und unterhaltsam in Szene gesetzt. Die gebotene Geräuschkulisse scheint mit ihren fröhlich glucksenden Lauten eindeutig auf die jüngeren Spieler abzuzielen, fällt aber nicht weiter störend ins Gewicht. Besonders hervorzuheben ist noch die Spielphysik, die die Klötzchenkonstrukte äußerst realistisch wackeln und auch in sich zusammenfallen lässt.

Fazit: "Boom Blox" schafft, was ansonsten nur wenigen Spielen gelingt: Es begeistert von der ersten Minute an und fesselt selbst nach Tagen noch. Vor allem aber packt es den Spieler an seiner empfindlichsten Stelle: seinem Ehrgeiz. Denn: Durchgespielt sind die über 300 Level des Spiels recht zügig, aber nur die Wenigsten werden jeden einzelnen Level auch mit der besten Note abschließen können. Immer wieder wagt man sich deshalb an ein und dasselbe Rätsel heran, versucht es mit alternativen Lösungsansätzen und gibt selbst nach dem x-ten gescheiterten Versuch noch nicht auf. Schließlich bleibt "Boom Blox" stets fair und zeigt mit jedem noch so kleinen Erfolg auf, dass die Rätsel-Nuss irgendwie zu knacken sein muss. Wem das alles zu anstrengend wird, der flüchtet sich einfach in den Mehrspieler-Modus oder bastelt selbst im Editor an schier unlösbaren Denksportaufgaben. Möglichkeiten gibt es also genug, sich auf Dauer in "Boom Blox" auszutoben. Ein guter Grund also, sich selbst als Hardcore-Spieler einmal dem Genre der Casual Games zuzuwenden. Ob die ganz Kleinen an dem durchaus fordernden Geschicklichkeitsspiel ihre Freude haben, darf jedoch bezweifelt werden. Für sie dürfte der gelungene Mix aus Strategie und Rätselkost schlichtweg zu schwer sein. 

P.S.: Keine Ahnung, Stevie, was du nun damit zu tun hattest, aber bitte mehr davon!

Plattform: Wii
Publisher: Electronic Arts
Krone.at-Wertung: 93%

von Sebastian Räuchle

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