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06.12.2016 - 20:30
Robert Plant
Foto: Andreas Graf

Robert Plant: Triumphzug einer Rock- Legende

29.07.2016, 09:55

Donnerstagabend wurde auf dem Open- Air- Gelände der Wiener Arena Musikgeschichte geschrieben. Vor ausverkauftem Haus gab der legendäre Led- Zeppelin- Sänger Robert Plant nach zehnjähriger Abwesenheit sein Österreich- Comeback und entzückte mit einer kurzweiligen Mischung aus alten Rock- Klassikern, elektronischen Interludes und improvisierter Weltmusik. Ein Festschmaus für Augen und Ohren.

"Früher einmal sind alle stoned herumgesessen, heute aber steht ihr" - Led- Zeppelin- Legende Robert Plant kann sich noch gut an die alten Zeiten erinnern, als er mit seiner Stammband Ende der 60er- Jahre den Durchbruch schaffte und diese innerhalb kürzester Zeit zur vielleicht wichtigsten und prägendsten Rock- Kapelle der Musikhistorie reifte. Das einzigartige Reunions- Erlebnis 2007 in London außer Acht gelassen, weigert sich der 67- Jährige seither beharrlich, den Rufen nach Wiedervereinigung nachzugeben. Obwohl sein "Partner in Crime", Gitarrist Jimmy Page, in den letzten Jahren alle kultigen Zep- Alben in Eigenregie restaurierte und lieber heute als morgen wieder auf große Welttournee gehen würde, weigert sich Plant mit Vehemenz gegen jegliche Wiedervereinigungspläne.

Robert Plant
Foto: Andreas Graf

Endlich wieder da

Der Mann mit den Engelslocken hat viel zu viel Spaß auf seiner eigenen Spielwiese. Zehn lange Jahre nach seinem gefeierten Soloauftritt beim Lovely Days in St. Pölten wagte er Donnerstagabend endlich wieder den Sprung auf eine österreichische Bühne, um eine galante Mischung aus alten Zeppelin- Klassikern und vornehmlich psychedelisch angehauchten Solo- Nummern feilzubieten. Die naturbelassene Kulisse des restlos ausverkauften Open- Air- Geländes in der Wiener Arena erwies sich dabei als perfekte Umrahmung für das gut 100- minütige Stelldichein eines der letzten ganz Großen einer sich im Absturz befindenden Rockbranche.

Robert Plant
Foto: Andreas Graf

Den herkömmlichen Rock hat Plant glücklicherweise nicht ins Eck gestellt, er hat ihn mit seinen grandiosen Sensational Space Shifters nur um Electronic- und Weltmusik- Zitate angereichert und ihn somit zu einer zeitlosen Relevanz verholfen. Echte Zeppelin- Die- Hard- Fans waren somit wohl auch die einzigen, die sich nicht in den magischen Bann des Zeremonienmeisters ziehen ließen, denn neben hervorragenden Solo- Songs wie "The Enchanter" oder "Rainbow" waren es doch immer wieder die großen Klassiker, die für Staunen und Raunen unter dem Sternenhimmel sorgten. Dabei überzeugten Plants Mitstreiter mit einem geschickten Wechselspiel zwischen basisch und ausufernd. Immer wenn sich die Band kurz auf das trockene Exerzieren von Gitarrenriffs konzentrierte, folgte eine ausladende Jam- Session, die dem Treiben eine kräftige Portion Einzigartigkeit verlieh.

Robert Plant
Foto: Andreas Graf

Unverkennbares Stimmwunder

So verwandelten sich auch kultige Songs aus der Zeppelin- Ära in verträumt- verspielte Arien kompositorischer Opulenz. Das paralysierende Meisterwerk "Dazed And Confused" ließ ebenso die Magie der alten Tage überschwappen wie der stimmgewaltig dargebotene Folk- Klassiker "Babe, I'm Gonna Leave You". Überhaupt hat Plant im Gegensatz zu vielen Branchen- und Alterskollegen nichts von seiner umfangreichen Gesangsstärke verloren. Die hohen Töne trifft der Brite anno 2016 fast genauso genial wie Jahrzehnte davor und allein schon seine pure Bühnenpräsenz sucht immer noch seinesgleichen. Beim folkig angehauchten Zeppelin- Klassiker "Going To California" kam dann tatsächlich eine Art Hippie- Feeling auf, die Plant beeindruckend mit dem Erreichen hoher Tonlagen verstärkte und die von der großartigen Instrumentierung seiner Band getragen wurde.

Robert Plant
Foto: Andreas Graf

Besonders prägend waren die ausufernden Gitarren- Soli des bärtigen Skin Taylor und die exotischen Einsprengsel des Gambiers Juldeh Camara, die von elektronischen Loops begleitet wurden. Plant und seine perfekt eingespielte Band hatte vor allem Spaß. Spaß an der Improvisation, Spaß am ehrlichen Interesse des Publikums und Spaß am eigenen Können. Der Sänger parlierte dazu humorig auf Deutsch, ließ so manch politischen Witz über das Gelände schallen und hatte mit einer ausladenden Version des Überhits "Whole Lotta Love" endgültig alle Herzen erobert. "Rock’n’Roll" war dann die programmatische Abschlusszugabe, die mehr als 3.000 Menschen begeistert, entkräftet und paralysiert zurückließ. Mit der insgeheimen Hoffnung, dass sich der charismatische Frontmann vielleicht doch noch einmal für eine üppige Zeppelin- Tour breitschlagen lässt…

29.07.2016, 09:55
Robert Fröwein, Kronen Zeitung
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