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26.03.2017 - 01:10
Foto: Andreas Graf / Video: krone.tv

Justin Bieber: Auf der Suche nach der Zukunft

09.11.2016, 00:49

Kreischalarm (Video oben) vor und in der Wiener Stadthalle. Vor 16.000 Fans und einem restlos ausverkauften Haus bot Kanadas Pop- Superstar Justin Bieber am Dienstagabend eine Bombastshow der Superlative. Zwischen Glanz und Gloria schlichen sich aber auch Momente der Beliebigkeit - und die offene Frage, welche Richtung der Nicht- mehr- Teeniestar in Zukunft einschlagen sollte.

Die Menschen lieben kantige Charaktere. Vor allem dann, wenn sie sich im Musikbusiness tummeln. Kanadas Pop- Superstar Justin Bieber war schon als 14- Jährigem eine Weltkarriere beschieden. Kein Wunder, dass der global wohl gesichtsprominenteste Popstar seit Michael Jackson irgendwann aus der Spur geriet, mit zahllosen Affären und Problemen mit der Exekutive Schlagzeilen machte. Doch vor fast exakt einem Jahr kam sein drittes Studioalbum "Purpose" auf den Markt und lenkte den Fokus wieder auf das Wesentliche - die Musik Biebers stieg wie Phönix aus der Asche, vom viel belächelten Teenie- Popper verwandelte sich "Biebs" in einen ernsthaften Dance- Pop/R&B- Künstler, dem man plötzlich den so schwierigen Sprung in die künstlerische Erwachsenenwelt zutraute.

Foto: Andreas Graf
Foto: Andreas Graf

Slalom der Dekadenz

Auch der gereifte Bieber zieht die Fans mühelos an. Rund 16.000 waren an einem winterlich- kalten Novemberabend gekommen, um die Wiener Stadthalle auszuverkaufen und die Dezibelmessgeräte in den knallroten Bereich zu treiben. So manch wackerer "Belieber" campierte bereits um 4 Uhr morgens vor den Toren am Vogelweidplatz und wer das Gelände kurz vor Konzertbeginn betrat, wurde an sommerliche Rockfestivals erinnert. Es galt, einen kurvenreichen Slalom zwischen leeren Dopplerflaschen, Tschick- Packerl, Chipstüten, Thermodecken und Konzertflyer zu absolvieren, um in die Halle vorstoßen zu können. Nahezu unüberwindbar stellten sich davor die Beweisstücke der modernen Wegwerfgesellschaft in den Weg. Mit den hier liegen gelassenen Pullis, Jacken und Shirts könnte man mehrere hilfsbedürftige Flüchtlingsfamilien für den Winter ausrüsten.

Bieber selbst saß auch der Schalk im Nacken, begann er seine bombastische Pop- Show doch bereits zehn Minuten vor der von Veranstalterseite anberaumten Beginnzeit. Den kreischenden Teenie- Horden war das natürlich recht, viele fieberten doch schon Tage, Wochen, Monate auf den großen Abend hin und die Tanzgelenke wurden von Mic Lowry und The Knocks im Vorfeld gelockert. Zum Opener "Mark My Words" ließ sich Bieber in schlaksiger Hose, an Stützstrümpfe erinnernde Socken und Baseball- Cap in einem Glaswürfel auf die Bühne hieven. Das Drumherum sorgte für Staunen - drei riesige Videoleinwände, eine in den Zuschauerraum ragende, mit drei Laufstegen verstärkte Bühne und mehr als ein Dutzend akrobatischer Tänzer, die dem beatlastigen Treiben die passende Bewegungsartistik beimengten.

Foto: Andreas Graf

Pomp und Playback

Im Gegensatz zum unlängst abgebrochenen Konzert in Manchester, hatte Bieber in Wien kein Problem mit dem Gekreische seines Anhangs. Gut gelaunt, aber eher mäßig motiviert spulte er seine Choreografien routinemäßig herunter, während um ihn herum Pomp und Trara regierten. Bei "Get Used To It" schossen die Feuerfontänen über den Bühnenrücken, bei seiner Selbsthilfe- Hymne "I’ll Show You" befand er sich in einer Art Hologramm- Käfig und während "Company" fuhr gar eine überdimensionale Zweitbühne von der Hallendecke, die mit einem Trampolin ausgestattet war und Biebs samt Tänzern als launige Spielwiese für Saltos diente. Das mit wuchtigen Visuals und paralysierenden Lichteffekten unterstützte Treiben war zudem mit so viel Playback garniert, dass sich Bieber oft nicht einmal mehr die Mühe machte, das Mikro beim vom Band laufenden Gesang zum Mund zu bewegen.

So sehr sich seine üppigen, von den größten internationalen Star- Produzenten geformten Chart- Hits an das bunte Drumherum anlehnten, so leb- und zusammenhanglos wirkte die Show zu Teilen. Dass Bieber weit mehr als nur eine gehypte Pop- Marionette ist, bewies er in den Momenten, in denen er selbst zum Instrument griff. Etwa als er auf einer purpurnen Couch mit Akustikgitarre "Cold Water" und "Love Yourself" feilbot und sich einzig auf das sanfte Akkordzupfen und seine durchdringende Stimme verließ, oder als er nach "As Long As You Love Me" zu einem recht simplen, aber herzhaft gespielten Drumsolo ansetzte. Viel mehr würde man sich angesichts der visuellen Effektüberladung von diesen reduzierten, echten Momenten wünschen, viel zu wenige haben im knapp zweistündigen Set Platz.

Foto: Andreas Graf

Zwei Seiten

Dabei versucht Bieber bewusst, sich von jeglichen Klischees zu lösen und teilte seine Show in zwei Hälften. In der ersten, die mit dem Big Sean- Kooperationssong "No Pressure" endete, gab er den kindlichen Spaßvogel. In der zweiten versuchte er sich mit Brille, brav gescheitelter Mähne und balladesken Einwürfen ("Live Is Worth Living", "Purpose") als gereifter Mann zu präsentieren. Dabei ging er auf Tuchfühlung mit den Fans und ließ sich von ebenjenen einige Minuten lang über Tour, seine Inspirationen und den Job an sich befragen. Bei "Children" hatten schließlich vier Welser Kinder den Auftritt ihres Lebens - sie durften drei Minuten lang mit ihrem Star tanzen, abklatschen und Small- Talk führen.

Foto: Andreas Graf

Das mit einem grellbunten Videospektakel unterlegte "Baby" zeigte im Finish des Konzerts deutlich, wie sehr Bieber nicht nur menschlich, sondern auch kompositorisch gereift ist. Der erste große Hit des Kanadiers passte an diesem Abend nämlich so gar nicht mehr in das gereifte Repertoire. Das hörte man spätestens im Direktvergleich mit dem abschließenden Superhit "Sorry", bei dem sich der 22- Jährige unter den künstlich produzierten Bühnenregen stellte und sich als das präsentierte, was er derzeit wirklich ist: ein Weltstar auf der Suche nach sich und seiner passenden Zukunft. Was Bruno Mars, Lady Gaga oder Katy Perry besitzen, fehlt "Biebs" noch immer - die Lockerheit und Coolness, um eine derartige Bombastshow mit einer Portion nahbarer Menschlichkeit zu füllen. Vielleicht führt ihn aber gerade diese kantig- unterkühlte Performance in die sicheren Pfade des "Adult- Pop" …

09.11.2016, 00:49
Robert Fröwein, Kronen Zeitung
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