Tödliche Radtour

Raser gesteht Drogenkonsum

Österreich
16.06.2009 13:56
"Wieso sagt denn keiner was?" Im Kindergarten des oberösterreichischen Mühlheim ist einem Spielkameraden der getöteten vierjährigen Kerstin die Stille unheimlich. Im 630-Seelen-Ort mischt sich Trauer mit Wut über den 24-jährigen Autoraser, der Vater und Tochter auf ihren Rädern in den Tod gerissen hat. Er wurde verhaftet, drei Jahre Haft drohen. Eine ärztliche Untersuchung hat ergeben: der Mann stand unter Drogen.

"Es wurde wegen Tatbegehungsgefahr die U-Haft verhängt. Das Blut des Verdächtigen wird auf Alkohol und insbesondere auf Drogen untersucht", bestätigte Ernestine Heger, Sprecherin der Rieder Staatsanwaltschaft am Tag nach dem Vatertagsdrama von Mühlheim. Der 24-Jährige aus Altheim hatte sich offenbar von einem anderen Autofahrer provoziert gefühlt, sich mit ihm ein Duell auf der Mühlheimer-Landesstraße geliefert und Herbert K. und dessen Tochter Kerstin übersehen, als diese gerade zum Badesee radelten.

Drogenkonsum gestanden 
Zum Unfallzeitpunkt war der 24-Jährige durch Drogen beeinträchtigt. Ein Arzt hat eine Fahruntüchtigkeit im Zusammenhang mit Suchtmitteln festgestellt, teilte die Staatsanwaltschaft Ried am Dienstag mit. Der Mann habe zugegeben, dass er am Abend vor dem Unfall Cannabis-Produkte konsumiert habe. Die Ergebnisse der ärztlichen Untersuchung würden damit übereinstimmen. Weitere Labortests sollen folgen.

Tränen und Stille überall
Erst nach etwa 50 Metern war der Wagen im Feld gelandet, da waren Papa und Tochter schon tot. Um die 36-jährige Mama, die zum Unfallzeitpunkt mit dem sechs Monate alten Sohn etwa einen halben Kilometer entfernt daheim geblieben war, scharte sich am Montag die Großfamilie. Tränen und Stille überall, die Angehörigen nahmen sich gegenseitig in die Arme. Es wurde nur geflüstert. Trotz der übermenschlichen Trauer lässt es sich die 36-Jährige nicht nehmen, das Begräbnis zu organisieren, die Fotos für die Parten auszusuchen.

Familie vom Schicksal heimgesucht
An der Unfallstelle, wo Blumen, Kerzen und ein Teddybär an die Tragödie erinnern, traf Bürgermeister Johann Strasser einen Freund des Verunglückten, der diesen vor 16 Jahren gerettet hatte, als er nach einem Sturz mit schweren Verbrennungen unter seinem brennenden Moped gelegen war. Auch der Unfalltod von Schwester und Vater des nun Verunglückten kommen immer wieder zur Sprache: "Man weiß nicht, warum das Schicksal die Familie so straft", sagt der Bürgermeister. Die Familie, die durch die Aufräumarbeiten geschockten Feuerwehrleute und die Kindergarten-Spielkameraden von Kerstin wurden psychologisch betreut. Die Kinder müssen erst begreifen, warum ihre so beliebte Freundin nie mehr kommt. 

von Markus Schütz („OÖ-Krone“) und krone.at
Bild: Das Familiengrab, in dem Schwester und Vater des Verunglückten liegen

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