Häupl im Interview:

“Asylkosten-Geheimpapier ist größte Ente von Kurz”

Österreich
02.10.2015 17:02
Trotz Oberösterreich, trotz FPÖ, trotz Prognosen hat Wiens Bürgermeister gute Laune. Acht Tage vor der Wahl spricht der Stadt-Chef mit der "Krone" über das Asylkosten-Geheimpapier, Außenminister Sebastian Kurz, die Fehler der SPÖ, Wirtschaftskrise und Albträume mit Heinz-Christian Strache.

"Krone": Steiermark, Burgenland, Oberösterreich - unentwegt verliert die SPÖ Wähler. Wieso?
Michael Häupl: Ich werde jetzt nicht herummäkeln am Wahlkampf der oberösterreichischen SPÖ, aber meine Güte, dass es in Wirtschaftskrisenzeiten schwieriger ist für eine Regierungspartei, das liegt auch auf der Hand. Es schreitet ja auch nicht gerade die ÖVP von Wahlsieg zu Wahlsieg.

"Krone": Welche Fehler hat die SPÖ in den vergangenen Jahren gemacht?
Häupl: Ich denke, wir haben trotz aller Bemühungen noch immer zu wenig die größte Wirtschaftskrise seit der Zwischenkriegszeit erläutert. Das hat natürlich Konsequenzen. Uns wirft man zum Beispiel vor, dass wir einen Rekordschuldenstand haben, abgesehen davon, dass wir schon höhere Schulden hatten als jetzt. Aber das ist genau der Unterschied: Während eine Partei des Mitbewerbers 13 Milliarden Euro in Kärnten in den Sand setzt, haben wir investiert.

"Krone": Wenn man sich so die Internetforen durchliest, wird der SPÖ oft vorgeworfen, sie sei weltfremd, abgehoben, Häupl würde ja nicht einmal wissen, was ein Liter Milch kostet.
Häupl: Da ich selber mit Leidenschaft koche, gehe ich auch selber einkaufen. Ich glaube, wir sind enorm geerdet. Aber jene, die mir vorwerfen, ich sei abgehoben, sind diejenigen, die bei einem Abendessen mehr ausgeben als ein Sozialhilfeempfänger im ganzen Monat bekommt.

"Krone": Was kostet ein Liter Milch?
Häupl: Heute ungefähr 1,20 Euro.

"Krone": Das Geheimpapier um die Milliarden-Kosten der Flüchtlinge sorgt für Aufregung.
Häupl: Vergessen Sie dieses Geheimpapier, bitte, das ist die größte Ente, die der Herr Kurz in die Welt gesetzt hat. Ich weiß nicht, was er damit bezweckt hat. Der Einzige, den er mit dieser Fehlinformation in die Bredouille gebracht hat, war der Finanzminister. Wir haben nicht ganz 12.000 Personen in der Grundversorgung, das ist machbar.

"Krone": Die Regierung will ja noch ein bisschen weiterwurschteln. Ist es das, was die Österreicher wollen? Eine Wurschtel-Regierung?
Häupl: Die Regierung soll regieren, da stimme ich dem Herrn Vizekanzler zu, das kann man sich erwarten. Das scheint mir allerdings keine rasend neue Erkenntnis zu sein. Wurschteln, das will niemand, ich habe allerdings den Eindruck, dass die Regierung unter ihrem Wert geschlagen wird.

"Krone": Ist Heinz-Christian Strache schon einmal in einem Ihrer Albträume vorgekommen?
Häupl: Nein. Weder Herr Dr. Jörg Haider, noch Herr Strache sind jemals in meinen Träumen vorgekommen.

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