Der Mann habe mehrere Ladungen wegen seines Heimreisezertifikates ignoriert und sei daher Donnerstagnachmittag während eines Fußballtrainings mit seinem Verein "FC Sans Papiers" (franz.: ohne Papiere) auf der Marswiese in Hernals festgenommen worden.
Auch ein 21-jähriges Teammitglied, ebenfalls aus Nigeria, kam wegen seines negativen Asylbescheids in Schubhaft. Über die Asylverfahren wollte das Innenministerium aufgrund der Amtsverschwiegenheit keine Auskunft geben. Drei weitere Personen wurden zur Identitätsfeststellung mitgenommen und wieder freigelassen.
Dass laut dem Obmann des Fußballvereins, Di-Tutu Bukasa, bei dem Einsatz über 100 Polizisten anwesend waren und diese zehn Menschen weggebracht hätten, wurde seitens der Behörden dementiert. Die Abschiebungstermine für die beiden Nigerianer stehen der Exekutive zufolge noch nicht fest.
42 Festnahmen bei unangemeldeter Protestaktion
Rund 250 Demonstranten hatten Donnerstagabend auf dem Hernalser Gürtel gegen die Überstellung des 25-jährigen Nigerianers vom Polizeianhaltezentrum (PAZ) Hernals ins Anhaltezentrum Rossauer Lände protestiert. Die Demonstranten blockierten den Transport des Schubhäftlings, indem sie sich vor den Bus der Polizei setzten. Die Teilnehmer skandierten dabei unter Trommel-Begleitung Slogans wie "Kein Mensch ist illegal" und "Bleiberecht überall".
Die Versammlung wurde gegen 21.30 Uhr von der Exekutive aufgelöst, einige Teilnehmer wurden von den Beamten weggetragen bzw. -gezerrt, 42 wurden wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt und Verstoß gegen das Versammlungsgesetz vorläufig festgenommen. Drei Personen saßen bis in die Morgenstunden in Haft. Am Freitag wurde im Internet zu einer neuen, unangemeldeten Versammlung vor dem PAZ Rossauer Lände aufgerufen, zu der schließlich aber nur vereinzelt Teilnehmer erschienen.
Protest mit "reiner Körperkraft" aufgelöst
Drei WEGA-Beamte erlitten bei dem Polizeieinsatz durch Tritte und Schläge Verletzungen im Gesicht und an den Füßen. Über eventuell verletzte Demonstranten "ist mir nichts bekannt", so Polizeisprecherin Iris Seper. Dass die Einsatzkräfte - wie von der ÖH der Uni Wien behauptet - auch Pfefferspray eingesetzt haben sollen, wies die Sprecherin zurück. Der Protest sei mit "reiner Körperkraft" aufgelöst worden und dies sei notwendig gewesen. "Es ist immer das gelindeste Mittel eingesetzt worden", so Seper. Die Demonstranten hätten drei Polizeiwagen beschädigt - durch Tritte gegen die Karosserie und Stiche in einen Reifen.
Vereinsobmann ortet "Rassismus"
Bei der anschließenden, ebenfalls unangemeldeten Demo vor dem PAZ Rossauer Lände (23 bis 1.30 Uhr), zu der die Teilnehmer weiterzogen, gab es keine Auflösungs-Maßnahmen oder Festnahmen. "Die Demonstranten verhielten sich friedlich und es war kein massives Verkehrsaufkommen", erklärte Seper. Durch die Sperre am Gürtel hatte sich bis 22.30 Uhr ein Stau bis zur Mariahilfer Straße gebildet.
"FC Sans Papiers"-Obmann Bukasa war von der Polizei-Aktion nicht wirklich überrascht, wie er einräumte. In den vergangenen Monaten seien zehn seiner Spieler aufgrund negativer Asylbescheide festgenommen und abgeschoben worden. Er wirft den Behörden vor, bei Verfahren gegen Nigerianer nicht objektiv genug zu sein und vermutet "Rassismus".
In allen Instanzen negativer Asylbescheid
Der 25-jährige Nigerianer hält sich laut Polizei seit August 2002 in Österreich auf. Sein Asylansuchen sei in allen Instanzen rechtskräftig abgelehnt worden, sagte Polizeisprecherin Iris Seper. Der Mann sei nach diesen Entscheidungen nie bei gemeldeten Wohnadressen - unter anderem beim Verein "Asyl in Not" - angetroffen worden oder war offenbar gänzlich unterstandslos.
Der zweite in Schubhaft genommene 21-jährige Nigerianer war seit Juli 2004 in Österreich. Ihm wurde ebenfalls in allen Instanzen ein negativer Asylbescheid ausgestellt. Die Wohnsituation war laut Seper ähnlich wie bei dem 25-jährigen.
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