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29.03.2017 - 03:59
Opfer Patricia (links) im Krankenbett; Leonie (rechts) soll die Prügel-Attacke initiiert haben.
Foto: facebook.com

"Prügel- Freundinnen" wegen Einbruchs verurteilt

26.01.2017, 13:27

Bevor es zum Streit und anschließend zur brutalen Prügelattacke auf die 15- Jährige Patricia - das Video der Tat wurde auf Facebook Tausende Mal geteilt - kam, waren Leonie (16) und ihr späteres Opfer dicke Freundinnen gewesen. Gemeinsam brachen sie bei Leonies Stiefvater ein und verwüsteten dessen Haus. Nun wurden beide Mädchen in Wien verurteilt - sie fassten bedingte Freiheitstrafen aus.

Leonie stand am Donnerstag gleich mit mehreren ihrer Freunde im Alter von 14 bis 19 Jahren in Wien vor Gericht. Die 16- Jährige wurde unter großem medialen Aufsehen von der Justizwache in den Verhandlungssaal im Straflandesgericht in Wien geführt. Dem Vernehmen nach soll das Mädchen seit geraumer Zeit untergetaucht gewesen sein, sich aber am Dienstag bei der Polizei gestellt haben.

Patricia (links) erlitt einen doppelten Kieferbruch. Rechts: eine Szene aus dem Prügelvideo
Foto: facebook.com

Die Hauptangeklagte und ihr späteres Prügelopfer Patricia waren früher einmal beste Freundinnen gewesen und hatten im Sommer 2016 ihre Freizeit des Öfteren mit einem 14- jährigen Mädchen und weiteren Burschen verbracht. Da die meisten davon Schüler bzw. arbeitslos waren und kein Geld hatten, kamen die Jugendlichen auf die Idee, sich durch Einbrüche in Häuser, Geschäfte oder Süßigkeitenautomaten Geld zu beschaffen. Einer dieser Einbrüche wurde auf das Haus der Mutter von Leonie und deren Lebensgefährten verübt.

Haus verwüstet, Wertgegenstände gestohlen

Über Facebook soll die 16- Jährige, die in einem Krisenzentrum in Amstetten lebte, erfahren haben, dass ihre Mutter und deren Freund auf Urlaub waren. Am 5. August 2016 brachen sie und ihre Freunde in das Haus in Hadersdorf ein, indem ein Bursche, der deshalb mittlerweile zu 16 Monaten Gefängnis verurteilt wurde, ein Fenster aufbrach. Sie verwüsteten das Haus und rafften anschließend diverse Wertgegenstände an sich.

"Das stimmt nicht", meinte die 16- Jährige zu Richterin Daniela Zwangsleitner. "Na, warum sind sie denn eingestiegen", fragte Zwangsleitner. "Aus Dummheit", meinte die Angeklagte. Außerdem hätte man bei ihr keine Wertgegenstände gefunden, deshalb könne man ihr auch nichts nachweisen, meinte sie. "Ah, nur Sie haben nichts genommen", bemerkte Zwangsleitner, da alle anderen Beschuldigten sehr wohl ausführten, dass ihnen die 16- Jährige iPhones und XBox in die Hand drückte.

Schlussendlich holte die Gruppe den Schlüssel eines Autos, das dem Stiefvater gehörte, aus einer Lade. Mit dem Fahrzeug wollten die Jugendlichen nach Tulln, um sich die Bahnfahrt dorthin zu ersparen. Doch als einer der Burschen den Wagen falsch betankte, war die geplante Fahrt kurz danach zu Ende.

Kein Respekt vor Gericht

"Tut Dir das Ganze leid", fragte Anwältin Schiesl ihre Mandantin. "Ja, ist so. Kann es eh nicht mehr ändern", meinte die 16- Jährige trotzig. Die Angeklagten brachten gegenüber dem Gericht nur wenig Respekt entgegen. Die einen grinsten breit über das Gesicht, bis Richterin Zwangsleitner sie ermahnte, dass die Verhandlung "kein Spaß" sei. Zwei Beschuldigte kamen weitaus zu spät, eine Entschuldigung kam ihnen nicht über die Lippen.

Ein Angeklagter tauchte überhaupt nicht auf, sein Verfahren wurde ausgeschieden. Gegen Mittag rief er dann bei Richterin Zwangsleitner an, um doch noch sein Kommen anzukündigen. "Jetzt braucht er auch nicht mehr kommen, ich bin gerade bei der Urteilsverkündung", meinte die Richterin.

Fünf Monate bedingt für Schlägerin Leonie

Leonie erhielt wegen schweren Diebstahls durch Einbruch, wegen unbefugten Gebrauchs von Fahrzeugen sowie wegen des Verstoßes gegen das Waffengesetz - sie besaß einen Schlagring - fünf Monate bedingt. Zudem muss sie eine Bewährungshilfe in Anspruch nehmen und sich einer Psychotherapie unterziehen. Patricia erhielt ebenfalls fünf Monate wegen schweren Diebstahls durch Einbruch. Zudem müssen die Jugendlichen teilweise die Schäden, die sie verursacht haben, finanziell wiedergutmachen.

Dem Stiefvater von Leonie müssen 1000 Euro Privatbeteiligtenanspruch gezahlt werden. Die bedingten Verurteilungen scheinen im Strafregisterauszug nicht auf. Zwei Burschen, die sich ebenfalls im Prozess verantworten mussten, wurde eine diversionelle Lösung angeboten, die sie annahmen. Alle Urteile sind rechtskräftig.

Prügelvideo auf Facebook verbreitet

Das Video, in dem die 15- Jährige zahlreiche Schläge kassierte, verbreitete sich im vergangenen November wie ein Lauffeuer im Internet.  Patricia hatte bei der Prügealattacke einen doppelten Kieferbruch erlitten. Leonie wurde in U- Haft genommen und kurz vor Weihnachten wieder auf freien Fuß gesetzt. Die Jugendliche, die im Jänner ihren 16. Geburtstag feierte, ist jedoch seit Dienstag wieder in Haft, da sie gegen ihre Auflagen verstoßen hatte.

Redaktion
krone.at
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