Profumo-Nachfolger
Bank-Austria-Vize Ghizzoni wird neuer UniCredit-Chef
Ghizzoni ist Jurist und Osteuropa-Experte und seit 30 Jahren in der Bank tätig. Der neue starke Mann an der Spitze des Mailänder UniCredit-Konzerns war die letzten Jahre Osteuropa-Chef. In der für die Tochterbanken in der Region Osteuropa zuständigen Wiener Bank Austria war er stellvertretender Generaldirektor.
Nach dem spektakulären Abgang des langjährigen UniCredit-Vorstandsvorsitzenden Alessandro Profumo zählte Ghizzoni - der schon "Deputy CEO" war - bald zum engsten Kandidatenkreis, den seit einer Woche verwaisten Chefsessel in der Mailänder Großbank einzunehmen. Die Bank Austria muss sich jetzt einen neuen Vizechef suchen.
Ghizzoni war seit Juli 2007 Osteuropa-Vorstand der UniCredit-Tochter Bank Austria. Auf UniCredit-Konzernebene verantwortete er die Ostregion, also das von der Bank Austria in der Region gemanagte Bankgeschäft und das gesondert aus Mailand heraus gesteuerte Polen-Geschäft. Zwischen den Meetings in den Bankzentralen war er bisher praktisch die ganze Woche in Zentral-Osteuropa unterwegs. Im Osten und Südosten ist die Gruppe in den vergangenen Jahren rasend schnell gewachsen. Osteuropa hat - auch nach der jüngsten Finanzkrise, die auch im Osten hohe Abschreibungen nach sich zog - im UniCredit-Konzern eine unangefochtene Schlüsselposition.
Ghizzoni hatte für die Nachfolge an der Konzernspitze nicht nur Rückhalt aus den Reihen der italienischen Aktionäre, sondern auch von den Deutschen und Österreichern in der Gruppe.
Bereits 30 Jahre im Konzern tätig
In seiner 30-jährigen Karriere bei UniCredit war er die meiste Zeit im Ausland. Ghizzoni ist kein Freund lauter Worte. Was er sagt, hat im Konzern Gewicht. Als er zu Profumos Vize wurde, mutmaßten italienische Medien bereits, dass hier ein Vertrauter des Chefs zu dessen Nachfolger aufgebaut werden sollte. Der machtbewusste Profumo hat sich in den letzten Monaten aber einen heftigen Kampf mit einigen einflussreichen Aufsichtsräten seines Hauses geliefert, und diesen Kampf vor gut einer Woche verloren. Sein vorzeitiger Abschied wird ihm allerdings mit einer Abfindung von rund 40 Millionen Euro versüßt, die bei den "normalen" Bankmitarbeitern in der Gruppe nicht so gut ankommt.
Internationale Positionierung bleibt
Von Ghizzoni wird erwartet, die Flanken zu befrieden, die sich im Streit mit Profumo auftaten, darunter den internen Streit um inner-italienische Fusionen und die umstrittene Libyen-Connection. Die strategische Ausrichtung eines der führenden europäischen Finanzkonzerne muss er gegen nationale Befindlichkeiten behaupten. An der weiteren internationalen Positionierung herrsche unter ihm kein Zweifel, heißt es.
Mailand als neuer Dienstort
Geboren am 14. Oktober 1955 in Piacenza begann er nach dem Jus-Studium in Parma 1980 seine Karriere bei der heutigen UniCredit. Zunächst in der heimatlichen Niederlassung in Piacenza. 1988 verschlug es ihn in Managementfunktionen zur UniCredit Triest, wenige Jahre später in den Niederlassungen London und Singapur und Polen. Von 2003 bis 2007 war er Vorstand in der türkischen Yapi Kredi Bank. Danach kontrollierte er die Polen-Agenden und kurz darauf ganz Osteuropa. Mit der Berufung an die Konzernspitze geht es jetzt einmal für längere Zeit nach Mailand.







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